Grünflächen, Bürgerengagement und Gartenschauen als Motor der Stadtentwicklung
Unter dem Motto „Der Gartenbau kann es – Grün tut gut!“ stand der 6. Norddeutsche Gartenbautag auf der Internationalen Gartenschau (igs) Hamburg 2013. Die Veranstaltung fand auf der NDR-Südbühne im Ausstellungsbereich „Lebendige Kulturlandschaften“ statt und rückte die Bedeutung von Grünflächen für lebenswerte Städte in den Mittelpunkt.
Inmitten der Präsentationen der Vier- und Marschlande sowie des Pinneberger Baumschullandes diskutierten Vertreter aus Politik, Kommunen und Verbänden über die Rolle des Gartenbaus für Stadtentwicklung, Lebensqualität und gesellschaftliche Herausforderungen.
Gartenbau übernimmt Verantwortung
Andreas Lohff, Präsident des Gartenbauverbandes Nord e.V., betonte die aktive Rolle der Branche bei der Gestaltung moderner Städte. Der Berufsstand stelle sich den Anforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft und wolle aktiv zur Verbesserung urbaner Lebensräume beitragen.
Als Berufsstand ergreifen wir die Initiative, der Gartenbau übernimmt Verantwortung und nimmt die Herausforderungen an, die die moderne Gesellschaft an uns stellt. Dies wird durch die Referate im Rahmen unseres Gartenbautages deutlich.
Im Mittelpunkt der Vorträge standen praktische Beispiele, wie Grünflächen, Bürgerengagement und städtebauliche Entwicklung zusammenwirken können.
Entente Florale stärkt Bürgerengagement
Klaus Groß, Bürgermeister der Stadt Westerstede, stellte den Wettbewerb „Entente Florale – meine Stadt blüht auf!“ vor. Der Wettbewerb fördert die aktive Beteiligung von Bürgern an der Gestaltung ihres Wohnumfeldes und stärkt das Bewusstsein für Grün und Natur in Städten und Gemeinden.
Besonders für finanzschwächere Kommunen bietet der Wettbewerb eine Möglichkeit, mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz sichtbare Verbesserungen im Stadtbild zu erreichen. Initiativen aus Bürgerschaft, Verwaltung und Wirtschaft können dabei gemeinsam umgesetzt werden.
Die Lebensqualität gerade in den finanzschwachen Städten und Gemeinden ist ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Mitbürgern auf Dauer nicht zu halten.
Anhand von Beispielen aus der „Gesundheitsstadt im Grünen“ Westerstede zeigte Groß, wie bereits kleine Maßnahmen durch Bauhöfe oder Bürgergruppen eine Dynamik für mehr Grün in der Stadt auslösen können.
Entente Florale ist, wenn es geschickt eingesetzt wird, ein hervorragendes und kostengünstiges Stadtentwicklungs- und Marketinginstrument.
Gartenschauen als Motor der Stadtentwicklung
Welche langfristigen Effekte Gartenschauen für Städte und Regionen haben, erläuterte Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH. Formate wie BUGA und IGA stoßen häufig umfassende Investitions- und Entwicklungsprozesse an.
Gartenschauen bündeln geplante öffentliche und private Investitionen und schaffen neue Infrastruktur. Als Beispiel nannte Sandner die BUGA Koblenz, die Investitionen von rund 500 Millionen Euro in der Region ausgelöst hat.
Nach Abschluss der Ausstellung bleiben die entstandenen Parkanlagen als stark frequentierte Erholungsräume erhalten. Gleichzeitig verbessern sie das Wohnumfeld, steigern die Attraktivität der Städte und fördern den Tourismus.
Ehrung für besonderes Engagement im Berufsstand
Im Rahmen des Gartenbautages wurde Ernst Kramer aus Hamburg mit der Goldenen Ehrennadel des Gartenbauverbandes Nord e.V. ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt sein jahrzehntelanges Engagement für den Berufsstand.
Kramer hat sich insbesondere in der Ausbildung des gärtnerischen Nachwuchses sowie als Preisrichter auf Gartenschauen verdient gemacht. Die Laudatio hielt Andreas Kröger, Präsident der Landesgruppe Hamburg im Verband.
Gartenbaupolitik im Fokus
Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), widmete sich in seinem Vortrag den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und veränderte Marktstrukturen beeinflussen zunehmend die Entwicklung des Gartenbaus in Deutschland.
In Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels gehört es zu unseren wichtigsten Aufgaben, die Leidenschaft und Kreativität des gärtnerischen Berufsstandes nachfolgenden Generationen mitzugeben.
Qualifizierte Fachkräfte seien der entscheidende Faktor für den langfristigen Erfolg der Branche. Eine bundesweite Nachwuchskampagne des Zentralverbandes Gartenbau soll daher junge Menschen für die vielseitigen Berufe im Gartenbau begeistern.
Zugleich unterstrich Mertz die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgestellte „Clusterstudie Deutscher Gartenbau“ zeige deutlich, welchen Stellenwert die Produktion von Pflanzen, Obst und Gemüse für Wirtschaft, Arbeitsplätze und nachhaltige Produktion nach deutschen Umwelt- und Sozialstandards besitzt.