Warum standardisierte Methoden für Fledermäuse wichtig sind
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) befürwortet die Einführung von Standardmethoden zur Erfassung von Fledermäusen im Kontext des Windkraftausbaus in Wäldern. Diese Empfehlungen, die im Rahmen eines Forschungsvorhabens entwickelt wurden, sind in der Fachzeitschrift „Natur und Landschaft“ veröffentlicht worden.
Fledermäuse sind in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt. Windkraftanlagen stellen für diese Tiere eine Gefahrenquelle dar, da Kollisionen mit Rotorblättern oder Druckunterschiede im Nahbereich der Rotoren zu tödlichen Verletzungen führen können. Der zunehmende Ausbau der Windkraft verstärkt diese Risiken. An Waldstandorten kommt der Verlust von Lebensraum und Jagdgebieten hinzu.
Um abschätzen zu können, welche Beeinträchtigungen für die verschiedenen Fledermausarten durch die Windkraftplanung entstehen, sind gerade an Waldstandorten intensive Untersuchungen erforderlich. Hier ist von großer Bedeutung, dass die besten und jeweils angemessenen Methoden gewählt werden.
Dies betonte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des BfN. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse können Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen entwickelt werden, um Konflikte zwischen Artenschutz und Windenergienutzung zu minimieren.
Der Einsatz standardisierter Methoden ist von großer Bedeutung. Er kann den planerischen Aufwand vereinheitlichen und hilft dabei, die Ergebnisse bundesweit vergleichbar zu machen.
Die Studie analysierte Leitfäden der Bundesländer, um geeignete Methoden zur Untersuchung von Gefährdungsbereichen vor und nach der Errichtung von Windkraftanlagen zu identifizieren. Insbesondere an Waldstandorten mit hoher Fledermausaktivität sind Voruntersuchungen zur Ermittlung des Kollisionsrisikos erforderlich. Ziel ist es, kritische Standorte frühzeitig zu erkennen, auszuschließen oder vorgezogene Abschaltzeiten festzulegen.
Erfassungs- und Monitoring-Maßnahmen für Fledermäuse
Die Erfassung der verschiedenen Fledermausarten und ihres Auftretens im Jahresverlauf sollte auch oberhalb der Baumkronen erfolgen. Nach der Errichtung einer Windkraftanlage sind akustische Aufnahmen der Fledermausrufe in Gondelhöhe notwendig, um das tatsächliche Kollisionsrisiko zu bestimmen. Auf dieser Grundlage können anlagenspezifische Abschaltzeiten definiert werden, die den Stillstand der Anlage in Zeiten hoher Fledermausaktivität gewährleisten.
Diese und weitere, gegebenenfalls ergänzende Untersuchungen sollten aus naturschutzfachlicher Sicht zum Standard bei der Errichtung von Windkraftanlagen in Wäldern gehören.
Hintergrund und Artenschutz bei Windkraft im Wald
In den Anfangsjahren des Windkraftausbaus wurden Wälder in Deutschland aus Naturschutzgründen weitgehend von der Nutzung ausgeschlossen. Angesichts der Ausbauziele ist ein grundsätzlicher Ausschluss der Windkraftnutzung über Wald heute nicht mehr denkbar. Viele Bundesländer nutzen Waldstandorte, insbesondere in den windhöffigen Höhenlagen Süddeutschlands.
Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für Fledermäuse, weshalb der Bau von Windenergieanlagen dort Beeinträchtigungen verursachen kann. Alle 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten sind nach der FFH-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt. Für sie gelten Tötungs- und Störungsverbote sowie das Verbot der Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten.
Viele heimische Fledermausarten sind in der Roten Liste gefährdeter Tiere aufgeführt. Arten, die fast ausschließlich auf den Wald als Lebensraum angewiesen sind, wie die Bechsteinfledermaus oder die Mopsfledermaus, befinden sich in einem schlechten Erhaltungszustand. Dies liegt unter anderem an der Intensivierung der forstlichen Nutzung, die zu einem Rückgang geeigneter Lebensräume führt. Die Windkraftnutzung stellt eine zusätzliche Beeinträchtigung dar, da Kollisionen und Druckunterschiede tödliche Verletzungen verursachen können. Im Wald kommt neben dem Kollisionsrisiko auch der mögliche Verlust von Quartieren und Jagdhabitaten hinzu.
Empfehlungen für Standardmethoden zur Fledermauserfassung
Zur Minimierung von Konflikten zwischen Windkraftnutzung und Artenschutz ist es an Waldstandorten wichtig, Beeinträchtigungen für die verschiedenen Arten mit geeigneten Methoden zu untersuchen und darauf basierend Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen zu entwickeln. Die meisten Bundesländer haben hierzu Leitfäden mit geeigneten Methoden veröffentlicht. Ein Forschungsvorhaben des BfN hat diese Länderleitfäden ausgewertet und diskutiert. Daraus resultierten Empfehlungen für Standardmethoden, die bundesweit vergleichbare Ergebnisse ermöglichen sollen.
Vor der Errichtung einer Windkraftanlage werden folgende Maßnahmen empfohlen:
- Datenrecherche
- Automatische akustische Erfassungen am Boden und in der Höhe zur Aufnahme und Auswertung von Fledermausrufen
- Baumquartierkartierungen
Je nach Standortbedingungen können diese Untersuchungen durch Fledermausnetzfänge, Telemetrieuntersuchungen und Balzkontrollen ergänzt werden.
Nach der Errichtung einer Windkraftanlage sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
- Automatische akustische Erfassungen der Fledermausrufe/Aktivität in Gondelhöhe
- Mehrjähriges Monitoring der Funktion von Ausgleichsmaßnahmen für den Lebensstättenverlust
An Standorten mit besonders hoher Risikoprognose sollte ein Populationsmonitoring die Überwachung ergänzen.
