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BdB: Bilanz 2022, Herausforderungen und Branchenantworten

Der BdB Schleswig-Holstein zieht Bilanz für 2022 und beleuchtet Herausforderungen in der Gehölzproduktion. Kostensteigerungen, Fachkräftemangel und die Suche nach nachhaltigen Lösungen prägen die Branche. Einblicke in Marktentwicklung und Zukunftsperspektiven.

Marktentwicklung und Kostensteigerungen in der Baumschulwirtschaft

Nach zwei erfolgreichen Jahren zeigt sich das Marktgeschehen differenziert. Während im Endverbraucherbereich, beeinflusst durch Energiekrise und Inflation, eine starke Kaufzurückhaltung festzustellen ist, verzeichnen andere Handelsbereiche wie der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau), die Öffentliche Hand und die Forstwirtschaft gute Absätze. Besonders gefragt sind Obstgehölze, Bäume, Heckenware, Heister und Wildsträucher. Auch gebietseigene Gehölze und Forstpflanzen erfahren eine hohe Nachfrage.

Die Branche ist jedoch mit erheblichen Kostensteigerungen bei Ressourcen konfrontiert. Hinzu kommen Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel sowie steigende Personalkosten, die sich auch in den aktuellen Tarifverträgen für Baumschulen in Schleswig-Holstein und Hamburg widerspiegeln. Die Aussichten für den Absatz an den Einzelhandel (Gartencenter) werden als verhalten eingeschätzt, während die Bereiche Öffentliches Grün, GaLaBau und Forst optimistisch beurteilt werden.

Verabschiedung von John-Hermann Cordes

Im Rahmen der Versammlung wurde John-Hermann Cordes aus dem Vorstand des BdB-Landesverbandes Schleswig-Holstein verabschiedet. Axel Huckfeldt würdigte in seiner Laudatio Cordes' über 45-jähriges ehrenamtliches Engagement für die Baumschulbranche. Cordes, der den 1890 gegründeten Baumschulbetrieb als Inhaber übernahm, engagierte sich bereits ab 1977 im Juniorenkreis der Baumschuler. Seine Leidenschaft galt insbesondere den Obstgehölzen, wofür er sich seit 1990 im Fachausschuss Obstgehölze auf Landesebene und von 2005 bis 2023 als Vorsitzender des Fachausschusses auf Bundesebene einsetzte. Seit 2005 war er zudem Mitglied des Erweiterten Hauptausschusses des Bundes Deutscher Baumschulen.

Cordes hat stets wahrnehmbar und kritisch, wenn erforderlich, die Facharbeit des Berufsstands geprägt. Dabei war Cordes der fachliche Einsatz für die Baumschulwirtschaft immer auch eine Herzensangelegenheit.

Für sein Engagement wurde ihm die Goldene Ehrennadel des BdB verliehen und im Januar 2023 die BdB-Ehrenmitgliedschaft im Rahmen der Wintertagung in Goslar. Der BdB-Landesverband Schleswig-Holstein drückte seine Dankbarkeit für Cordes' Verdienste aus.

Aktuelle Herausforderungen in der Baumschulproduktion

Torfersatz – Stand und Ausblick

Hendrik Averdieck vom Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein informierte über den Stand und die Perspektiven des Torfersatzes. In Deutschland werden Gehölze auf 1.568 Hektar Kulturfläche in Topfgrößen von 0,5 bis mehreren hundert Litern kultiviert, was hohe Anforderungen an Kultursubstrate stellt. Gemäß dem Klimaschutzplan der Bundesregierung soll Torf als Substratausgangsstoff bis 2030 weitgehend ersetzt werden, obwohl sein Anteil an den gesamten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland lediglich 0,27 Prozent beträgt.

Ein mehrjähriges Modell- und Demonstrationsvorhaben (ToSBa) zur Praxiseinführung torfreduzierter Substrate in Baumschulen zeigt, dass das Kulturrisiko ab einem Torfersatzanteil von 50 Prozent deutlich ansteigt. Eine Schweizer Studie deutet zudem darauf hin, dass Torfersatzstoffe teilweise lediglich zu einer Verlagerung von Umweltbelastungen führen. Steigende Nutzungskonkurrenz bei Substratausgangsstoffen sowie hohe Energie- und Transportkosten führen dazu, dass Torfersatzstoffe oft nicht ausreichend verfügbar sind und massive Kostensteigerungen verursachen.

Neue Forschungsansätze konzentrieren sich auf den landwirtschaftlichen Anbau von Pflanzenarten wie Torfmoos, Schilf und Riedgräsern als nachwachsende Torfersatzstoffe auf wiedervernässten Moorstandorten (Paludikultur). Dies könnte durch CO2-Bindung den Klimaschutz fördern.

Alternativen zu Glyphosat in der Unkrautregulierung

Dr. Heinrich Lösing vom Versuchs- und Beratungsring für Baumschulen Schleswig-Holstein e.V. stellte Alternativen zu Glyphosat in der Unkrautregulierung vor. Unkräuter konkurrieren in Baumschulen mit Gehölzen um Licht, Wasser und Nährstoffe. Glyphosat (Roundup) wurde über Jahrzehnte zur Regulierung von Unkräutern und Gräsern eingesetzt. Die Zulassung des Wirkstoffs in Deutschland läuft nach derzeitigem Stand Ende 2023 aus, wobei eine europäische oder nationale Entscheidung über eine Verlängerung oder Beendigung noch aussteht.

