Bedeutung der Bäume und die Rolle der Baumpflege im urbanen Raum
Das Baumforum 2022, eine gemeinsame Veranstaltung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg, widmete sich den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Stadt- und Parkbäume im urbanen Raum. Rund 75 Fachleute aus Kommunen, Baumpflegebetrieben des Garten- und Landschaftsbaus und Fachschulen nahmen an dem Austausch auf der Insel Mainau teil.
Die Veranstaltung unterstrich die wachsende Bedeutung von Standort und Pflege von Bäumen in Städten und Gemeinden. Eine nachhaltige Baumbestandspflege erfordert eine umfassende Strategie, die von der Planung über die Anzucht und Pflanzung bis zur fachgerechten Baumpflege reicht. Nur so kann der Baumbestand langfristig erhalten bleiben. Die Baumpflege hat sich in den letzten 30 Jahren zu einem anerkannten Berufsfeld entwickelt, dessen Akteure maßgeblich zur gesunden Entwicklung von Bäumen beitragen.
Bäume sind essenzielle Bestandteile für das Klima und das Wohlbefinden von Mensch und Tier, insbesondere in städtischen Gebieten, die oft von Staub und Hitze betroffen sind. Eine gesunde Baumlandschaft trägt dazu bei, Städte lebenswert zu erhalten.
Staatssekretärin Sabine Kurtz vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) betonte in ihrer Eingangsrede die tief verwurzelte kulturelle Bedeutung von Bäumen. Sie zitierte Freiherr Alexander von Humboldt:
„Habt Ehrfurcht vor dem Baum, er ist ein einziges großes Wunder, und euren Vorfahren war er heilig. Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen von Minderwertigkeit eines Volkes und von niederer Gesinnung des einzelnen.“Sie hob hervor, dass Bäume im städtischen Bereich und urbanes Grün heute unverzichtbare Elemente der Planung und Gestaltung sind.
Bettina Gräfin Bernadotte, Geschäftsführerin der Insel Mainau, begrüßte die Gäste ebenfalls und hob die Rolle der Bäume als Lebensraum, grüne Lunge, Baumaterial und Erholungsraum hervor. Sie verwies auf den wertvollen Baumbestand der Mainau, der auf die Planungen von Nikolaus II. Esterházy de Galantha und Großherzog Friedrich I. von Baden vor über 200 Jahren zurückgeht.
Albrecht Bühler, Vorstand Ausbildung im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg, moderierte die Veranstaltung und betonte die gemeinsame Aufgabe der gesamten grünen Branche, die Baumpflege weiterzuentwickeln. Dies schließt die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern in Garten- und Landschaftsbaubetrieben sowie die Verantwortlichen für Stadtgrün in Kommunen ein.
Klimawandel und Baumpflege: Herausforderungen und Anpassungsstrategien
Florian Pietsch, Bachelor prof. Baumpflege und Landschaftsbau sowie Technischer Angestellter im Grünflächenamt der Stadt Esslingen, referierte über die Auswirkungen des Klimawandels auf Stadtbäume. Er stellte fest, dass Bäume in Städten aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend unter Stress leiden. Eine Klimatabelle verdeutlichte den Rückgang der Regenmengen und den Anstieg der Temperaturen. Dies erfordert bei der Planung von Grünzügen und Parkanlagen ausreichend große Baumgruben von mindestens 12 m³, idealerweise miteinander verbundene Baumquartiere.
Zudem ist der Einsatz von Baumarten notwendig, die höhere Temperaturen und geringere Niederschläge tolerieren. Eine breite Diversifizierung des Baumbestandes durch verschiedene Gattungen, Arten und Sorten ist empfehlenswert, um bei baumartspezifischen Krankheiten nicht ganze Bestände zu verlieren. Bei der Planung ist auch die Entwicklung von Krone, Stamm und Wuchs des Baumes in der adulten Lebensphase zu berücksichtigen. Pietsch betonte die Bedeutung der fachgerechten Pflanzung, Abnahme und Entwicklungspflege. Eine zu tiefe Pflanzung sei schädlich für den Baum. Der Entwicklungsschnitt ist unerlässlich, um gesunde Kronen zu fördern, die im Alter weniger Schnittmaßnahmen erfordern. In den ersten fünf Jahren nach der Pflanzung ist eine optimale Versorgung mit regelmäßiger Bewässerung (150-300 Liter pro Gießgang) und Düngegaben im Frühjahr grundlegend.
