Unimog startet mit Euro VI: mehr Leistung, Effizienz und neue Hydrauliksysteme
Mit der neuen Unimog-Generation beginnt bei Mercedes-Benz Special Trucks die Ära der Euro-VI-Motoren. Trotz der konstruktiven Anforderungen der Abgasnorm bleiben die Konzeptvorteile des Unimog erhalten und werden weiter gestärkt. Mercedes-Benz schließt damit die vorfristige Produktoffensive zur Euro-VI-Einführung ab und bezieht nach Actros, Antos, Arocs und Atego auch die Spezialfahrzeuge Unimog und Econic ein. Die neuen Motoren unterschreiten die Grenzwerte und stoßen bis zu 90 Prozent weniger Rußpartikel und Stickoxide aus als die bisherigen Aggregate.
Unimog-Programm neu gegliedert: U 216 und U 218 ersetzen U 20
Das Produktprogramm der Unimog Geräteträger wurde neu strukturiert. Als kompakte Einstiegsmodelle ersetzen die Unimog U 216 und Unimog U 218 den bisherigen U 20. Darüber hinaus heißen die Geräteträger nun U 318, U 423, U 430, U 527 und U 530. Die erste Ziffer steht für die Größenordnung, die folgenden zwei Ziffern für die ersten Stellen der PS-Leistung, etwa „23“ für 230 PS. Die Baureihe tritt mit neu gestalteter, ergonomisch angeordneter Freisichtkabine an. Neue Systeme für Arbeits- und Leistungshydraulik sowie als Weltpremiere der synergetische Fahrantrieb erhöhen die Einsatzeffizienz.
BlueEfficiency Power: Euro VI mit bis zu drei Prozent weniger Verbrauch
Zwei von Grund auf neu konstruierte BlueEfficiency Power-Motoren bringen den Unimog auf Euro VI und sollen vor allem im Geräteeinsatz Effizienzgewinne bringen. Eingesetzt werden drei Vier- und zwei Sechszylinder der Baureihen OM 934 und OM 936 mit 5,1 und 7,7 Litern Hubraum. Der Leistungsbereich reicht von 115 kW (156 PS) bis 220 kW (299 PS). Die Motoren kombinieren höhere Abgasreinheit mit einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch, die Einsparung liegt bei bis zu drei Prozent. Die Abgasreinigung erfolgt über Abgasrückführung sowie Oxidationskatalysator, geschlossenem Partikelfilter, AdBlue-Eindüsung und SCR-Katalysator.
U 216 und U 218: kompakter, niedriger, wendiger
Die neuen Einstiegsmodelle U 216 und U 218 teilen sich mit den größeren Geräteträgern die Freisichtkabine mit verstellbarer Lenksäule sowie die Wechsellenkung VarioPilot®: Lenkrad und Pedale lassen sich vom Fahrerplatz auf den Beifahrerplatz verschieben. Ihr Hauptvorteil sind besonders kompakte Abmessungen. Der Radstand liegt bei 2800 Millimetern und ist damit 200 Millimeter kürzer als beim U 318, die Fahrzeugbreite ist um 50 Millimeter geringer. Der Wendekreis beträgt 12,6 Meter gegenüber 13,7 Metern beim U 318.
Dank kleinerer Räder fällt der kompakte Unimog um 50 Millimeter niedriger aus. Zur Verfügung stehen Vierzylinder mit 115 kW (156 PS) und 130 kW (177 PS). Der niedrigste Lastwert von 7,5 Tonnen zGG ermöglicht den früheren Pkw-Führerschein.
U 318 bis U 530: mehr Nutzlast, Spitzenleistung bis 299 PS
Die Typen U 318 bis U 530 treten an die Stelle der bisherigen U 300, U 400 und U 500. Die Euro-VI-Motoren setzen einen neuen Spitzenwert: 220 kW (299 PS) im U 430 und U 530 markieren die höchste je in einem Unimog realisierte Leistung. Mehr Effizienz soll auch das um bis zu 700 Kilogramm erhöhte zulässige Gesamtgewicht beziehungsweise die größere Nutzlast bringen. Gewichtsreduzierung gelang durch Leichtbau am Rahmen und den Einsatz von Aluminiumrädern.
Bemerkenswert ist, dass der Radstand trotz Euro-VI-Komponenten gegenüber dem früheren U 300 um 80 Millimeter verkürzt wurde (U 318 und U 423). Zusammen mit größeren Lenkeinschlagwinkeln sinkt der Wendekreis dieser Typen nochmals deutlich gegenüber den Vorgängern.
Freisichtkabine: neues Exterieur und ergonomisches Interieur
Die Freisichtkabine zeigt ein modernes Design, die Kurzhaube wird optisch und funktionell stärker betont. In neue Stoßfänger sind LED-Leuchten mit Tagfahrlicht integriert. Für bessere Sicht sind die Scheibenwischer nun über der Windschutzscheibe angeordnet. Optional ist ein Frontkamera-Monitorsystem erhältlich. Als Merkmal innerhalb der Baureihe tragen U 318 bis U 530 in Wagenfarbe lackierte Scheinwerfereinfassungen.
