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Aktuelle Preissteigerungen für Kraftstoffe höher als in den Krisen der vergangenen Jahrzehnte

21.04.2022

Die ohnehin dynamische Entwicklung der Energiepreise im Zusammenhang mit der Corona-Krise hat sich infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verstärkt. Die aktuellen Preissteigerungen für Energieprodukte sind teilweise vergleichbar mit den Preisentwicklungen während früherer Krisen. Eine Analyse des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt jedoch auch Unterschiede.

Historisch hohe Energiepreissteigerungen im Jahr 2022

Dabei wurde die Entwicklung der Preise für Erdöl und Mineralölprodukte sowie Erdgas in den vergangenen 50 Jahren und auf verschiedenen Wirtschaftsstufen untersucht. Es zeigt sich: Der Anstieg der Kraftstoffpreise im Vorjahresvergleich war in den vergangenen Jahrzehnten nie so stark wie im aktuellen Berichtsmonat März 2022.

Im März 2022 zahlten private Verbraucherinnen und Verbraucher an den deutschen Tankstellen durchschnittlich 41,9 % mehr für Superbenzin und 62,6 % für Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 47,4 % teurer. Für leichtes Heizöl mussten private Verbraucherinnen und Verbraucher sogar fast zweieinhalb Mal so viel (+144,0 %) bezahlen wie im März 2021.

So hohe Preisanstiege für Heizöl und Kraftstoffe gab es in Deutschland selten zuvor. Ähnliche Entwicklungen waren bislang lediglich im Zusammenhang mit den beiden Ölkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu beobachten. Allerdings war der Anstieg der Verbraucherpreise für Kraftstoffe im Vorjahresvergleich in keiner dieser Krisen höher als im März 2022.

Erste Ölkrise 1973/1974: Starke Preissteigerungen infolge geopolitischer Spannungen

Wie in der aktuellen Lage waren auch in den Jahren 1973/74 hohe Preissteigerungen für Erdöl und Mineralölprodukte auf allen Wirtschaftsstufen zu verzeichnen. Im November 1973 stiegen die Einfuhrpreise für Erdöl gegenüber dem Vormonat Oktober um 41,6 %. Einen Monat zuvor hatte der Jom-Kippur-Krieg begonnen, der als Auslöser der ersten Ölkrise gilt.

Die in der OPEC organisierten erdölexportierenden Staaten drosselten ihre Fördermenge, um Druck auf westliche Staaten auszuüben. Im März 1974 war importiertes Erdöl mehr als drei Mal so teuer wie ein Jahr zuvor (+221,1 % gegenüber März 1973).

Die Preise für Mineralölprodukte erreichten im Februar 1974 ihre bis dahin höchste Vorjahresveränderungsrate (+68,9 %). Für private Verbraucherinnen und Verbraucher stiegen die Kraftstoffpreise im selben Monat um 32,5 %, während leichtes Heizöl bereits im Dezember 1973 mit +183,3 % einen Höchststand erreichte.

Die Erdgaspreise folgten den Erdölpreisen mit zeitlichem Verzug. Der höchste Preisanstieg für importiertes Erdgas wurde im Mai 1975 mit +116,1 % verzeichnet.

Zweite Ölkrise 1979/1980: Anhaltend hohe Energiepreise

Auch während der zweiten Ölkrise 1979/1980 kam es zu deutlichen Preissteigerungen für Heizöl und Kraftstoffe. Auslöser waren Förderausfälle infolge der Islamischen Revolution im Iran sowie der Beginn des Ersten Golfkriegs.

Der Preisanstieg für importiertes Erdöl beschleunigte sich ab Frühjahr 1979 und erreichte im März 1980 mit +101,4 % seinen Höhepunkt. Die Importpreise blieben bis Mitte der 1980er Jahre auf einem hohen Niveau.

Für private Verbraucherinnen und Verbraucher war leichtes Heizöl bereits im Juli 1979 um 110,8 % teurer als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe erreichten im September 1981 mit +27,7 % einen damaligen Höchststand.

Auch hier folgten die Erdgaspreise mit Verzögerung. Der höchste Preisanstieg für private Haushalte wurde im Januar 1981 mit +22,2 % erreicht.

Finanzmarkt-, Corona- und aktuelle Krisen: Volatile Energiepreise

Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war durch starke Preisschwankungen geprägt. Im Juli 2008 erreichten die Importpreise für Erdöl mit +56,8 % einen Höchststand, ebenso die Verbraucherpreise für Heizöl und Kraftstoffe.

Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers brachen die Rohölpreise massiv ein. Zwischen Juli 2008 und Januar 2009 sanken die Importpreise für Erdöl um 60,3 %. In der Folge stiegen sie wieder an und erreichten im März 2012 einen neuen Höchststand.

In der Corona-Krise verlief die Entwicklung zunächst entgegengesetzt: Die Importpreise für Erdöl fielen bis April 2020 auf den tiefsten Stand seit 1999, stiegen aber ab Juni 2020 deutlich an. Im Februar 2022 lagen sie 70,3 % über dem Vorjahresmonat.

Die Preise für importiertes Erdgas erreichten im Februar 2022 mit einem Anstieg von 256,5 % einen bisher nie dagewesenen Höchststand.

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