Mitgliederrückgang und Normalisierung im Privatgartenmarkt
Der VGL BW verzeichnet erstmals seit 30 Jahren einen Rückgang der Mitgliederzahl. Ursache sind vor allem altersbedingte Betriebsaufgaben ohne geregelte Nachfolge. Auch die Ausbildungsverhältnisse sind leicht rückläufig und liegen inzwischen wieder auf „Vor-Corona-Niveau“. Im Privatgartenbereich ließ der Nachfragedruck nach und hat sich auf das Normalmaß wie vor der Pandemie eingependelt.
Für die Zukunft sieht der Verband dennoch klare Perspektiven: Die grüne und klimafitte Gestaltung urbaner Räume wird als zentrale Aufgabe des Garten- und Landschaftsbaus benannt. Damit verbunden sind Anforderungen an Qualifizierung, Kapazitäten und verlässliche Rahmenbedingungen.
Gute Lage trotz erheblicher Herausforderungen
Zu Beginn seiner Rede positioniert sich Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V., deutlich gegen Bedrohungen, Gewaltexzesse und Gruppierungen, die Demokratie und Verfassung gefährden. Gleichzeitig betont er, dass der Verband nicht auf Erreichtem stehen bleibe und verweist auf Schaugarten-Beiträge auf der Bundesgartenschau Mannheim sowie der Gartenschau Balingen.
„Es ist gerade nicht die Zeit, um sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen, weshalb wird auch im letzten Jahr gewaltig Gas gegeben haben, beispielsweise mit Präsentationen wunderbarer Schaugärten auf der Bundesgartenschau in Mannheim sowie auf der Gartenschau in Balingen. Die Weiterentwicklung unserer DEULA in Kirchheim unter Teck zum grünen Bildungszentrum geht stetig voran und auch die bundesweite Kampagne für „Mehr Grün in der Stadt“ mit den von uns geforderten Förderprogrammen zum natürlichen Klimaschutz trägt endlich Früchte. Wir organisieren Pilotprojekte zur Digitalisierung, treiben die Nachhaltigkeit unserer Dienstleistungen voran und stehen nicht still“, beschreibt Joos.
Als anhaltend schwierig beschreibt Joos den zugesagten Neubau der Meisterschule in Stuttgart-Hohenheim. Darüber hinaus sieht der Verband auch an der Meisterschule an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg (LVG) dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei der Personalkapazität. Neben abgesagten Meisterfortbildungen sei in diesem Jahr auch die Durchführung des Baumpflegekurses nicht mehr möglich gewesen.
„Was sich für uns nach wie vor sehr anstrengend gestaltet, ist der zugesagte Neubau der Meisterschule in Stuttgart-Hohenheim. Staatssekretärin Sabine Kurtz genießt hier unser volles Vertrauen, dass sich dieser Zustand zeitnah ändert“, so Joos.
Joos nennt zudem Belastungen durch Gesetzesinitiativen, wachsende Bürokratie sowie steigende finanzielle Lasten durch Steuern und Abgaben. Gleichzeitig fordert er politischen Einsatz auf EU-, Bundes- und Landesebene und setzt auf Unternehmergeist, Innovationsbereitschaft und Optimismus.
„Doch Jammern bringt uns nicht voran, hier ist die Politik auf EU-, Bundes- und Landesebene gefordert. Wir brauchen Innovationen, Optimismus und den unbedingten Willen nach einer besseren Zukunft. … Lassen Sie uns nicht darauf warten, dass andere die Situation für uns besser machen, sondern lassen Sie uns leidenschaftlich für eine bessere Zukunft kämpfen“, appelliert Joos.
Innovation, Partnerschaften und „Natürlicher Klimaschutz“
Für die kommenden Jahre sieht der Verband Aufgaben in der aktiveren Auftragsakquise, dem Blick auf neue Trends und einer intensiveren Beschäftigung mit „Natürlichem Klimaschutz“. Joos verweist auf ein neu verabschiedetes Naturschutzgesetz auf EU-Ebene, das Städte zu mehr Grün verpflichte. Als weiteren Schritt nennt er die Benennung von Hartmut Bremer als Beauftragten für nachhaltiges Wirtschaften und eine Auftaktveranstaltung an der DEULA mit über 200 Teilnehmenden.
