Innovative Lösungen für hohe Belastungen
Bei der Befestigung von Flächen, die hohen Kräften ausgesetzt sind, kommen üblicherweise Asphalt oder Betonpflastersteine zum Einsatz. Insbesondere bei extremen Belastungen wird oft Asphalt bevorzugt, da Bedenken hinsichtlich der Belastbarkeit von Pflastersystemen bestehen. Ein Beispiel der Peter Hempt GmbH aus Worms zeigt jedoch, dass Pflastersysteme auch unter sehr starker Beanspruchung eine geeignete Lösung darstellen können.
Für die Neuanlage einer hochbelasteten Werksfläche entschied sich das Unternehmen bewusst gegen Asphalt und setzte auf zwei spezialisierte Pflastersysteme. Die Peter Hempt GmbH betreibt in Worms ein großes Tankcontainerdepot und transportiert Tankcontainer für die chemische Industrie. Aufgrund des Unternehmenswachstums wurde Ende 2019 eine neue LKW-Werkstatthalle sowie ein Umschlagslager für Fahrzeuge und Containerchassis errichtet.
Dipl.-Ing. (FH) Uwe Hock vom Ingenieurbüro L.O.P. aus Worms erläuterte die Anforderungen an die neuen Werksflächen. Es sollten 126 Stellplätze entstehen, je zur Hälfte für LKW mit Zugmaschinen und für Auflieger. Für beide Fahrzeugtypen wurde ein hochbelastbarer Pflasterbelag gesucht, der Schub- und Scherkräfte aufnehmen kann, ohne dass Schäden entstehen. Eine weitere Anforderung war die Versickerung eines Großteils der Niederschläge, was jedoch aufgrund der Lage in einem Wasserschutzgebiet nur für Flächen ohne abgestellte Zugmaschinen umgesetzt werden konnte.
COMBICONNECT mit EPDM-Profil für hohe Belastungen
Auf der insgesamt etwa 16.000 m² großen Fläche wurden zwei unterschiedliche Pflastersysteme eingesetzt. Für die LKW-Stellplätze und die stark frequentierten Kurvenbereiche, die besonders hohen Belastungen ausgesetzt sind, wählten die Planer das Betonsteinsystem COMBICONNECT von Beton Pfenning. Dieses System verfügt über ein werkseitig fixiertes, steinumfassendes EPDM-Profil.
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) wird bereits in anderen Bereichen wie dem Fassaden- und Automobilbau erfolgreich eingesetzt. Belastungstests des Herstellers zeigten, dass dieser Synthesekautschuk als Fugenmaterial gut geeignet ist. EPDM ist ein dynamisches Material, das einen maximalen Lastabtrag ermöglicht. Gemäß DIN 18318 werden normgerechte Fugenbreiten von 4 mm erreicht.
Anders als bei konventioneller Bauweise können die Fugen hier nicht ausgewaschen werden, sondern bleiben dauerhaft gemäß den Anforderungen gefüllt. Außerdem ist das System COMBICONNECT 10 cm dick. Damit qualifiziert es sich ganz besonders für die Belastungsklasse Bk 3,2.
Das EPDM-Fugenmaterial ist ökologisch unbedenklich und gut recycelbar. Es zeichnet sich zudem durch hohe Verschleißfestigkeit aus, ist frost- und tausalzresistent sowie temperaturbeständig zwischen -50 und +145 Grad Celsius.
HydroStabil für Auflieger-Stellplätze mit Versickerungsfunktion
Für die Auflieger-Stellplätze, die geringeren Scherkräften ausgesetzt sind, entschieden sich die Planer für das versickerungsfähige Pflastersystem HydroStabil, ebenfalls von Beton Pfenning. Dieses System besitzt Verbundelemente an den Steinen, die eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen gewährleisten und die notwendige Fugenbreite für die Aufnahme von Verkehrsbelastungen sicherstellen.
Zusätzlich verfügt HydroStabil über Wasserspeicher-Kammern an den Kopfseiten der Steine. Diese Kammern speichern bei starkem Regen das Oberflächenwasser vor und leiten es zügig an Ober- und Unterbau weiter.
Mit diesen Lösungen ist es uns gut gelungen, die Anforderungen an die Belastbarkeit und an die Regenwasserversickerung zu erfüllen. Da beide Pflastersteinsysteme das Format 18 x 30 cm aufweisen, fällt es auf den ersten Blick gar nicht auf, dass hier verschiedene Systeme eingebaut wurden. Lediglich die etwas aufgeweiteten Stellen an den Stirnseiten der HydroStabil-Steine lassen die Speicherkammern erahnen. So wirkt die gesamte Fläche dennoch gestalterisch wie aus einem Guss.
Die Fläche ist seit Ende 2019 in Nutzung. Trotz der permanenten Belastung durch schwere LKW sind bisher keine Schäden erkennbar.
