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Baugenehmigungen 2022 rückläufig: Wohnungsbau unter Druck

10.03.2023

2022 wurden in Deutschland 6,9 Prozent weniger Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Besonders stark betroffen waren Ein- und Zweifamilienhäuser, während auch im Neubau und bei Privatpersonen die Antragszahlen deutlich zurückgingen.

Spürbarer Rückgang bei Neubauten und Einfamilienhäusern

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 354.400 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Rückgang von 6,9 Prozent beziehungsweise 26.300 Einheiten gegenüber dem Vorjahr. 2021 war mit 380.700 Genehmigungen noch der höchste Wert seit 1999 erreicht worden. Niedriger lag die Zahl zuletzt 2018 mit 346.800 Wohnungen.

In den Ergebnissen sind sowohl Neubauten als auch neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten. Die Zahl der Baugenehmigungen gilt als wichtiger Frühindikator für die künftige Bauaktivität. Die Bundesregierung verfolgt weiterhin das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Materialengpässe, hohe Kosten für Baustoffe & Materialien, Fachkräftemangel sowie verschlechterte Finanzierungsbedingungen belasteten 2022 die Baukonjunktur deutlich.

Deutlicher Einbruch im zweiten Halbjahr

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden 2022 insgesamt 304.600 Wohnungen genehmigt. Das waren 7,3 Prozent oder 23.900 Einheiten weniger als 2021. Besonders stark fiel der Rückgang im zweiten Halbjahr aus.

Während im ersten Halbjahr 2022 nur 2,1 Prozent weniger Neubauwohnungen genehmigt wurden als im Vorjahreszeitraum, lag das Minus im zweiten Halbjahr bei 12,6 Prozent. Seit Mai 2022 wurden durchgehend weniger Anträge genehmigt als im jeweiligen Vorjahresmonat. Im November sank die Zahl auf 20.400 Wohnungen, 15,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Dezember wurden zwar 28.100 Genehmigungen erteilt, dennoch lag auch dieser Wert 20,1 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Ein- und Zweifamilienhäuser besonders betroffen

Am stärksten traf der Rückgang die Einfamilienhäuser. 78.100 Genehmigungen bedeuteten ein Minus von 16,8 Prozent oder 15.800 Häusern. Ein Basiseffekt durch das Auslaufen des Baukindergeldes im März 2021 verstärkte die Entwicklung zusätzlich.

Auch bei Zweifamilienhäusern war ein überdurchschnittlicher Rückgang zu verzeichnen. Hier wurden 27.700 Wohnungen genehmigt, 13,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Rund 63 Prozent der Neubauwohnungen entstehen in Mehrfamilienhäusern. Mit 190.400 genehmigten Wohnungen lag das Minus in diesem Segment bei vergleichsweise moderaten 1,6 Prozent. Allerdings beschleunigte sich der Abwärtstrend im Jahresverlauf auch hier deutlich.

Privatpersonen stellen weniger Bauanträge

Rund 95 Prozent der Bauanträge für Wohnungen in Wohngebäuden stammen von Unternehmen und Privatpersonen. Unternehmen erhielten 147.900 Genehmigungen für neue Wohnungen, 3,3 Prozent weniger als 2021. Deutlich stärker fiel der Rückgang bei Privatpersonen aus.

Hier sank die Zahl der Genehmigungen auf 141.100, ein Minus von 12,6 Prozent oder 20.300 Wohnungen. Dagegen stieg die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen der öffentlichen Hand um 17,8 Prozent auf 12.200 Einheiten.

Nichtwohngebäude: leichte Zunahme beim umbauten Raum

Bei neu genehmigten Nichtwohngebäuden erhöhte sich der umbaute Raum 2022 leicht um 0,6 Prozent auf 236,7 Millionen Kubikmeter. Den größten Anteil hatten nicht-landwirtschaftliche Betriebsgebäude mit 70 Prozent. In diesem Segment stieg der umbaute Raum um 6,7 Prozent.

Deutliche Rückgänge gab es bei Anstaltsgebäuden mit minus 30,1 Prozent sowie bei Büro- und Verwaltungsgebäuden mit minus 16,7 Prozent. Trotz des Rückgangs lag das Niveau bei Bürogebäuden weiterhin über dem der Jahre 2003 bis 2017.

Insgesamt übersteigt die Zahl der Genehmigungen weiterhin die Zahl der Fertigstellungen. Der Bauüberhang bleibt damit hoch. Wie sich die tatsächliche Bautätigkeit entwickelt hat, werden die Zahlen zu den Baufertigstellungen zeigen.

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