Wettbewerbe und Jubiläen

LebensPhasenHaus: Auszeichnung für zukunftsweisendes Wohnen im Alter

Das LebensPhasenHaus der Universität Tübingen erhält den Deutschen Alterspreis 2016. Das Projekt bietet innovative Wohnkonzepte und Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben im Alter und fördert die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft.

Konzept für selbstbestimmtes Leben und Vernetzung

Das LebensPhasenHaus bietet Interessierten die Möglichkeit, barrierefreie Wohn- und Freiraumkonzepte sowie altersgerechte Assistenzsysteme und digitale Informations- und Kommunikationstechnologien zu erleben und auszuprobieren. Gleichzeitig fördert es die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, um Schnittstellenprobleme abzubauen und zukunftsweisende Technologien für das Wohnen im Alter zu entwickeln.

Die Ausstattung des Hauses umfasst beispielsweise eine Türöffnung per Fingerabdruck und im Boden verlegte Lichtbänder, die nachts den Weg vom Bett zum Badezimmer weisen. Arbeitsflächen, Schränke und das Hochbeet im Garten sind rollstuhlgerecht unterfahrbar, der Herd ist höhenverstellbar. Viele Exponate sind bereits im Handel erhältlich oder, wie die altersgerechten Gartenmodule, über Landschaftsgärtner zu realisieren. Die Jury hob die Vernetzung und den Dialog der Akteure als vorbildlich hervor, da dies die Verzahnung von sozialen und technischen Innovationen in der Praxis ermögliche.

Das Projekt wurde federführend vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg mit 550.000 Euro geförd. Beteiligt sind zudem das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

Neben der Universität Tübingen, dem Universitätsklinikum Tübingen, der Schwörer Haus KG, der Somfy GmbH, den Stadtwerken Tübingen, der IHK Reutlingen und der Ridi-Leuchten GmbH ist auch der Verband Garten- und Landschaftsbau Baden-Württemberg e.V. (VGL) mit acht Mitgliedsbetrieben aus der Region Neckar-Alb an diesem Verbundprojekt beteiligt. Gemeinsam mit 30 Auszubildenden entstand ein detailliert gestalteter Garten, der moderne Technologie integriert und bis ins hohe Alter sowie für Menschen mit Handicap nutzbar ist. Die Beteiligung der Auszubildenden des Garten- und Landschaftsbaus ermöglichte ihnen einen direkten Einblick in das Projekt und das Thema Altern.

Fachlicher Austausch und innovative Lösungen im LPH

Der VGL lud zusammen mit SchwörerHaus Architekten, Landschaftsarchitekten und Garten- und Landschaftsbaubetriebe zu einer Veranstaltung zum Thema „Selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter – Gartengenuss inklusive“ ins LPH ein. Prof. Dr. Udo Weimar, Leiter des LPH-Teams, führte in die Thematik ein. Michael Lutz, Regionalvorsitzender der Region Neckar-Alb im VGL, und Detlef Bühmann, Verkaufsleiter SchwörerHaus, begrüßten die Teilnehmer und skizzierten das Engagement der Partner.

Franca Wacker, Architektin bei SchwörerHaus und maßgeblich an der Planung des LPH beteiligt, stellte die Vorteile barrierefreien Bauens dar, die auch von jüngeren Bauherren geschätzt werden. Die sogenannten „Flying Spaces“ bieten hierfür modulare Lösungen, die im Werk gefertigt und innerhalb eines halben Tages nach Lieferung bezugsfertig sind. Diese Modulbauweise eignet sich für rollstuhlgerechte Anbauten, Mehrgenerationenhäuser oder Lösungen für Patchworkfamilien.

