Bedeutung von Großschutzgebieten für die Biodiversität
Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), hat sich anlässlich der internationalen Schutzgebietskonferenz von EUROPARC für die Diskussion um einen Nationalpark in Baden-Württemberg ausgesprochen. Bei der Eröffnung der Expertentagung hob Jessel die Bedeutung von Großschutzgebieten in Deutschland für den Erhalt der biologischen Vielfalt hervor.
Die Präsidentin des BfN betonte, dass die Ökosystemleistungen von Schutzgebieten und deren positive Auswirkungen auf den Menschen ein wichtiges Argument darstellen. Aus ihrer Sicht sind in Deutschland weitere Nationalparke erforderlich, um das Fünf-Prozent-Ziel einer natürlichen Waldentwicklung gemäß der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen. Zudem sollen dadurch alle Großlandschaften exemplarisch durch Nationalparke abgedeckt werden.
Daher begrüße ich die Nationalparkinitiative des Landes Baden-Württemberg. Unsere Nationalen Naturlandschaften sind von nationaler bis internationaler Bedeutung für den Naturschutz und tragen darüber hinaus auch wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei.
Jessel stellte fest, dass in Deutschland in den letzten Jahren Fortschritte bei der Neuausweisung und im Management von Gebieten erzielt wurden. Für die Weiterentwicklung von Großschutzgebieten zu Vorbildlandschaften seien ein kontinuierliches Qualitätsmanagement, eine ausreichende Personalausstattung sowie Erfolgskontrollen der umgesetzten Maßnahmen und Entwicklungen notwendig.
Die BfN-Präsidentin begrüßte zudem die Initiative der Naturparke, der Erhaltung und Entwicklung der Biodiversität künftig einen höheren Stellenwert einzuräumen. Dies soll die Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie unterstützen. Im Rahmen der Qualitätsoffensive des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN) werden für fünf Jahre Zertifikate mit der Bezeichnung „Qualitätsnaturpark“ an Parke vergeben, die bestimmte Qualitätsstandards erfüllen.
Der Bund ist sich seiner Verantwortung für international und national bedeutsame Schutzgebiete bewusst und wird sich bemühen, die Bundesländer bei deren Entwicklung auch weiterhin zu unterstützen. Genauso wichtig wie die ökologische Eignung ist dabei die Akzeptanz vor Ort bei der örtlichen Bevölkerung und den wesentlichen Interessengruppen.
Hintergrund der Konferenz
Die jährliche Schutzgebietskonferenz der EUROPARC-Federation, der europäischen Dachorganisation für Großschutzgebiete, findet in diesem Jahr in Deutschland statt. Das Bundesamt für Naturschutz unterstützt diese Veranstaltung maßgeblich mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Bad Urach unterstützen die Durchführung der Tagung, die vom 21. bis 25. September im Biosphärenreservat Schwäbische Alb stattfindet.
Die Konferenz, an der etwa 350 Teilnehmer aus ganz Europa teilnehmen, befasst sich mit Themen aus der Arbeit europäischer Großschutzgebiete, darunter Nationalparke, Biosphärenreservate, Regional- und Naturparke. Das diesjährige Motto lautet: „Qualität zählt – Gewinn für Natur und Mensch“.