Zur Stärkung der politischen und fachlichen Stimme hebt Joos strategische Partnerschaften hervor, darunter in der Landesvereinigung Bauwirtschaft, im baden-württembergischen Handwerkstag sowie die Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
Ehrung der „Deutschen Vizemeister“ im Landschaftsgärtner-Cup
Beim bundesweiten Landschaftsgärtner-Cup auf der BUGA in Mannheim erreichten Lilli Chiara Manzke (Gaugel Gartengestaltung, Heuchlingen) und Jakob Wolf (damals ERDA Gartenservice GmbH, Ladenburg) Platz zwei und wurden „Vizemeister“. In 15 Stunden bauten die Teams auf 4 x 4 Metern einen Relax-Garten im Kleinformat. Albrecht Bühler, Vorstand Ausbildung/Fachkräftesicherung, dankt beiden Ausbildungsbetrieben für Engagement und Vorbereitung. Da die beiden Geehrten sich nach der Ausbildung im Ausland weiterbilden, wurden die Präsente stellvertretend übergeben.
BUGA Mannheim und Gartenschau Balingen 2023
Das Jahr 2023 war erneut ein doppeltes Gartenschaujahr. In Mannheim wurden 2,2 Millionen Gäste gezählt, in Balingen 500.000 – deutlich mehr als die erwarteten rund 300.000 Besucher. Vorstandsmitglied Bernd Hopp, zuständig für Gartenschauen, verweist auf die hohe Belastung für den Verbandshaushalt und die Dichte der Veranstaltungen: In den Jahren 2019, 2021, 2022 und 2023 wurden insgesamt sieben Gartenschauen, darunter zwei Bundesgartenschauen, umgesetzt.
Ausblick: Landesgartenschau Wangen 2024 und Gartenschau 2025
Die Landesgartenschau Wangen im Allgäu öffnet vom 26. April bis 6. Oktober 2024 unter dem Motto „Kunter, bunter, munter“. Zehn Schaugärten regionaler Betriebe setzen Themen wie Entsiegelung, Recycling-Materialien, Regenwassermanagement, Ressourcenschonung, klimafitte Pflanzungen mit Klimabäumen sowie Gründächer mit Photovoltaik um. Für 2025 ist die Gartenschau Freudenstadt/Baiersbronn angekündigt, das Forbachtal wird über acht Kilometer zum Gartenschaugelände. Regionale Betriebe beteiligen sich mit Traumgärten im Tal X.
Verabschiedungen, Regionalarbeit und Ruhestand im Hauptamt
Der Verband verabschiedet Uschi App nach 14 Jahren Vorstandsarbeit und insgesamt 24 Jahren Ehrenamt im VGL BW. Sie war zunächst Öffentlichkeitsbeauftragte in der Region Donau-Iller, von 2010 bis 2019 Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit und seit 2019 stellvertretende Vorstandsvorsitzende. App wechselte anschließend in die bundesweite Öffentlichkeitsarbeit und wurde auf dem Verbandskongress fast mit 100 Prozent der Stimmen gewählt.
In der Regionalarbeit werden unter anderem Matthias Widenhorn (Region Bodensee-Oberschwaben) und Roland Heitmann (Region Unterer Neckar) für ihre Amtszeiten gewürdigt. Für das Hauptamt sind 2024 mehrere Ruhestandsübergänge angekündigt: Detleff Wierzbitzki ist bereits nach Abschluss der BUGA Mannheim im Ruhestand, Elke Güber endet ihre Tätigkeit zum 30. April 2024, Andreas Baranski verlässt den Verband im August nach 32 Jahren, und Peter Emmerich verabschiedet sich im Oktober 2024 nach den Deutschen Meisterschaften auf der Messe GaLaBau in Nürnberg.
Wahlen im Verband
Für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit wurde Ellen Becker (Becker GmbH, Zuzenhausen) in den Vorstand gewählt. Sie ist seit 2014 Regionalbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit der Region Unterer Neckar und leitet im eigenen Betrieb die Ausbildung. Zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden wurde Bernd Hopp gewählt, der seit 2022 im Vorstand für Gartenschauen zuständig ist und seit 2019 VGL-Beauftragter für Gartenschauen ist.

