Anpassungsstrategien für Stadtbäume im urbanen Raum
Der Klimawandel stellt den Garten- und Landschaftsbau vor neue Herausforderungen, insbesondere im Umgang mit Stadtbäumen. Auf einem Seminar des Fachverbandes geprüfter Baumpfleger im März 2017 in Oberhof/Thüringen wurden verschiedene Aspekte und Lösungsansätze diskutiert.
Klaus Körber von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim betonte, dass der ausschließliche Einsatz heimischer Gehölze in Städten nicht ausreicht. Es werden Gehölze benötigt, die extreme Temperaturschwankungen von minus 30 Grad Celsius im Winter bis plus 40 Grad Celsius im Sommer tolerieren können. Dies basiert unter anderem auf Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“.
Neben klimatischen Bedingungen erschweren mangelhafte Pflanzungen das Überleben von Bäumen im urbanen Raum. Körber hob hervor, wie wichtig es ist, Bäume im richtigen Substrat und nicht zu tief zu pflanzen, Stammschutz anzubringen und eine zielgerichtete, ausreichende Bewässerung sicherzustellen.
Dr. Ralf Petercord von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beleuchtete die Zunahme abiotischer Schäden und die Verbreitung heimischer sowie neu eingewanderter Schädlinge. Längere Vegetationsperioden führen beispielsweise zu einer höheren Generationenfolge bei Schädlingen. Neue Schädlinge gelangen oft durch Verpackungsmaterial und Pflanzenimporte in die Region. Petercord empfahl, Verpackungen sofort zu entsorgen und die Hygiene durch Laubentfernung in Städten zu verbessern. Informationen zu Borkenkäfern sind im Borkenkäferinfoportal verfügbar.
Ein Beispiel für den Kampf gegen Baumkrankheiten lieferte Dr. Henrik Weiß vom Büro Baum & Landschaft in Dresden. Er berichtete über die Behandlung der größten Rotbuche Sachsens, Fagus sylvatica 'Asplenifolia', in Dresden-Pillnitz. Der Baum war vom Weißfäuleerreger Meripilus giganteus (Riesenporling) befallen. Die Behandlung mit dem Antagonisten Trichoderma zeigte sich als erfolgreich. Wolfgang Vaas-Ruchti von Organics International stellte Möglichkeiten zur Bekämpfung von Schadorganismen mit Kontaktmitteln vor.
Jörg Cremer, Vorsitzender des Fachverbandes und Mitglied im Regelwerksausschuss zur ZTV-Baumpflege, informierte über Änderungen im zukünftigen Regelwerk. Die ZTV-Baumpflege dient als Bindeglied zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer und bietet dem Ausschreibenden eine Konfiguration gemäß der VOB. Eine fachgerechte Beurteilung von Angeboten und Leistungsabnahmen erfordert qualifiziertes Personal auf Seiten des Ausschreibenden. Auch bei Entsorgern, die im Wurzelbereich von Gehölzen arbeiten, trägt fachkundiges Personal zum Schutz und Erhalt von Bäumen bei.
Dennis Wilstermann vom Institut für Baumpflege in Hamburg referierte über Normen und Regelwerke für den Umgang mit Bäumen auf Baustellen. Er zeigte sowohl negative Beispiele baumschädigender Praktiken als auch positive Beispiele sorgsamen Baumschutzes.
Markus Breithaupt, Ausbilder bei den Baumgenossen e.G. in Nürnberg, betonte die Notwendigkeit der Dokumentation von Unterweisungen und deren Delegierung durch den Arbeitgeber. Er empfahl die fachkundigen Veröffentlichungen der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Scheinselbstständigkeit, die bei der Zusammenarbeit von Baumpflegern als Subunternehmer mit der Stammbelegschaft unterstellt werden kann. Hierbei sollten neue Urteile des Verwaltungsgerichtes beachtet werden.
Das Seminarprogramm umfasste zudem die Besichtigung eines der größten Laubholzsägewerke Europas, der Firma Pollmeier in Creuzburg, deren Technik und Arbeitsproduktivität die Teilnehmer beeindruckten. Das nächste Fachseminar ist für den 20. bis 22. April 2018 in der Bildungsstätte Gartenbau Grünberg geplant.