Jürgen Köhler vom Arboristikbüro Köhler aus Würzburg erläuterte die komplexen Kommunikationsprozesse innerhalb eines Baumes. Bäume tauschen über Triebspitzen und Wurzelspitzen Informationen über Umweltbedingungen aus. Dies ermöglicht ihnen, beginnenden Trockenstress wahrzunehmen und Anpassungsstrategien einzuleiten, oft bevor äußerlich sichtbare Schäden auftreten.
Köhler beschrieb das Problem des vorzeitigen Laubfalls im Sommer. Bei Trockenheit reduziert der Baum zunächst die Verdunstung über die Spaltöffnungen, um das Wasserleitungssystem vor Embolien zu schützen (Phase 1). Hält die Trockenheit an, treten Embolien in Wurzeln und Blattstielen auf, was die Wasserführung unterbricht und zum Abstoßen von Feinwurzeln und vorzeitigem Blattabwurf führen kann (Phase 2). Bäume in Phase 1 können sich bei ausreichender Feuchtigkeit schnell erholen, während Bäume in Phase 2 Energie aufwenden müssen, um geschädigte Strukturen zu reparieren oder neu zu bilden. Daher ist eine frühzeitige Wasserversorgung entscheidend, um sichtbare Schäden zu vermeiden.
Die Mainau als Beispiel für nachhaltige Baumbestandsentwicklung
Mainau-Gartendirektor Markus Zeiler, Gärtner und studierter Landespfleger, eröffnete seinen Vortrag mit den Worten:
„Dem Klimawandel lässt sich nicht durch Digitalisierung begegnen, sondern nur durch das Pflanzen von Stauden, Sträuchern und Bäumen.“Er beleuchtete die „Immergrüne Leidenschaft“ des Großherzogs Friedrich I. von Baden, dessen Planungen noch heute die Grundlage des Pflanzen- und Baumbestandes auf der Mainau bilden. Die Mainau, mit ihrem Arboretum, Rosengärten, Koniferensammlungen und wechselndem Blumenflor, ist ein Paradies für Pflanzenliebhaber.
Zeiler ging auf die verschiedenen Baumarten und deren Standorte auf der Mainau ein. Eine geologische Besonderheit ist der Molasse-Sandsteinfels in geringer Bodentiefe, der tiefwurzelnden Bäumen das Eindringen erschwert. Die Mainau ist zudem ein Hotspot für Küstenmammutbäume; alle drei Mammutbaumarten sind dort zu finden und wurden katalogisiert. Die Insel verfügt über ein umfangreiches Sortiment an Laub- und Nadelgehölzen, darunter einige der größten und ältesten Bäume in deutschen botanischen Gärten. Regelmäßige Nachpflanzungen sind Teil der grünen Tradition der Insel.
Eine fachkundige Führung durch die Baumlandschaft der Mainau, geleitet von Markus Zeiler und seinem Team, bot den Teilnehmern Einblicke in den alten Baumbestand, darunter jahrhundertealte Mammutbäume, Linden und Buchen. Die Veranstaltung verdeutlichte die Notwendigkeit einer gut durchdachten Planung bei der Pflanzung und Auswahl von Bäumen in Städten und Parkanlagen. Ausreichend große Pflanzquartiere, die dem Habitus und der Lebensdauer der jeweiligen Art entsprechen, sind dabei entscheidend. Geeignete heimische Stadt- und Parkbäume sind beispielsweise Feldahorn, Spitzahorn, Hainbuche, Traubeneiche, Elsbeere oder Speierling.
Albrecht Bühler vom VGL-BW fasste zusammen:
„Durch Veranstaltungen wie diese können Experten aus Städten und Gemeinden und den Fachbetrieben des Garten- und Landschaftsbau voneinander profitieren. So erkennen wir, wie unsere Städte künftig klimafreundlich und als Erholungsraum für Menschen gestaltet werden können. Ein gutes Klima für Bäume in der Stadt wirkt sich auch auf das Wohlbefinden der Bürger aus.“
