Ausgezeichnete Innovationen im Überblick
Der bauma Innovationspreis wurde anlässlich der Eröffnung der bauma, der internationalen Fachmesse für Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinen, zum neunten Mal verliehen. Aus über 200 nationalen und internationalen Wettbewerbsanträgen erreichten 15 Weltneuheiten die Endausscheidung. Die sechs prämierten Innovationen, darunter zwei im Bereich Forschung, erfüllten die Kriterien der Fachjury in besonderem Maße.
Bewertet wurden Zukunftsfähigkeit, praktische Anwendbarkeit, Beitrag zum Umweltschutz und zur Humanisierung der Arbeitswelt sowie Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Energie- und Kosteneffizienz.
Kategorie Maschine
SL750 EiControlPlus Walzenlader der Eickhoff Bergbautechnik GmbH
Der automatisierte Walzenlader ermöglicht erstmals die Realisierung eines automatisierten Strebbaukonzepts im untertägigen Kohlebergbau. Dabei übernimmt der Mensch ausschließlich Überwachungsfunktionen in einem sicheren Umfeld. Durch die Vernetzung von Infrarot-Kameras mit Bildverarbeitung, Körperschall-Sensoren, Umfeldüberwachung, Millimeterwellenradar zur Kollisionsvermeidung und visuellen Kameras wird eine selbstständige Erkennung der Lagerstättenbegrenzungen ermöglicht. Dies führt zu einer automatisierten Steuerung aller Bewegungsabläufe beim Extraktionsvorgang entlang des Gewinnungsstoßes.
Das System vermeidet den Abbau unerwünschten Nebengesteins, was Energieeinsatz und CO2-Emissionen reduziert.
Energiespeicherzylinder der Liebherr Hydraulikbagger GmbH
Dieser Energiespeicherzylinder ist ein Energierückgewinnungssystem für Hydraulikbagger im Materialumschlag. Beim Anheben der Ausrüstung wird über die Hydraulikzylinder Energie aufgewendet. Beim Absenken der Ausrüstung wird ein Teil dieser Energie in einem externen Gaszylinder durch Gaskompression gespeichert. Beim erneuten Anheben der Ausrüstung unterstützt die gespeicherte Energie die Hubzylinder. Dies führt zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch und reduzierten Emissionen.
Brunnenbau mit Glaskugeln der Ochs Bohrgesellschaft mbH
Das Verfahren von Ochs nutzt Glaskugeln als Stützmaterial zwischen Bohrlochwand und Brunnenfilterrohr beim Brunnenbohren. Das Stützmaterial muss die Bodenpartikel an der Bohrlochwand so abstützen, dass klares Wasser mit geringem Widerstand durch die Porenräume zum Brunnenfilterrohr gelangt. Im Vergleich zu herkömmlichem Sand und Kies weisen Glaskugeln eine 4- bis 10-fach höhere Festigkeit und eine optimale Rundheit bei nahezu gleicher Korngröße auf. Dies schafft einen größeren freien Porenraum, der den ungehinderten Wasserfluss ermöglicht.
Ablagerungen wie Kalk, Eisen oder Mangan bilden sich im Ringraum schwerer, wodurch weniger Reinigungsintervalle erforderlich sind. Dies sichert eine höhere Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit des Brunnens.
Akustischer Geoscanner der TU Clausthal, Lehrstuhl für Tagebau und internationaler Bergbau
Der Geoscanner ist ein neues akustisches Scan-Verfahren zur Baugrund- und Lagerstättenerkundung sowie zur Bestimmung von Lockergestein. Das Prinzip basiert auf dem unterschiedlichen Körperschallverhalten verschiedener Materialien. Körperschallschwingungen erzeugen einen typischen „Fingerabdruck“ in der Gebirgsformation, der mit dem Geoscanner sichtbar gemacht wird. Dies ersetzt die herkömmliche visuelle Materialbeurteilung. Eine trennflächenscharfe und effiziente Gewinnung der Rohstoffe wird dadurch ermöglicht, da Fremdbeimischungen vermieden werden.
Elektroimpulsbohren der TU Dresden, Lehrstuhl für Baumaschinen und Fördertechnik
Das Elektroimpulsbohren nutzt die zerstörende Wirkung energiereicher, elektrischer Entladungen, die im Gestein erzeugt werden. Dieser Löseprozess unterscheidet sich von herkömmlichen Methoden, da die Zugfestigkeit des Gesteins statt der Druckfestigkeit überwunden wird. Am Lehrstuhl wurde das „Down Hole Tool“ entwickelt, eine Maschine, die in die Bohrtechnik integriert werden kann. Die Vorteile des Verfahrens sind ein geringer Verschleiß aufgrund fehlender mechanischer Kräfte am Abbauwerkzeug und eine höhere Bohrgeschwindigkeit von 4 m/h in Granit, was ein Einsparpotenzial bei den Bohrkosten von etwa 30 Prozent bedeutet.
Liebherr LH 120 C Materialumschlagsgerät der Liebherr Hydraulikbagger GmbH
Mit dem neuen Design des Liebherr LH 120 C wurde eine funktionsoptimierte Geräteform entwickelt. Eine neu konzipierte Fahrerkabine bietet Ergonomie und Sicht. Die Bedienelemente sind angeordnet. Die kubische Grundform ermöglicht eine neue Gestaltung der Verkleidungsteile und bietet einen begehbaren Motorraum, der überdachte Wartung bei schlechtem Wetter ermöglicht. Die Servicepunkte sind übersichtlich angeordnet, und der Kraftstofftank wurde groß dimensioniert, um die Tankintervalle zu verlängern. Zudem wurden Sicherheitsinstrumente integriert.