Der Versuchs- und Beratungsring e.V. führt seit einigen Jahren umfangreiche Prüfungen durch, darunter die Untersuchung anderer Herbizide. Ebenfalls geprüft werden neuere Verfahren zur mechanischen Unkrautbekämpfung und Weiterentwicklungen klassischer Geräte (Belhomme, Clemens). Dazu gehören Hochdruckgeräte (Weed Killer), ein Gerät mit Strom (Zasso X-Power) und neuere Geräte zur Erkennung von Kulturpflanzen und Unkräutern. Auch der Einsatz von Robotern (Agrointelli, Bonirob, Farmdroid, Naio (Dino) usw.) wird untersucht.

Alle derzeit verfügbaren Alternativen zu Glyphosat verursachen jedoch höhere Kosten, eine höhere CO2-Belastung (5-7 Arbeitsgänge pro Jahr bei mechanischer Bearbeitung) und beschleunigen den Humusabbau im Boden.

Forschungsvorhaben Nachhaltige Baumschulproduktion

Dr. Andreas Wrede vom Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein präsentierte das Forschungsvorhaben zur nachhaltigen Baumschulproduktion. Politik, Handel und Verbraucher folgen zunehmend dem Trend der Nachhaltigkeit, dem sich auch die Baumschulwirtschaft weiter öffnen muss. Ziel ist die Identifikation, Anpassung und Einführung nachhaltiger, praktikabler und ökonomisch sinnvoller Verfahren, Techniken, Mittel und Methoden, die eine auskömmliche Baumschulproduktion im realen wirtschaftlichen Umfeld ermöglichen.

Die Baumschulwirtschaft in Schleswig-Holstein ist heterogen strukturiert, mit einer ausgeprägten betriebsspezifischen Spezialisierung (Jungpflanzen, Landschaftsgehölze, Forstbaumschulen, Containerbaumschulen, Alleebaumschulen, Obstbaumschulen, Unterlagenbaumschulen, Rosenschulen usw.). Die Vielfalt wird durch etwa 200.000 unterschiedliche Artikel verdeutlicht, die in den Baumschulen der Region produziert werden. Daher müssen bekannte und innovative Verfahren zur nachhaltigen Gehölzkultur identifiziert, in den Spezialbereichen geprüft und unter Berücksichtigung individueller Betriebsstrukturen in die Praxis eingeführt werden.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat einen Projektantrag für den Aufbau eines Modellbetriebs und einer Koordinierungsstelle nachhaltige Baumschule (Akronym: NaBaum) beim Land eingereicht, um finanzielle Unterstützung für die Begleitung und Förderung der Baumschulwirtschaft auf ihrem Weg in die Nachhaltigkeit zu erhalten.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) für die Baumschulwirtschaft

Jana Stoppel vom Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. erläuterte die Bedeutung der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) für die Baumschulwirtschaft. Sie stellte die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 vor und grenzte BnE von bisheriger Umweltpädagogik ab. Die Verknüpfung von BnE mit der Baumschulwirtschaft ist dabei ein Schwerpunkt. Der Begriff des nachhaltigen Anbaus wird seit über 300 Jahren in der Forstwirtschaft und später auch in der Baumschulwirtschaft gelebt.

Innerhalb der Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland wurde eine BnE-Projektstelle eingerichtet. Diese unterstützt die Arbeit des Deutschen Baumschulmuseums und entwickelt neue Programme, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Damit reagieren die Baumschulen im Norden auf die hohe Nachfrage nach Bildungsangeboten zu Themen wie "Leistungen von Bäumen", "Was brauchen Bäume?", "Die Grüne Stadt" und "Klimawandelgerechte Stadtentwicklung".

Vom Deutschen Baumschulmuseum zur BAUM-Schule – Stand und Ausblick

Dr. Frank Schoppa vom Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. gab einen Ausblick auf die Entwicklung des Deutschen Baumschulmuseums in Pinneberg. Das Museum besteht seit 25 Jahren und wurde 2019 vom Land Schleswig-Holstein zertifiziert. Es dient als Schnittstelle für die Wissensvermittlung rund um Baumschulen und die Wohlfahrtsleistungen von Gehölzen und ist ein besonderer Lernort.

Aufgrund verschiedener aktueller Einflussfaktoren wurde deutlich, dass das Deutsche Baumschulmuseum am derzeitigen Standort keine Zukunft hat. Eine Vorstudie schlägt nun einen Umzug an die Grüne Meile Ellerhoop (zum Arboretum und Gartenbauzentrum) vor. Zugleich soll eine umfassende Machbarkeitsstudie (MBKS) erstellt werden. Die MBKS soll neben dem Baukörper und der Außenraumgestaltung vor allem das Betriebskonzept als „Die BAUM-Schule“ – als BnE-Einrichtung und modernes Museum – untersuchen. Die Finanzierung und das Leistungsverzeichnis für eine bundesweite Ausschreibung der MBKS werden derzeit finalisiert.

01.02.2023

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