Digitale Techniken in der Nahrungsmittelproduktion – Einblicke von Dr. Peter Risser
Die „BUGA 23: Plattform“ dient als Ort für Begegnung, Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Experten referieren dort über die Leitthemen Klima, Umwelt, Energie und Nahrungssicherung. Im Anschluss an die Vorträge besteht die Möglichkeit zur Diskussion mit dem Publikum.
Am Donnerstag, den 28. Mai 2020, um 18 Uhr, sprach Dr. Peter Risser, Leiter des Versuchsguts Kirschgartshausen der Südzucker AG, über die Zukunft der Landwirtschaft. Der Vortrag wurde aufgrund der Corona-Pandemie online gestreamt.
Digitale Techniken beeinflussen zunehmend die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln. Die Südzucker AG betreibt im Norden Mannheims die Staatsdomäne Kirschgartshausen, ein rund 300 Hektar großes Versuchsgut. Dort werden nachhaltige Produktionstechniken im Zuckerrübenanbau erforscht. Dr. Peter Risser, ein Agrarwissenschaftler mit Schwerpunkt Pflanzenzüchtung, leitet dieses Versuchsgut und gibt Einblicke in zukünftige Herausforderungen der landwirtschaftlichen Praxis.
Das Bild und die Tätigkeit des Landwirts werden sich stark wandeln. Die Digitalisierung macht nicht Halt vor der Landwirtschaft. Ich denke sogar, dass wir in der Landwirtschaft bereits sehr weit sind. Wir haben schon früh damit begonnen, die Digitalisierung zu nutzen. Einfach deshalb, weil sie Vorteile bringt. Trotzdem glaube ich fest daran, dass der Landwirt mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen sehr wertvoll ist. Denn selbst mit digitalen Hilfsmitteln muss der Pflanzenanbau geplant werden, und es muss entschieden werden, was, wann, wo ausgeführt wird. Der Landwirt ist dann nicht mehr der traditionelle Schlepperfahrer, sondern vergibt verschiedene Dienstleistungen als Auftrag.
Anwendung digitaler Technik im Ackerbau
Eine zentrale Technologie in der Landwirtschaft ist das satellitengestützte Navigationssystem GPS. Für den Einsatz auf Feldern ist GPS allein jedoch zu ungenau. Daher wird zusätzlich die „Real Time Kinematic“-Vermessung (RTK) eingesetzt. RTK ist ein Korrektursignal, das die GPS-Daten erweitert und eine Positionsbestimmung im Feld auf ein bis zwei Zentimeter genau ermöglicht.
Diese Technologie bildet die Grundlage für verschiedene Anwendungen. Eine präzise Positionsbestimmung erlaubt es, individuell auf Gegebenheiten im Feld zu reagieren. Ein Beispiel hierfür ist die Düngung. Auf einem großen Acker können Pflanzen aufgrund unterschiedlicher Bodenbeschaffenheiten in bestimmten Bereichen besser wachsen. Dies lässt sich unter anderem durch Satellitenbilder erkennen.
Mit diesen Daten kann ein nahezu autonom fahrender Schlepper die Düngung punktgenau dosieren. Da die gesamte Fläche eines Feldes nicht mehr gleichbehandelt wird, ist eine Einsparung von Dünger möglich. Ähnliche Verfahren kommen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz.
Risiken der Digitalisierung in der Landwirtschaft
Die Digitalisierung in der Landwirtschaft führt dazu, dass Landwirte viele Daten preisgeben. Dies wirft Fragen nach der Transparenz und dem Umgang mit diesen Daten auf. Es stellt sich die Frage, wem die Daten gehören und was mit ihnen geschieht, da die digitale Hoheit über Daten Macht und Einfluss bedeutet.
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wem welche Daten anvertraut werden und welche Daten einen bestimmten Wert haben. Gleichzeitig können sich durch die Datenerhebung neue Geschäftsfelder für Landwirte eröffnen, die mit Partnern ins Geschäft kommen können. Hierfür sind klare Regeln erforderlich, um eine beidseitige Nutzenstiftung zu gewährleisten.
Digitalisierung und biologische Anbauweise – Eine Symbiose?
Es werden zahlreiche Versuche durchgeführt, die die Förderung einer biologischen Anbauweise durch Digitalisierung untersuchen. Sowohl die konventionelle als auch die biologische Landwirtschaft verfolgen vielversprechende Ansätze. Eine zukünftige Entwicklung könnte in einem Zwischenweg beider Ansätze liegen.
Das GPS-Verfahren und der Einsatz von Robotern können auch Biobauern zugutekommen. Beispielsweise kann das maschinelle Unkrauthacken auf Rübenfeldern effektiver gestaltet werden, wodurch der manuelle Arbeitsaufwand für den Landwirt reduziert wird.
Chancen der BUGA 2023 für die Landwirtschaft
Die Bundesgartenschau hat sich zu einem breit gefassten Veranstaltungskonzept entwickelt, das auch kulturelle Aspekte umfasst und Bürger sowie Beteiligte einbezieht. Die BUGA 23 in Mannheim hat sich Nachhaltigkeit als Leitthema gesetzt. Dies bietet eine Gelegenheit, viele Menschen zu erreichen und für das Thema zu sensibilisieren.
