Hintergrund und Projektförderung
In Nordrhein-Westfalen werden Versuchsflächen mit einem breiten Spektrum nichtheimischer Baumarten angelegt. Das Projekt, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe gefördert wird, soll die Eignung dieser Baumarten für die Forstwirtschaft untersuchen. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), als Projektträger des BMEL, übergab die Förderbescheide.
Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen und der Landesverband Lippe etablieren im Rahmen eines dreijährigen Projekts Versuchsflächen. Ziel ist es, die Wuchsdynamik, waldbauliche Eignung, Integrierbarkeit in Ernteverfahren, Holzqualitäten und das invasive Potenzial der Baumarten langfristig zu untersuchen. Bereits in der Vergangenheit wurden auf dem Kirchberg in der Gemeinde Kalletal erste Anbauversuche mit nichtheimischen Baumarten durchgeführt.
Ein von Forstwirtschaft und Naturschutz getragener Konsens darüber, welche nichtheimischen Baumarten sich für den Anbau im Wald eignen, ist wichtig. Nur so können wir vitale und produktive Wälder erhalten und die Bioökonomie umsetzen, ohne die Biodiversität zu gefährden.
Dies erklärte Andreas Schütte, Geschäftsführer der FNR, bei der Übergabe der Förderbescheide. Weitere Informationen sind auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22012016 und 22004217 verfügbar.
Kooperation und Projektziele im Detail
Die Projektpartner Landesbetrieb Wald und Holz NRW, vertreten durch Heinrich Barkmeyer, und der Landesverband Lippe, vertreten durch Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann, unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts. An dem Termin nahmen neben Vertretern der FNR auch der Bundestagsabgeordnete Cajus Caesar teil.
Nichtheimische Baumarten können angesichts von Umweltveränderungen Potenziale für die Sicherung vitaler Mischwälder und die heimische Holzversorgung bieten. Die Douglasie, eine der am weitesten verbreiteten nichteinheimischen Baumarten in deutschen Wäldern, ist beispielsweise besser an sommerliche Trockenheit und Hitze angepasst als die Fichte. Eine nachhaltige Holznutzung kann zudem als Kohlenstoffspeicher dienen und fossile Rohstoffe ersetzen.
Wir wollen mit unserem Projekt an Anbauversuche anknüpfen, die schon seit mehr als 100 Jahren in Deutschland durchgeführt werden und so mithelfen, Fakten in die Debatte einzubringen. Dazu wollen wir neben den wirtschaftlich relevanten Informationen auch solche zu den Auswirkungen auf die Waldökosysteme sammeln.
Dies erläuterte Susanne Hoffmann, stellvertretende Leiterin der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe. Dr. Norbert Asche vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW und Koordinator des Gesamtprojektes ergänzte:
Schon heute kann Deutschland seinen Holzbedarf nicht mehr durch die aktuelle Nutzung in heimischen Wäldern decken – nicht weil wir insgesamt zu wenig Holz hätten, sondern weil die verschiedenen Waldeigentümer nur einen Teil des jährlichen Holzzuwachses ernten und verkaufen. Am Holzmarkt besonders gefragt ist Nadelholz. Um diese Nachfrage auch in Zukunft decken zu können, ist es sinnvoll, Alternativen zu den heimischen Nadelbaumarten in unsere Wälder zu integrieren.
Untersuchte Baumarten und weitere Schritte
Auf den über 26 Hektar großen Versuchsflächen im Sauerland und im Lipper Bergland sollen insgesamt sieben Nadel- und vier Laubbaumarten, möglichst in Mischung mit der heimischen Rotbuche, angebaut werden:
Nadelbaumarten:
- Atlaszeder (Cedrus atlantica)
- Küstentanne (Abies grandis)
- Araukarie (Araucaria araucana)
- Westliche Hemlocktanne (Tsuga heterophylla)
- Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens)
- Gebirgsmammutbaum (Sequoiadendron giganteum)
- Sicheltanne (Cryptomeria japonica)
Laubbaumarten:
- Baumhasel (Corylus colurna)
- Edelkastanie (Castanea sativa)
- Orientbuche (Fagus orientalis)
- Platane (Platanus orientalis)
Diese Arten produzieren in ihren Heimatregionen, die mit Deutschland vergleichbare Klimazonen aufweisen, ein hochwertiges und in der Industrie nachgefragtes Holz. In Deutschland wachsen sie bisher nur in geringem Umfang oder als Straßen- und Parkbäume. In der dreijährigen Projektlaufzeit stehen die Etablierung der Versuchsflächen sowie die Dokumentation des Anwuchsverhaltens und eventueller Schädigungen im Vordergrund. Zudem soll ein Untersuchungsdesign für ein langfristiges Monitoring der Flächen erarbeitet werden, um fundierte wissenschaftliche Ergebnisse zu gewährleisten.