Im Innenraum sorgen Multifunktionslenkrad, verstellbare Lenksäule sowie ein verstärktes Heizungs- und Klimasystem mit verbesserter Luftverteilung für bessere Arbeitsbedingungen. Ein neuer Lenkstockhebel bedient Fahrfunktionen wie Getriebeschaltung oder die Premium-Motorbremse. Das neue Kombiinstrument verfügt über ein großes, helles Display. Ein entnehmbarer Joystick steuert Gerätefunktionen, einschließlich Reversieren im Arbeitseinsatz. Die Bedienung der optionalen Reifendruckregelanlage Tirecontrol Plus erfolgt vereinfacht über das Display mit den Modi „Straße“, „Sand“ und „Schlechtweg“.
Synergetischer Fahrantrieb: Wechsel zwischen Hydrostat und Schaltgetriebe während der Fahrt
Als Weltneuheit ist optional ein synergetischer Fahrantrieb verfügbar. Er kombiniert Hydrostat und mechanisches Schaltgetriebe und erlaubt den Wechsel während der Fahrt, ohne den bislang nötigen kurzen Stopp. Der Drive-Work-Modus soll den Arbeitseinsatz erleichtern, etwa beim Mähen, wenn nach einem Abschnitt der Wechsel zum Schaltgetriebe aktiviert wird.
Der neue Hydrostat ermöglicht Geschwindigkeiten bis 50 km/h, die hydrostatische Leistung wurde um 20 Prozent erhöht. Stufenloses Arbeiten reduziert Kupplungsverschleiß und erhöht die Arbeitsleistung, während das Schaltgetriebe bei optimalen Wirkungsgraden Kraftstoff spart. Der Wechsel erfolgt beim EPS-Getriebe per Kupplungsbetätigung, mit optionaler automatisierter Schaltung vollautomatisch. Bedient wird das System über Lenkstockschalter, Hydraulik-Joystick oder das Fahrpedal.
Neue Arbeits- und Leistungshydraulik: mehr Feinfühligkeit und mehr Leistung
Die neue Arbeitshydraulik steuert Anbaugeräte präzise und ohne ruckartige Bewegungen, bei um 30 Prozent gesteigerter hydraulischer Leistung. Sie arbeitet vollproportional und ermöglicht zwei Stellbewegungen gleichzeitig über den Joystick. Fördermengen lassen sich über Multifunktionstasten und Display begrenzen. Kreis I liefert 200 bar Systemdruck bei 32 l/min, zusammen mit Kreis II zusätzlich 55 l/min mit bis zu 240 bar.
Verbessert wurde auch der Geräteantrieb: Die Frontzapfwelle überträgt nun bis zu 160 kW (bisher 150 kW). Die Leistungshydraulik VarioPower wurde weiterentwickelt und ist effizienter: Zwei Kreise mit jeweils 125 l Hydraulikdurchfluss und 280 bar Druck, bis zu 58 kW pro Kreis, ausgelegt für Dauerverbraucher. Sie kann aufsteckbare Zapfwellenpumpen oder Diesel-Aufbaumotoren ersetzen, etwa in Aufbaukehrmaschinen, und spart dadurch Kraftstoff, Raum und Gewicht. Das System ist schnell wechselbar und kann zur Nutzlasterhöhung entnommen werden. Verfügbar ist VarioPower ab U 318.
Einsatzübersicht: Sommerdienst, Winterdienst und Logistik
Zur Demonstration der Einsatzmöglichkeiten wurden 19 Unimog gezeigt, einschließlich bewährter Vorgängermodelle. Schwerpunkte sind Sommerdienst mit Mähen, Mulchen, Reinigen und Transport, Winterdienst mit Räumen und Fräsen, kommunale Logistik sowie Aufgaben wie Holzhacken oder Laubsaugen. Vier Anbauräume stehen zur Verfügung: an Front und Heck, zwischen den Achsen sowie auf dem Chassis. Neben kommunalen Aufgaben wird der Unimog auch in Energie- und Forstwirtschaft, Agrologistik, Bau sowie im Straße-Schiene-Einsatz genannt.
Winterdienst und Sicherheit: große Sicht, Assistenz durch Kamera
Für den Winterdienst sind verschiedene Kombinationen realisierbar, darunter Schneepflüge mit verstellbarem Verschwenkanschlag, Keilschneepflüge sowie Streuautomaten bis 4,4 m³ Streugut, mit oder ohne Feuchtsalzausstattung. Schneefräsen werden über die Frontzapfwelle angetrieben. Auch Transportaufgaben ohne An- oder Aufbaugeräte sind vorgesehen, etwa mit Absetzkipper oder Hakenlift.
Zur Sicherheit tragen Spurtreue, präzises Lenkverhalten und ABS bei, außerdem Achslastverteilung und gleich große Räder. Die Freisichtkabine setzt auf Panorama-Frontscheibe, tief gezogene Seitenscheiben und kurze Haube für ein großes Sichtfeld. Das Frontkamera-Monitorsystem erleichtert das Ankoppeln der Geräte. Geländefähigkeit wird durch Portalachsen, hohe Bodenfreiheit, Sperrdifferenziale, Singlebereifung und Electronic Quick Reverse beschrieben.
