Wildnis in Deutschland: Potenzial und Bedeutung

Naturschutz

Deutschland könnte seinen Anteil an Wildnisgebieten von derzeit 0,62 Prozent auf über zwei Prozent erhöhen. Diese Gebiete sind entscheidend für Erholung, Wasserhaushalt und Klimaschutz, wie eine aktuelle Bilanzierung zeigt.

Steigerung des Wildnisanteils in Deutschland

In Deutschland sind derzeit lediglich 0,62 Prozent der Landesfläche als Wildnisgebiete ausgewiesen. Eine aktuelle bundesweite Wildnisbilanzierung, durchgeführt von der Heinz Sielmann Stiftung, der Naturstiftung David und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, legt nahe, dass dieser Anteil auf über zwei Prozent erhöht werden könnte.

Der NABU, als Teil der Initiative „Wildnis in Deutschland“, betont die vielfältige Bedeutung dieser Gebiete. Sie dienen nicht nur der Erholung und Naturerlebnissen, sondern tragen auch zum natürlichen Wasserhaushalt bei und fungieren als Kohlenstoffspeicher im Kampf gegen die Klimakrise.

In Wildnisgebieten hat die Natur wieder Raum und Zeit, sich aus eigener Kraft zu entwickeln. Doch im dichtbesiedelten Deutschland sind Gebiete, in denen sich die Natur frei entfalten kann, sehr selten geworden. Nicht zuletzt ist sie für Forschung und Wissenschaft ein spannendes Echtzeit-Labor, das zeigt, wie sich Natur unter den aktuellen Bedingungen ohne menschliche Steuerung entwickelt.

Die Bundesregierung hat in ihrer Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt das Ziel formuliert, auf mindestens zwei Prozent der Landfläche Deutschlands Wildnis entstehen zu lassen. Bund und Länder tragen hierbei eine besondere Verantwortung, das Potenzial ihrer eigenen Flächen zu nutzen.

Wildnis findet sich bereits in den Kernzonen von Nationalparks und einigen großen Naturschutzgebieten. Auch Flächen der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, wie das Naturparadies Grünhaus in Südbrandenburg, der Laubacher Wald im hessischen Vogelsberg und der Anklamer Stadtbruch in Mecklenburg-Vorpommern, beherbergen Wildnis.

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe engagiert sich aktiv für die Ausweitung von Wildnis in Deutschland, indem sie Flächen für die natürliche Entwicklung sichert. Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus dem Jahr 2023 zeigt zudem, dass 61 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sich mehr Wildnis in Deutschland wünschen, ein Anstieg gegenüber 42 Prozent im Jahr 2013.

Definition von Wildnisgebieten

Wildnisgebiete sind ausreichend große und weitgehend unzerschnittene Flächen, die dauerhaft keiner Nutzung unterliegen. Sie können sowohl natürliche Lebensräume umfassen als auch auf ehemals stark vom Menschen geprägten Arealen, wie ehemaligen Bergbau- oder Militärflächen, entstehen.

Für die wirksame Entfaltung natürlicher Prozesse und zur Minimierung von Konflikten mit angrenzenden Kulturlandschaften sind möglichst große und zusammenhängende Gebiete erforderlich. Bund und Länder haben für großflächige Wildnisgebiete eine Untergrenze von 1.000 Hektar festgelegt. Für Auen, Moore, Küsten und Seen liegt diese Untergrenze bei 500 Hektar.

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