Fokus auf Klimaanpassung und Lebenszyklusbetrachtung von Sportstätten
Prof. Dr. Anke Schmidt von der Rheinland-Pfälzischen TU Kaiserslautern-Landau eröffnete die Tagung mit einem Vortrag zur Klimaanpassung in Sportanlagen. Sie betonte die Notwendigkeit individueller Maßnahmen und stellte einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor. Dieser beinhaltet Hinweise für einen gesunden Sportbetrieb, der Wetterverhältnisse und deren Auswirkungen auf Sportler berücksichtigt, etwa durch die Bereitstellung von Getränken und Sonnenschutz. Prof. Schmidt hob zudem hervor, den gesamten Lebenszyklus einer Sportstätte bereits in der Planung zu berücksichtigen, da Umbaumaßnahmen die Nutzung über Jahre prägen.
Nachhaltige Sportstättenentwicklung und gesellschaftliche Rolle des Sports
Jürgen Sonneck, Leiter des Sportamts München, sprach über die Förderung und Bezuschussung von Vereinen. Ziel ist es, Anreize und Handlungsspielräume für eine nachhaltige Umgestaltung von Sportstätten und Vereinsleben zu schaffen. Er wies auf eine sich wandelnde Vereinslandschaft hin, die sich von fußballzentrierten Strukturen hin zu einer vielfältigeren Sportlandschaft mit neuen Trendsportarten entwickelt.
Stefan Günther, Leiter des Sport- und Bäderamtes der Bundesstadt Bonn, beleuchtete die Rolle des Sports als Multiplikator für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Er fasste dies mit dem Satz zusammen: „Sport ist der Kitt der Gesellschaft.“ Seine Vision ist es, Bonn zu einer Sportstadt für alle zu entwickeln. Dafür betonte er die Bedeutung interdisziplinärer Teams und die enge Zusammenarbeit verschiedener städtischer Fachbereiche. Günther berichtete zudem von der Entwicklung einer App zur Vernetzung Bonner Vereine, um Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch zu fördern.
Pflege, Instandhaltung und Flächenknappheit
In einer Diskussionsrunde mit Jürgen Sonneck und Stefan Günther wurde die Pflege und Instandhaltung von Sportstätten thematisiert. Beide Städte setzen städtische Ressourcen ein und suchen den engen Kontakt zu Vereinen, um Teile der Maßnahmen bei entsprechender finanzieller Honorierung auszulagern. Externe Dienstleister werden ebenfalls für Pflege- und Instandsetzungsarbeiten beauftragt.
Zur Frage nach Kunststoffrasenplätzen waren sich beide Referenten einig, dass diese für Städte mit Flächenknappheit essenziell sind. Sie ermöglichen eine hohe Nutzungsfrequenz auf wenigen Sportstätten durch eine Vielzahl von Verbänden und Sportarten und stellen eine verlässliche Lösung dar, um Bedarfen und Nutzungshäufigkeit gerecht zu werden.
Datengestützte Bedarfsermittlung und alternative Rasenbeläge
Prof. Dr. Lutz Thieme von der Hochschule Koblenz/RheinAhrCampus Remagen stellte den aktuellen Stand eines Schätzverfahrens für deutsche Sportstätten vor. Im Rahmen eines zweijährigen Projekts wurde ein validiertes Verfahren entwickelt, das datenbasiert den Sanierungsbedarf und Versorgungsgrad mit Sportstätten ermittelt. Ein Expertengremium entwickelte 23 Kriterien, anhand derer spezifische Daten abgefragt und eine Einschätzung vorgenommen werden können. Drei Kommunen dienten dabei als Praxispartner. Das Verfahren liefert eine Ampeldarstellung zum Sanierungsbedarf und Versorgungsgrad, um bedarfsgerechte Planungen oder Sanierungen zu ermöglichen.
Prof. Martin Thieme-Hack, Hochschullehrer an der Hochschule Osnabrück und Mitveranstalter der Sportplatztage, berichtete über Kunststoffrasen. Im Forschungsprojekt UKuRa (Umweltgerechter Kunststoffrasen durch verringerten Kunststoffaustrag und -verbrauch) wurden Alternativen zu synthetischem Füllmaterial in gefüllten Kunststoffrasenbelägen untersucht. Prof. Thieme-Hack zeigte anhand von Diagrammen, dass Gummigranulat als Infill nicht zwingend für eine zufriedenstellende Bespielbarkeit notwendig ist. Dies ist eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf das geplante EU-Verbot von Mikroplastik als Granulatfüllung in Kunstrasenplätzen.
