Naturschutz

Bodenmarkt unter Druck: Politik fordert strengere Regeln gegen Spekulation

Explodierende Bodenpreise und zunehmende Flächenverluste setzen Landwirte unter Druck. Politik und Experten fordern strengere Regeln, um Spekulation einzudämmen und den Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen zu sichern.

Steigende Preise und Flächenverluste erhöhen Handlungsdruck für Reformen im Bodenrecht

Der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen entwickelt sich zunehmend zur Herausforderung. Steigende Preise und strukturelle Defizite im Bodenrecht erschweren insbesondere landwirtschaftlichen Betrieben den Erwerb und die Nutzung von Flächen. Auf einer Fachtagung in Berlin wurden aktuelle Entwicklungen und mögliche Gegenmaßnahmen intensiv diskutiert.

Seit 1993 sind in Deutschland rund 1,2 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gegangen. Gleichzeitig haben sich die Preise für Ackerland deutlich erhöht: Seit 2005 stiegen sie um 193 Prozent auf durchschnittlich 25.485 Euro pro Hektar. Eine ähnliche Dynamik zeigt sich bei den Pachtpreisen.

Investoren treiben Preisentwicklung

Als wesentlicher Treiber gilt das zunehmende Engagement außerlandwirtschaftlicher Investoren. Vor allem seit der Finanzkrise 2007 fließt verstärkt Kapital in den Bodenmarkt. Bestehende Regulierungslücken ermöglichen es, Flächen als Anlageobjekt zu nutzen und treiben die Preise weiter nach oben.

Ein zentrales Problem liegt in sogenannten Anteilskäufen. Dabei werden nicht direkt Flächen erworben, sondern Anteile an Unternehmen, die über Grundbesitz verfügen. Diese Transaktionen unterliegen häufig nicht der behördlichen Kontrolle und umgehen bestehende Regelungen.

„Die Preise für Ackerland sind explodiert – in den vergangenen 15 Jahren haben sie sich verdreifacht. Vor allem, weil diese Flächen durch Regelungslücken zum Spekulationsobjekt für Finanzinvestoren geworden sind. Die Verlierer dabei sind unsere Landwirte. Sie laufen Gefahr, einen fairen und bezahlbaren Zugang zu der Ressource zu verlieren, die ihnen das Einkommen sichert. Die Bundesländer fordere ich auf, hier gegenzusteuern. Sie müssen ihr Bodenrecht an die heutigen Herausforderungen anpassen, endlich die bestehenden Lücken schließen. Deshalb habe ich ein Referat für Bodenmarkt gegründet und den Ländern Vorschläge gemacht. Denn wir brauchen Bauern, und Bauern brauchen Boden. Rechtlich muss ihnen hier der Rücken gestärkt werden,“

Forderung nach Stärkung regionaler Betriebe

Ein zentrales Anliegen der Politik ist die Verbesserung des Zugangs für landwirtschaftliche Betriebe. Dazu zählt insbesondere die Stärkung von Vorkaufsrechten, um ortsansässigen Betrieben bessere Chancen im Wettbewerb um Flächen zu sichern.

„Dass am Ende Einzelhandelsketten, Banken oder Rückversicherungskonzerne unseren Landwirten die Lebensgrundlage wegkaufen, ist eine besorgniserregende Entwicklung. Da darf nicht länger zugesehen werden.“

Zusätzlich erschwert eine unzureichende Transparenz auf dem Pachtmarkt die Situation. Ein Großteil der Pachtverträge wird nicht ordnungsgemäß gemeldet, wodurch Kontrollmechanismen zur Preisregulierung nur eingeschränkt greifen.

Flächenverlust als strukturelles Problem

Parallel zur Preisentwicklung geht weiterhin landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Jährlich werden rund 47.000 Hektar in andere Nutzungsformen überführt. Damit sinkt die verfügbare Fläche für die Lebensmittelproduktion kontinuierlich.

Vor diesem Hintergrund wird gefordert, landwirtschaftlichen Boden stärker zu schützen und ihm eine vergleichbare Bedeutung wie anderen Flächennutzungen einzuräumen. Neben der Versorgungssicherheit spielt dabei auch die Sicherung von Arbeitsplätzen und regionalen Wertschöpfungsketten eine zentrale Rolle.

Länder in der Verantwortung

Seit der Föderalismusreform liegt die Zuständigkeit für das Bodenrecht bei den Bundesländern. Bisher hat jedoch nur Baden-Württemberg ein eigenes Agrarstrukturgesetz verabschiedet. In anderen Ländern bestehen weiterhin Regelungslücken.

Zahlreiche Bundesländer haben Reformen angekündigt, konkrete Umsetzungen stehen jedoch vielfach noch aus. Die Bundesregierung unterstützt diese Prozesse durch Vorschläge, Forschungsprojekte und Maßnahmen zur Verbesserung der Datentransparenz.

Die Diskussion zeigt, dass der Handlungsdruck steigt. Ziel bleibt es, faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Bodenmarkt zu schaffen und landwirtschaftliche Betriebe langfristig zu sichern.

05.03.2020

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