Die NordBau 2023: Eine umfassende Fachmesse für Bau und Handwerk
Die 68. NordBau, die am 10. September 2023 endete, präsentierte sich als umfassende Fachmesse für Bau und Handwerk. Auf dem ausgebuchten Gelände der Holstenhallen zeigten 676 Aussteller eine breite Palette an Produkten und Lösungen. Das Freigelände war geprägt von einer Vielzahl an Maschinen und Baugeräten für den Straßen- und Tiefbau. Auffällig war der wachsende Anteil an Fahrzeugen mit Akku- und Elektroantrieb sowie wendige Geräte für den kommunalen Einsatz und vielseitige Nutzfahrzeuge. Auch die Gartenausstattung war dort vertreten.
In den Hallen reichte das Angebot von Werkzeugen und Arbeitskleidung über Fliesen, Badausstattung, Küchen und Kaminöfen bis hin zu Dämmmaterialien, Fenstern, Türen und Ziegeln. Die Messe fand in einer Zeit statt, die für die Bau- und Energiebranche sowie für Immobilienbesitzer von Unsicherheiten geprägt ist. Fragen zur energieeffizienten Sanierung und den damit verbundenen Kosten standen im Vordergrund. Auch Lieferengpässe und Kapazitätsrücknahmen bei Servicepartnern führten zu einer spürbaren Zurückhaltung in einigen Bereichen. Dennoch bot die NordBau den 42.800 Besuchern Lösungsansätze, innovative Produkte und einen umfassenden Marktüberblick.
Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen
Die Aussteller berichteten von zahlreichen guten Gesprächen, wertvollen Kontakten und Geschäftsabschlüssen. Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen betonte bei der Messeeröffnung die Notwendigkeit, Hürden zu überwinden und Lösungen für die aktuellen Umbrüche zu finden, insbesondere im Umgang mit Wasser und bei der Umsetzung der Energiewende.
Ein zentrales Sonderthema in Halle 6 war das nachhaltige Wassermanagement. Partner informierten über Herausforderungen, Risiken und Lösungen. Vertreter aus Politik, Verbänden und Kommunen nutzten die Gelegenheit, sich über Anregungen, Tipps und Kontakte für Infrastrukturmaßnahmen zu informieren. Gezeigt wurden Konzepte für verbesserten Hochwasserschutz, den Umgang mit Starkregenereignissen, Renaturierung zum Klimaschutz sowie die Speicherung und Nutzung von Wasser für die Pflanzenbewässerung. Als Vorbild für eine Schwammstadt wurde Kopenhagen vorgestellt.
In Halle 7 stand die Beratung zu Energie- und Heiztechnik im Mittelpunkt. Ein Beratungsstand der Verbraucherzentrale und Haus & Grund Schleswig-Holstein bot unabhängige Informationen zur energetischen Ertüchtigung von Immobilien. Experten klärten über Heizsysteme, notwendige Umbaumaßnahmen und Fördermöglichkeiten auf. Ergänzend dazu fanden Kurzvorträge statt. Besucher konnten sich direkt bei den namhaften Herstellern in Halle 7 über passende Produkte informieren und diese vergleichen.
Innovation, Austausch und Zukunftsperspektiven
Die Messe vermittelte trotz der aktuellen Herausforderungen viel Zuversicht und Optimismus. Peter Oppermann von Oppermann & Fuss GmbH, Aussteller von mobilen Sieb- und Brechanlagen, hob die Bedeutung solcher Plattformen hervor:
Wir alle spüren die zunehmende Zurückhaltung bei unseren Kunden, weil viele nicht wissen: Wohin geht es? Hohe Zinsen, Inflation, der Krieg in der Ukraine sowie Unsicherheiten durch Vorgaben und Regularien haben dazu geführt, dass weniger investiert wird. Umso wichtiger sind diese Plattformen, um Zuversicht für unsere Kunden zu zeigen. Wir hatten schließlich mehr als 10 Jahre einen Steigflug. Die jetzige Situation entspricht dem Wirtschaftszyklus, den wir alle kennen und erwarten konnten.
Auch die Nachwuchsförderung spielte eine Rolle: Rund 1.000 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Nordjob Bau teil, organisiert vom Institut für Talententwicklung. Sie informierten sich in persönlichen Gesprächen über Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven in der Branche.
Der fachliche Austausch und die Weiterbildung wurden durch 50 Kongresse und Veranstaltungen geförd, an denen rund 4.000 Fachbesucher teilnahmen. In Halle 4 nutzten Start-ups die Gelegenheit, sich mit der etablierten Bauindustrie auszutauschen. Forschungsprojekte und praktische Umsetzungen wurden in Halle 1 präsentiert. Die Materialprüfanstalt Schleswig-Holstein und das Forum Kreislaufwirtschaft zeigten den Einsatz von recycelten Baumaterialien und aktuelle Forschungsprojekte. Studierende der Technischen Hochschule Lübeck und weiterer Hochschulen stellten das Projekt Unity vor, eine Wohnunterkunft für Geflüchtete, von der ein erstes Objekt bereits in der Ukraine genutzt wird. Ein Forschungspavillon der TH Lübeck veranschaulichte zudem die Möglichkeiten des Beton-3D-Druckverfahrens und die Synergieeffekte zwischen Forschung und Industrie.
Ausblick: BauCon Nord 2024
Die NordBau bleibt eine Plattform für Austausch, Vernetzung und die Weiterentwicklung von Ideen. Für das kommende Jahr ist eine Neuerung geplant: Im Rahmen der 69. NordBau, die vom 4. bis 8. September 2024 stattfindet, wird erstmals die zweitägige "BauCon Nord" veranstaltet. Dieser Wohnungsbau-Kongress ist ein Gemeinschaftsprojekt der Technischen Hochschule Lübeck (Dekan Prof. Dr. Sebastian Fiedler) und der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Geschäftsführer Prof. Dietmar Walberg). Die BauCon Nord soll Fragen rund um den Hochbau beleuchten und zur gemeinsamen Weiterentwicklung beitragen.
