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Biobasierter Kunststoffrasen für nachhaltige Sportplätze

Die Stadt Ellwangen plant die Einführung eines biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffrasensystems. Ziel ist es, den Austrag von Mikroplastik zu reduzieren und eine nachhaltige Alternative für Sportplätze zu etablieren. Das Projekt wird vom BMEL unterstützt.

Entwicklung eines biologisch abbaubaren Infills

Kunststoffrasen sind mehrschichtig aufgebaut. Eine zentrale Komponente ist das Einstreugranulat, auch Infill genannt, das sich in der obersten Faserschicht befindet. Es sorgt für Stabilität und Elastizität, gilt aber gleichzeitig als Hauptverursacher des Mikroplastikaustrags. Daher konzentriert sich das Projekt auf die Entwicklung eines biobasierten und biologisch abbaubaren Infills. Das Projektteam setzt dabei auf die Arboblend®-Werkstoffe von Tecnaro. Angestrebt wird eine biologische Abbaubarkeit von 90 Prozent, die im Erdreich innerhalb von 24 Monaten und im Wasser innerhalb von sechs Monaten erreicht werden soll. Eine Herausforderung besteht darin, dass der biologische Abbau erst einsetzt, wenn das Infill in die Umwelt gelangt.

Parallel dazu sucht das Forschungsteam nach biobasierten Alternativen für die Faserschicht des Kunststoffrasens. Hierbei geht es darum, Bio-Compounds mit geeigneten technischen Eigenschaften zu finden und optimal zu additivieren. Insbesondere ist eine hohe Temperaturbeständigkeit für den Einsatz in den Sommermonaten erforderlich. Für die Elastikschicht sollen hochwertige, sortenreine Rezyklate verwendet werden.

Während der Projektlaufzeit wird der tatsächliche Kunststoffaustrag vom Platz sowie dessen Umweltauswirkungen überprüft. Zudem wird eine Ökobilanz für das Kunststoffrasensystem erstellt. Begleitend dazu wird ein Dialog zwischen Bürgern und Nutzern des Platzes initiiert, um eine Aus- und Weiterbildung für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Hintergrund des Mikroplastikproblems

Mikroplastik, also kleinste Kunststoffteile, reichert sich zunehmend in der Umwelt an. Eine Quelle hierfür ist das Kunststoffgranulat (Infill) von Kunstrasenplätzen. Dieses Granulat wird durch Regen, Wind, Schuhe und Bälle unkontrolliert in die Umwelt eingetragen. Die Europäische Chemieagentur (ECHA) beziffert den jährlichen Mikroplastik-Austrag von Kunststoffrasenplätzen in Europa auf 16.000 Tonnen. Die ECHA hat der EU-Kommission daher ein Verbot des Einsatzes von Kunststoffgranulat auf Kunststoffrasenflächen empfohlen.

In Deutschland existieren derzeit rund 9.000 Kunstrasenplätze. Diese Zahl könnte in den kommenden Jahren steigen, da insbesondere in Großstädten und Ballungsräumen ein erhöhter Bedarf an Sportplätzen besteht. Kunststoffrasenflächen sind im Vergleich zu Naturrasen ganzjährig nutzbar, pflegeleichter und kostengünstiger im Unterhalt. Zudem bieten sie eine geringere Verletzungsgefahr als Sand- und Ascheplätze.

Projektorganisation und Beteiligte

Das Verbundprojekt „Nachhaltiger Kunststoffrasenplatz – Entwicklung und Untersuchung am Beispiel der Stadt Ellwangen“ wird vom BMEL gefördert und von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) betreut. Die TECNARO Gesellschaft zur industriellen Anwendung nachwachsender Rohstoffe mbH und die Universität Stuttgart, Institut für Kunststofftechnik, führen das Projekt bis Mitte 2025 durch.

Die Weiterentwicklung und Optimierung der biogenen Kunststoffe wird vom Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme (IBBS) der Universität Stuttgart unterstützt. Die Extrusionsversuche für die Kunstrasenfasern übernimmt die Morton Extrusionstechnik GmbH. Die Systementwicklung des Kunststoffrasenteppichs und der Elastikschicht erfolgt durch FieldTurf Tarkett. Neben der Stadt Ellwangen ist ein projektbegleitender Ausschuss in die Arbeiten eingebunden. Diesem gehören unter anderem die baden-württembergischen Ministerien für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sowie für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, das Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Landessportbund Baden-Württemberg an.

23.02.2023

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