Umweltschutz und Entsorgung

Deutschlands Naturschutzbilanz: Überwiegend negative Trends bei Arten und Lebensräumen

Deutschlands Naturschutzbilanz zeigt überwiegend negative Trends bei Arten und Lebensräumen. Eine Analyse der Rohdaten durch den NABU für den Zeitraum 2019 bis 2024 offenbart einen besorgniserregenden Rückgang. Zwei Drittel der Arten und fast drei Viertel der Lebensraumtypen befinden sich in einem ungünstigen Zustand.

Hintergründe der negativen Entwicklung

Deutschland hat Ende Juli Daten zu rund 200 geschützten Arten und etwa 90 Lebensraumtypen an die EU-Kommission übermittelt. Diese bilden die Grundlage für den alle sechs Jahre erscheinenden Bericht zur Lage der Natur, dessen Veröffentlichung für Anfang 2026 erwartet wird. Eine erste Analyse der Rohdaten durch den NABU zeigt für den Zeitraum 2019 bis 2024 eine überwiegend negative Entwicklung.

Mehr als ein Drittel der erfassten Arten und fast die Hälfte der Lebensraumtypen weisen im Vergleich zur vorherigen Meldeperiode einen negativen Trend auf. Insgesamt befinden sich zwei Drittel der Arten und nahezu drei Viertel der Lebensraumtypen in einem ungünstigen Zustand. Besonders betroffen sind die Küstenregionen sowie die intensiv genutzten Agrarlandschaften der atlantischen und kontinentalen Regionen Deutschlands. Obwohl die alpine Region besser abschneidet, ist auch dort eine Zunahme ungünstiger Erhaltungszustände festzustellen.

Ursachen des Rückgangs

Die Hauptursachen für diese negativen Entwicklungen sind bekannt. Eine zu intensive Landwirtschaft beeinträchtigt viele Arten und Lebensraumtypen. Weitere Faktoren sind die Klimakrise, der anhaltend hohe Flächenverbrauch von etwa 51 Hektar täglich, die Zerschneidung von Lebensräumen sowie der Mangel an nutzungsfreien Flächen an Land und im Meer.

Ein Beispiel hierfür ist der Feldhamster, dessen Bestand in Deutschland stark zurückgegangen ist. Die mangelnde Strukturvielfalt in Agrarlandschaften reduziert sein Nahrungsangebot und seinen Lebensraum. Agrarpolitische Entscheidungen, die auf eine „Entbürokratisierung“ abzielen, führen zu einer weiteren Reduzierung von Brachflächen und Ackerrandstreifen, was die Überlebenschancen der Art zusätzlich mindert.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wann die Politik endlich handelt und beispielsweise Fördermittel gezielt so ausrichtet, dass Landwirt*innen für mehr Vielfalt und biodiversitätsfördernde Maßnahmen honoriert werden.

Dies betont Dr. Laura Breitkreuz, Referentin für Artenschutz beim NABU.

Auch in marinen Ökosystemen stellt die intensive Nutzung ein Problem dar. Dr. Verena Riedl, Teamleiterin Natur- und Artenschutz beim NABU, erläutert:

Populationen des Schweinswals werden sich nur erholen, wenn es in unseren deutschen Meeresschutzgebieten endlich auch nutzungsfreie Flächen gibt. Nur so können sich die Tiere von lärmenden Motorbooten zurückziehen und wirksam vor Stellnetzen geschützt werden.

Die Population des Schweinswals in der Ostsee hat sich seit dem letzten Bericht im Jahr 2019 halbiert.

Erfolge im Naturschutz

Trotz der negativen Gesamttrends gibt es auch positive Beispiele, die die Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen belegen. 14 Prozent der Arten und 12 Prozent der Lebensräume haben sich verbessert. Der Hirschkäfer beispielsweise weist dank gezieltem Erhalt alter Baumstrukturen in allen biogeographischen Regionen, in denen er vorkommt, einen günstigen Erhaltungszustand auf.

Die Kleine Hufeisennase, eine stark gefährdete Fledermausart, erholt sich ebenfalls. Durch spezifische Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen ihres Lebensraums hat sich ihre Population seit dem letzten Bericht auf 16.500 Tiere mehr als verdoppelt.

Diese Daten liefern also keinen Grund für Resignation, sondern für entschlossenes Handeln. Die Natur kann sich erholen, wenn wir ihr den Raum und die Bedingungen dafür geben.

Dies unterstreicht Dr. Breitkreuz. Naturschutz sichert Vielfalt und damit Lebensgrundlagen.

Forderungen des NABU

Der NABU fordert eine konsequente Umsetzung nationaler Naturschutzstrategien, wie der nationalen Biodiversitätsstrategie, sowie europäischer Vorgaben, darunter die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und die Wiederherstellungsverordnung. Schutzgebiete müssen wirksam sein und eine naturverträglichere Flächennutzung stärker in den Fokus rücken.

Dr. Riedl ergänzt: „Schützen allein reicht aber nicht mehr. Unsere Flüsse, Moore, Wälder, Meere und Offenlandschaften müssen aktiv renaturiert werden, um den Abwärtstrend von Arten und Lebensräumen zu stoppen.“

28.09.2025

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