Reitplatzprüfung und Rasenmanagement im Klimawandel
Der zweite Veranstaltungstag begann mit Alexandra Rauch von der Hochschule Osnabrück, die ein Forschungsprojekt zur Tretschichtprüfung auf Reitplätzen vorstellte. Durch den Einsatz verschiedener Geräte und Verfahren wurden Datengrundlagen gewonnen, um die Eignung von Geräten zur Beurteilung der Elastizität von Reitböden zu ermitteln. Geprüft wurden unter anderem Geräte aus dem Straßen- oder Spielplatzbau, wie das HIC-Gerät zur Untersuchung von Kopfverletzungen oder der Vienne Surface Tester zur Analyse des Beschleunigungsverlaufs. Die Untersuchungen lieferten aussagekräftige Ergebnisse, die eine Einschätzung der Prüfgeräte ermöglichten. Ein modifiziertes dynamisches Plattendruckgerät erwies sich beispielsweise als gut geeignet für Elastizitätsuntersuchungen von Reitböden.
Anschließend widmeten sich zwei Vorträge dem Thema Rasen. Prof. Dr. Wolfgang Prämaßing, Hochschullehrer für nachhaltiges Rasenmanagement an der Hochschule Osnabrück, beleuchtete die Herausforderungen für Sportrasen im Klimawandel. Er stellte die Ökosystemleistungen von Rasenflächen, wie ihre kühlende Wirkung, vor und erläuterte verschiedene Anpassungsstrategien. Diese zielen darauf ab, Rasenflächen auch bei steigenden Temperaturen und Dürreperioden dauerhaft zu erhalten, ohne zwingend mehr Wasser einzusetzen. Er verwies auf die Verfügbarkeit hitze- und trockenstressresistenter Rasensorten.
Timo Blecher, Chief Scientific Officer bei Feldsaaten Freudenberger, schloss daran an und skizzierte den langwierigen Prozess der Züchtung von Rasengräsern bis zur Markteinführung. Er erklärte, dass es 8 bis 15 Jahre dauert, bis Zuchtstämme für neue Rasensorten aufgebaut sind, und weitere umfangreiche Testungen, auch beim Bundessortenamt, folgen. Insgesamt dauert es 20 bis 25 Jahre, bis eine neue Rasensorte zugelassen und eingeführt werden kann. Trotzdem habe es in den letzten Jahren einen „hervorragenden Züchtungsfortschritt“ gegeben. Blecher stellte zudem Produktverbesserungen vor, wie die Ummantelung von Saatgut mit lebenswichtigen und keimfördernden Substanzen, die eine effizientere Wassernutzung und höhere Keimgeschwindigkeit begünstigen. Er zeigte Laboraufnahmen, die den Anwuchs von ummanteltem und konventionellem Saatgut verglichen.
Praxisbeispiele und Zukunftsperspektiven
Das Nachmittagsprogramm begann mit Jens Möller (Stadt Gladbeck), der den neugestalteten SportPark Mottbruch vorstellte, dessen Bau kurz vor dem Abschluss steht. Auf einer Fläche von sieben Hektar eines bestehenden Vereinsgeländes wurden multifunktionale Sportflächen geschaffen. Durch Bürgerbeteiligung wurden Trendsportarten ermittelt und in die Planung integriert. Der SportPark Mottbruch bietet neben einem klassischen Sportplatz auch Boulbahnen, einen Pumptrack/Fahrradparcours, eine Calisthenics-Fläche und eine Beachhalle. Eine App ermöglicht den Zutritt auch in den Abendstunden, um attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen.
Im letzten Vortrag der Osnabrücker Sportplatztage präsentierte Martin Finger, Bereichsleitung Infrastruktur und Facility Management des FC St. Pauli, den Planungsstand des neuen Trainingszentrums Kollau 2.0 für den Nachwuchsleistungs- und Profisport. Er schilderte die Schwierigkeiten bei der Standortsuche und griff damit das Thema Flächenknappheit in Städten auf, das bereits am ersten Veranstaltungstag von den Referenten Sonneck und Günther angesprochen wurde. Der Bau ist in mehreren Abschnitten geplant und wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Die Osnabrücker Sportplatztage 2025 endeten mit diesem Ausblick und lieferten wichtige Impulse für den nachhaltigen Sportanlagenbau. Sie unterstrichen die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen und setzten ein klares Zeichen für Innovation und Zusammenarbeit im Sportsektor.