Sarah Richter, Freie Landschaftsarchitektin, präsentierte ein Gesamtkonzept für einen barrierefreien Generationengarten unter dem Titel „Modern, modular und am grünen Puls der Zeit“. Sie erläuterte notwendige Aspekte wie Rampengefälle, rutschfeste Beläge, Stufenmarkierungen und Belagseinfassungen mit hohen Bordsteinen. Zudem gab sie Anregungen zur Gestaltung, darunter die optische Vielfalt unterfahrbarer Hochbeete, die nach Maß und aus verschiedenen Materialien gefertigt werden können. Bei der Pflanzenauswahl empfahl sie pflegeleichte Arten, die trotz reduzierter Vielfalt farbenfroh und duftend gestaltet werden können. Im Smart-Garden unterstützen Sensoren und Steuerungs-Apps die Pflege und die Sicherheit der Gartenbeleuchtung.

Wichtig ist es, dass hierbei immer Funktion und Ästhetik verbunden werden.

Der Garten von morgen und übermorgen kann mit entsprechender Weitsicht bereits heute geplant werden. Anschlüsse für Strom und Wasser oder Leerrohre sollten frühzeitig bei den Erdarbeiten berücksichtigt werden, um spätere Maßnahmen wirtschaftlicher umsetzen zu können. Richter betonte die Bedeutung des Familiengartens als Ort für soziale Kontakte und empfahl, einen funktionalen Rückbau des Gartens zu einem Zeitpunkt vorzunehmen, an dem Veränderungen noch stressfrei verkraftet werden können.

Dieser Rückbau sollte möglichst zu einem Zeitpunkt erfolgen, wo Veränderungen und Umbaumaßnahmen noch stressfrei verkraftet werden.

Module wie Pflanzgefäße, Hochbeete, Wasserspiele und Sichtschutzelemente eignen sich für diese Anpassungen. Auch eine mit Dschungelmotiven bemalte Wand kann in Kombination mit großen Trögen eine angenehme Atmosphäre schaffen.

Grüne Räume für sozialen Austausch zu schaffen, das sehe ich als meine Aufgabe, wenn es um Generationengärten geht.

Im Anschluss an die Vorträge führten Franca Wacker, Prof. Dr. Udo Weimar und Sarah Richter die Teilnehmer durch Haus und Garten, um die Möglichkeiten direkt am Objekt zu demonstrieren.

Der Garten des LebensPhasenHauses im Detail

Der Garten des LebensPhasenHauses ist auf die Bedürfnisse von körperlich eingeschränkten oder älteren Menschen zugeschnitten. Im Vorgarten empfangen Felsenbirnen, Hortensien, Gräser und Stauden Bewohner und Gäste und säumen den Weg entlang der barrierefreien Rampe. Eine großzügige Terrasse bildet den Mittelpunkt des Wohngartens, der durch Mauerelemente und heimische Heckengehölze strukturiert ist. Die Staudenbeete sind mit pflegeleichten Arten bepflanzt. Spalieräpfel können im Herbst geerntet werden.

Ein Schöpfbrunnen dient als Wasserelement und Blickfang. Das rollstuhlgerechte Hochbeet ermöglicht den komfortablen und rückenschonenden Anbau von Gemüse und Kräutern. Funktion und Ästhetik wurden in diesem barrierefreien Gesamtkonzept zusammengeführt. Technische Innovationen wie ein Automower, ein integriertes Bewässerungssystem und ein Beleuchtungssystem tragen zur Pflegeleichtigkeit bei. Der Garten soll auch im Alter eine hohe Lebensqualität bieten.

Beteiligte Betriebe

  • Garten Dahmen GmbH, Burgstraße 20, 72805 Lichtenstein
  • Geiger's Gartengestaltung & Pflanzenwelt, Tulpenstraße 59, 72108 Rottenburg-Kiebingen
  • Garten Moser GmbH u. Co. KG, An der Kreuzeiche 16, 72762 Reutlingen
  • Heinzelmann Gartengestaltung GmbH, Wilsinger Straße 23, 72539 Pfronstetten
  • Lutz & Riepert Gartengestaltung GmbH, Sondelfinger Straße 93, 72760 Reutlingen
  • Garten- und Landschaftsbau Storz, Eichenweg 15, 72119 Ammerbuch
  • Thomann Garten- und Landschaftsbau, Hülbenstraße 1, 72475 Bitz
  • Gartenbau Hubert Zanger GmbH, Ermelesstraße 79, 72379 Hechingen

28.11.2016

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