Verbände und Organisationen

Kähler-Theuerkauf: Azerca soll Vorreiterrolle aufrechterhalten

29.11.2016

Azerca setzt auf Austausch und starke PR: Trotz schwieriger Saison und Marktrisiken bleibt die Branche stabil. Fachthemen wie Insolvenzrecht, Kassenführung und Applikationstechnik standen im Fokus der Herbsttagung.

Branchennetzwerk stärkt Wettbewerbsfähigkeit

Der intensive fachliche Austausch innerhalb der Azerca sorgt für eine hohe kollektive Kompetenz, von der alle Mitgliedsbetriebe profitieren. Eva Kähler-Theuerkauf, Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau Nordrhein-Westfalen, hob auf der Herbsttagung in Köln die Bedeutung dieser „Schwarmintelligenz“ hervor. Insbesondere die langjährige und zielgerichtete Werbearbeit der Sondergruppe habe Maßstäbe gesetzt und diene bis heute als Vorbild für Kampagnen innerhalb der Branche.

Angesichts veränderter Marktbedingungen forderte Kähler-Theuerkauf eine konsequente Fortführung der Öffentlichkeitsarbeit. Prognosen zufolge könnten demografischer Wandel und geändertes Konsumverhalten zu Umsatzrückgängen von 10 bis 20 Prozent führen. Umso wichtiger sei es, den Wert von Pflanzen nachhaltig zu kommunizieren und zu sichern.

„Aufgrund demografischen Wandels und geänderten Verbraucherverhaltens werden Markteinbrüche von 10-20 Prozent des Umsatzes prognostiziert. Hier gilt es, den Wert der Pflanze zu erhalten.“

Wetterextreme prägen Herbstsaison

Die zurückliegende Herbstsaison im Bereich Heidepflanzen verlief unter schwierigen Bedingungen. Azerca-Vorsitzender Gerhard Friedrich sprach von einem „gerade noch einmal gut gegangen“, nachdem extreme Niederschläge mit bis zu 70 Millimetern pro Stunde bundesweit zu erheblichen Belastungen geführt hatten. Trotz dieser Herausforderungen konnten die Betriebe insgesamt gute Qualitäten erzielen.

Im fachlichen Teil der Tagung diskutierten rund 60 Teilnehmer aktuelle Themen aus Produktion, Recht und Pflanzenschutz. Nach einführenden Vorträgen wurden die Inhalte gemeinsam mit Experten vertieft und praxisnah eingeordnet.

Rechtliche Risiken und Kassenführung im Fokus

Hartmut Salomon, Fachanwalt für Steuerrecht, wies auf zunehmende Risiken im Insolvenzfall hin. Lieferanten müssten damit rechnen, dass Zahlungen rückwirkend bis zu zehn Jahre angefochten werden können, sofern ihnen Kenntnis über Zahlungsschwierigkeiten unterstellt wird. Als Absicherung empfahl er, Waren grundsätzlich unter Eigentumsvorbehalt zu liefern.

Dr. Hanno Vianden machte zudem auf die Bedeutung einer ordnungsgemäßen Kassenführung aufmerksam. Fehlerhafte Dokumentation könne zu Zuschätzungen von 10 bis 20 Prozent des Umsatzes führen. Besonders bei offenen Ladenkassen seien täglich handschriftlich geführte Kassenberichte zwingend erforderlich, während monatliche Aufzeichnungen nicht anerkannt werden.

Optimierung der Applikationstechnik

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Pflanzenschutztechnik. Michael Stuch von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen betonte die Bedeutung einer ausreichenden Pumpenleistung für Geräte wie Karrenspritzen und Gestänge. Nur so lasse sich eine gleichmäßige Applikation sicherstellen.

Versuche im Zierpflanzenbau zeigten, dass die Wahl der richtigen Düsen insbesondere in dichten Beständen entscheidend für eine gleichmäßige Benetzung ist. Eine Erhöhung der Wassermenge auf etwa 3.000 Liter führte hingegen zu keiner zusätzlichen Verbesserung der Wirkstoffverteilung.

Betriebsbesichtigung mit Fokus auf Energie und Technik

Ein Highlight des Rahmenprogramms war die Besichtigung des Betriebs Engels-Pflanzen in Pulheim. Das Unternehmen beliefert den Fachhandel im Umkreis von 100 Kilometern mit einem breiten Sortiment von Frühjahrsblühern bis hin zu Poinsettien.

Besonderes Interesse galt den technischen Lösungen im Betrieb. Dazu zählen unter anderem Energieversorgungssysteme mit Hackschnitzelkesseln und Solaranlagen sowie geschlossene Wasserkreisläufe für die Kulturen unter Glas. Auch die eingesetzten Folienhäuser tragen maßgeblich zur Qualität und Farbentwicklung der Pflanzen bei.

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