Naturschutz

Dramatischer Rückgang der Vogelbestände in Agrarlandschaften

Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Zahl der europäischen Feldvögel halbiert. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und naturverträglicheren Landwirtschaftspolitik in der EU, um den Rückgang zu stoppen.

Ausmaß des Vogelsterbens in Agrarlandschaften

Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Zahl der europäischen Feldvögel halbiert. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und naturverträglicheren Landwirtschaftspolitik in der EU. Seit 1980 ist in der Europäischen Union jeder zweite Vogel in Agrarlandschaften verschwunden. Allein in Deutschland sind seit 1990 über eine Million Feldlerchen weniger zu verzeichnen.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen Arten, deren Bestände unter der Intensität der Landnutzung leiden.

Eine aktuelle europaweite Analyse von BirdLife International und dem European Bird Census Council bestätigt den dringenden Handlungsbedarf. Trotz internationaler Bemühungen und Richtlinien konnte der Rückgang der Feldvogelbestände bisher nicht wirksam gestoppt werden. Die Agrarlandschaft Europas hat etwa die Hälfte ihrer ursprünglich dort heimischen Vögel verloren.

Bestandsrückgänge in Deutschland

Auch in Deutschland gehen die Bestände vieler häufiger Brutvögel von Äckern, Wiesen und Weiden seit 1990 deutlich zurück, wie der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) berichten.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es beim Feldsperling eine Verringerung auf zwei Drittel des Bestandes, beim Kiebitz haben wir sogar nur noch etwa ein Drittel der Vögel. Der europaweite Bestandseinbruch beim Rebhuhn hat mit über 90% in den letzten drei Jahrzehnten inzwischen dramatische Ausmaße angenommen.

Vögel dienen als wichtige Indikatoren für den Zustand der biologischen Vielfalt. Sowohl die Europäische Union als auch die Bundesregierung haben daher Indikatoren entwickelt, die auf der Bestandsentwicklung von Vogelarten basieren. Diese werden regelmäßig im Rahmen nationaler und gemeinschaftlicher Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsstrategien aktualisiert.

Analyse der EU-weiten Vogeltrends

Die aktuelle Analyse der EU-weiten Vogeltrends bestätigt nicht nur das Ausmaß des Verlusts an biologischer Vielfalt, sondern zeigt auch, dass der Artenschwund insbesondere in intensiv genutzten Agrarlandschaften in den letzten Jahren zugenommen hat. Der europäische Farmland Bird Indicator, der auf der Erfassung von 37 Vogelarten basiert, zeigt, dass derzeit etwa viermal so viele Arten ab- wie zunehmen. Besonders betroffen sind viele ehemals häufige Arten.

Seit 1980 weist der europäische Indikator eine Abnahme von 52 Prozent auf. Das deutsche Gegenstück, der auf Vogeldaten basierende Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität, zeigt für das Agrarland über die letzten zehn Jahre einen signifikant negativen Trend. Er entfernt sich zunehmend von dem für 2015 festgelegten Zielwert. Im Berichtsjahr 2009 lag der Indikatorwert bei lediglich 66 Prozent des anvisierten Zielwerts.

Forderungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)

Die alarmierenden Zahlen zum Rückgang der Agrarvögel wurden der Europäischen Kommission im Rahmen der Diskussion um die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorgelegt. Naturschutzverbände und Wissenschaft fordern, dass diese Entwicklung nicht ignoriert, sondern maßgeblich bei der Neugestaltung der GAP berücksichtigt wird. Die bisherige Förderpolitik der GAP hat den Trend zu natur- und umweltschädigenden Praktiken verstärkt.

In Deutschland haben erhebliche Grünlandverluste, die Intensivierung der Ackernutzung mit gestiegenem Maisanbau und die Beseitigung von Kleinstrukturen wie Hecken und Feldrainen die Agrarlandschaften stark verändert. Neben dem Verlust an biologischer Vielfalt sind vielerorts hohe Belastungen von Böden und Grundwasser die Folge dieser Intensivierung.

Wir sind der Meinung, dass der negative Trend aufzuhalten ist. Die neuen Zahlen sollen dazu beitragen, die Diskussion wieder auf den Punkt zu bringen. Die Landwirtschaft als der größte Flächennutzer in Deutschland ist von zentraler Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die GAP muss daher einen entscheidenden Beitrag leisten, damit die bis zum Jahr 2020 vereinbarten Biodiversitätsziele auf europäischer und bundesdeutscher Ebene erreicht werden können.

Ein wichtiger Schritt ist die Absicht der EU-Kommission, den Bezug von Direktzahlungen zukünftig an die verpflichtende Einhaltung naturverträglicher Bewirtschaftungsmethoden zu knüpfen. Dabei kommt den Ökologischen Vorrangflächen, insbesondere in intensiv genutzten Agrarlandschaften, eine entscheidende Bedeutung zu. Mit der Verpflichtung jedes Betriebs, mindestens 7 % Ökologische Vorrangflächen bereitzustellen (ausgenommen sind Ökolandbaubetriebe), könnten wichtige Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten geschaffen und somit ein Beitrag zu einer naturverträglicheren Landbewirtschaftung geleistet werden.

Datengrundlage

Die Daten für die europäische Analyse stammen aus wissenschaftlichen Erhebungen in 23 EU-Mitgliedstaaten. Diese werden mit Unterstützung der Europäischen Kommission regelmäßig von BirdLife International, einem Zusammenschluss von Naturschutzverbänden, in Zusammenarbeit mit dem European Bird Census Council, einem Netzwerk von Vogelbeobachtungsprogrammen, EU-weit ausgewertet.

In Deutschland werden die relevanten Zahlen vom Dachverband Deutscher Avifaunisten analysiert und auf nationaler Ebene in den Berichten Vögel in Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese Berichte werden gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz und den Naturschutzfachbehörden der Länder alljährlich herausgegeben.

25.07.2012

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