Naturschutz

Der Huchen: Ein stark gefährdeter Donaulachs

Der Huchen, auch Donaulachs genannt, wurde zum Fisch des Jahres 2015 ernannt. Er symbolisiert heimische Fischarten, deren Lebensräume durch Flussverbauungen stark eingeschränkt sind. In Deutschland gilt er als „stark gefährdet“.

Schutzmaßnahmen für den Donaulachs

Der Huchen (Hucho hucho), auch als Donaulachs bekannt, wurde zum Fisch des Jahres 2015 ernannt. Er symbolisiert zahlreiche heimische Fischarten, deren Lebensräume durch Flussverbauungen und -regulierungen stark eingeschränkt sind. In Deutschland ist der Huchen natürlicherweise nur im Donaueinzugsgebiet verbreitet und gilt laut Roter Liste als „stark gefährdet“.

Zudem ist der Huchen im Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet, was bedeutet, dass für ihn in seinen Lebensräumen innerhalb der EU Schutzgebiete eingerichtet werden müssen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Deutsche Angelfischerverband e. V. (DAFV) engagieren sich gemeinsam für den Schutz des Huchens und den Erhalt der Lebensräume heimischer Fischarten. Der Huchen benötigt durchgängige und strukturreiche Flüsse. Nimmt die Qualität dieser Lebensräume ab, ist eine erfolgreiche Fortpflanzung und somit sein Überleben in den betroffenen Flussabschnitten nicht mehr gewährleistet.

Aktuell sind weniger als fünf Prozent der Gewässer im Donaueinzugsgebiet als Lebensraum für den Huchen geeignet. Die Isar beispielsweise ist durch rund 30 Wasserkraftanlagen in gestaute Abschnitte unterteilt, wodurch sie für Wanderfischarten als Lebensraum verloren gegangen ist. Der Verlust von Laichhabitaten hat die Bedeutung des Fischbesatzes erhöht.

„Der Huchen ist eine unserer imposantesten Fischarten. Trotzdem fand der dramatische Rückgang oder gar sein stellenweises Verschwinden leider in der Öffentlichkeit bislang sehr wenig Beachtung“, sagte DAFV-Präsidentin Dr. Christel Happach-Kasan.

„Dabei fordert der Erhalt des Huchens in der Donau und ihren Nebenflüssen ein engagiertes Handeln. Zurzeit werden Huchen hilfsweise nachgezüchtet und durch Angelfischer im Donauraum besetzt, um so die noch verbliebenen Bestände zu stützen. Dies kann aber nur als eine vorübergehende Notmaßnahme gesehen werden“, sagte Dr. Happach-Kasan. „Zum Schutz des Huchens ist es zwingend notwendig, die letzten natürlichen Gewässerabschnitte zu erhalten und verloren gegangene Lebensräume und Laichhabitate zurückzugewinnen. Querbauwerke müssen zügig mit funktionstüchtigen Fischaufstiegsanlagen nachgerüstet werden.“

„Außerdem ist es unabdingbar, dass für die Wasserkraftanlagen möglichst schnell innovative Lösungen zur gefahrlosen Passierbarkeit für Fische entwickelt, erprobt und dann auch umgesetzt werden“, erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Dies gelte jedoch nicht nur für den Huchen, sondern für alle Flussgebiete und für alle Wanderfischarten in Deutschland. Ohne die Wiederherstellung der Durchgängigkeit sei auch der nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte „gute Zustand“ für unsere Fließgewässer in der Regel nicht erreichbar.

Der weitere Ausbau der kleinen Wasserkraft mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – aus naturschutzfachlicher Sicht nicht vertretbar.

„Anlagen dieser Größenordnung spielen bundesweit für die Stromversorgung eine unbedeutende Rolle, haben aber für die Natur schwerwiegende negative Auswirkungen. Hervorgerufene Beeinträchtigungen und erzielter Nutzen stehen hier in keinem Verhältnis“, erklärte die BfN-Präsidentin. „Nur wenn es uns gelingt, die Fließgewässer naturnäher zu gestalten und deren Durchgängigkeit wieder herzustellen, können wir die natürliche Fischfauna dauerhaft erhalten“, sagte Prof. Jessel. Dr. Happach-Kasan fügte an: „Deshalb werden wir uns auch künftig gemeinsam mit dem BfN für die Wiederherstellung naturnaher Flüsse stark machen.“

Der Deutsche Angelfischerverband hat eine informative Broschüre zum Fisch des Jahres veröffentlicht, die gegen eine Schutzgebühr bezogen werden kann.

Hintergrund zum Huchen

Der Huchen gehört zur Familie der Salmoniden und ist somit mit Lachsen und Forellen verwandt. Er besitzt einen langgestreckten, im Querschnitt nahezu runden Körper. Sein Rücken ist kupferfarben-rotbraun bis grünlichgrau und weist zahlreiche kleine dunkle Tupfen auf. Huchen können über 25 Kilogramm schwer und über 1,40 Meter lang werden; einzelne Exemplare erreichten früher sogar über 1,5 Meter Körperlänge. Als Raubfisch steht er an der Spitze der Nahrungskette in seinem Lebensraum. Als typische Beute werden Nasen und Barben genannt, deren Vorkommen in geschädigten Fließgewässern ebenfalls beeinträchtigt sind.

Der Huchen bevorzugt schnellfließende, kühle und sauerstoffreiche Gewässer mit steinigem oder kiesigem Grund, der für die Eiablage essenziell ist. In stauregulierten Flussabschnitten verschlammt der Boden oft, wodurch der Huchen keine geeigneten Laichplätze findet. In kiesigen Bereichen der Äschen- und Barbenregion legt das Weibchen im März/April die Eier in selbst geschlagenen Laichgruben ab. Die geschlüpften Larven verbleiben im Schutz von Kies- und Steinlücken und wachsen schnell heran. Im zweiten Jahr können Huchen bereits eine Länge von 30 Zentimetern erreichen.

Die Geschlechtsreife erreicht der Huchen mit drei bis vier Jahren, seine Lebensdauer wird mit bis zu etwa 15 Jahren angegeben. Am Laichgeschehen beteiligen sich meist erst Tiere ab 80 Zentimetern Länge, weshalb vielerorts das Schonmaß zum Schutz der natürlichen Bestände auf über 90 Zentimeter festgelegt wurde. Der Huchen ist kein typischer Wanderfisch, der lange Strecken zurücklegt und das Meer aufsucht, wie es bei Lachs oder Aal der Fall ist. Dennoch wandert auch der Huchen. Zur Laichzeit verlässt er seinen Standort.

Seine Wanderungen zu flussaufwärts gelegenen seichten und kiesigen Flussstellen zum Ablaichen können sich über 100 Kilometer erstrecken. Dieser Weg ist in vielen Zuflüssen der Donau durch Wasserkraftwerke und Querverbauungen versperrt. Allein in der Isar sind rund 30 Wasserkraftwerke in Betrieb, das erste wurde bereits 1896 errichtet. Neben der Verschlammung von Staubereichen gefährden Wasserableitungen und zu geringe Restwassermengen, oft in Verbindung mit dem Schwallbetrieb von Wasserkraftanlagen, die Huchenbestände.

19.04.2015

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