Die Charta für Holz 2.0: Ein Überblick über Ziele und Umsetzung
Die „Charta für Holz 2.0“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verfolgt die übergeordneten Ziele Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wertschöpfung. Dirk Alfter vom BMEL-Referat „Nachhaltige Holzbewirtschaftung, Holzmarkt“ stellte die Charta am 22. Juni 2017 in Göttingen vor. Er betonte, dass die positiven Effekte der Holznutzung aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gestärkt und die Material- und Ressourceneffizienz zur Schonung endlicher Rohstoffe gesteigert werden sollen.
Die Präsentation erfolgte im Rahmen der Tagung „Vom Nutzen der Holznutzung“, die vom NHN und der Plattform Forst & Holz in Kooperation mit dem Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe & Bioökonomie e.V. (3N) veranstaltet wurde. Förderer waren das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über den Landesbeirat Holz Niedersachsen sowie das BMEL über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).
Handlungsfelder und Akteursbeteiligung
Alfter skizzierte den langfristigen Prozess der „Charta für Holz 2.0“ und stellte die definierten Handlungsfelder vor. Er hob die Rolle und Verantwortung des BMEL hervor, betonte jedoch auch die Erwartungen an die beteiligten Akteure. Die Charta sei ein Gemeinschaftswerk, das von Wirtschaft, öffentlicher Hand, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft durch eigenes Engagement vorangetrieben werden soll.
Professor Christian Ammer von der Universität Göttingen wies in seinem Vortrag darauf hin, dass auch Wirtschaftswälder in Deutschland eine hohe Biodiversität aufweisen können. Eigene Untersuchungen hätten dies belegt. Die mit der Bewirtschaftung einhergehende Strukturvielfalt wirke sich positiv auf die Biodiversität aus.
Biodiversität und Klimaschutz durch Holznutzung
Diese Erkenntnisse decken sich mit den Aussagen der aktuellen Studie „Energiewende und Biodiversität“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass weder eine allgemeine Nutzungsintensivierung noch eine verstärkte Energieholznutzung bisher zu einer erkennbaren Zustandsverschlechterung der Wälder geführt haben. Eingriffe in den Vorrat an lebendem und totem Holz würden in der Regel durch den Zuwachs überkompensiert. Auch bei den untersuchten Vogelgemeinschaften ließen sich bisher keine negativen Auswirkungen der gesteigerten (Energie-)Holznutzung feststellen.
Professor Matthias Dieter vom Thünen-Institut verdeutlichte den Wertschöpfungseffekt der Forstwirtschaft mit konkreten Zahlen:
100m³ Holz entsprechen 15 Hektar, einem Beschäftigten und 52.000 Euro Wertschöpfung. Ein zusätzlicher Holzeinschlag im Wert von 1 Million Euro wiederum erzeugt 4 Millionen Euro Steuereinnahmen.
Christian Schulz von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt betonte den Klimaschutzeffekt der Holznutzung. Er verwies auf Forschungsergebnisse, die zeigen, dass in einem typischen Buchenbestand mit sogenannter Zielstärkennutzung – also der Ernte des Holzes zum optimalen Zeitpunkt, bei Buchen etwa im Alter von 140 Jahren, und der Nutzung des Holzes für langlebige Produkte – die CO2-Senkenwirkung deutlich höher ist als in einem ungenutzten Buchenbestand.
Fördermöglichkeiten und Konsens
Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), die die Umsetzung der Charta operativ begleitet, informierte als Projektträger des BMEL über Fördermöglichkeiten. Diese sind im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ mit dem Schwerpunkt „Nachhaltige Forstwirtschaft“ verfügbar. Die Diskussionen auf der Tagung zeigten einen grundlegenden Konsens unter den Teilnehmern, dass die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht von einer nachhaltigen Holznutzung aus heimischen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern profitiert.
