Anpassung der Ausbildung an digitale Anforderungen
Die Digitalisierung stellt grüne Berufe vor neue Herausforderungen. Eine Podiumsdiskussion in Berlin, veranstaltet vom Bundesverband der Hochschulabsolventen / Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e. V. (BHGL) und dem VDL-Landesverband Ost, Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt e. V., widmete sich der Frage, ob diese Berufe in der digitalen Arbeitswelt bestehen können oder von IT-Spezialisten mit agrarischer oder gärtnerischer Grundausbildung verdrängt werden.
Prof. Uwe Schmidt, Vizepräsident des BHGL, hob in seiner Keynote hervor, dass die Digitalisierung in der grünen Hochschulausbildung im internationalen Vergleich noch unzureichend verankert sei. Er betonte, dass hier erheblicher Nachholbedarf bestehe und wünschte sich ein größeres Technikinteresse bei den Studierenden. Jochen Flenker, Vorsitzender des VDL-Landesverbands Ost, sieht die Ausbildung an einem Scheideweg. Er fragte, ob es gelingen werde, die grüne Ausbildung an die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt anzupassen oder ob man das Feld anderen Ausbildungsgängen überlassen müsse.
Flenker warnte vor vorschnellen Maßnahmen. Er forderte eine präzise Ermittlung der Anforderungen der Arbeitswelt, um anschließend vorhandene Defizite zu beheben. Die Veranstaltung sollte zudem das Thema „Digitalisierung und grüne Ausbildung“ stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, moderiert von Agrarjournalistin Julia Reinhardt, waren sich einig, dass das Fach Digitalisierung stärker in die Lehr- und Ausbildungspläne integriert werden müsse.
Ausstattung und Kompetenzen
Es wurden erhebliche Defizite in der personellen und technischen Ausstattung an Berufs-, Fach- und Hochschulen festgestellt. Rainer Spiering (MdB) verwies auf das finanzielle Engagement einzelner Unternehmen der Agrarwirtschaft, die teilweise eigene Lehrstühle für Digitalisierungsfragen an Hochschulen mitfinanzierten. Er ergänzte, dass eine Verbesserung der baulichen und technischen Ausstattung an Hochschulen ein wichtiger Bestandteil des Wahlprogramms seiner Partei sei.
Klaus-Herbert Rolf von der 365FarmNet Group GmbH & Co. KG betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Er wies zudem auf die notwendigen Soft Skills in Kommunikation und Projektarbeit hin, die Absolventen mitbringen müssten, um fachübergreifende Problemstellungen bearbeiten zu können. Nico Domurath von der Integar GmbH aus Dresden zeigte sich überzeugt von der Zukunft der grünen Ausbildung.
Er hob hervor, dass Agrarier und Gartenbauer zunehmend in der Lage sein müssten, die digitale Welt und ihre Akteure zu verstehen. Domurath stellte fest, dass persönliche Kompetenzen wie Begeisterungsfähigkeit und Zielstrebigkeit für den Arbeitsmarkt immer wichtiger werden. Prof. Fritz-Gerald Schröder von der HTW Dresden verwies auf die zunehmend projektorientierte Ausbildung an Hochschulen. Er betonte, dass diese Ausbildungsform darauf abziele, die persönlichen Kompetenzen der Studierenden zu steigern.
Lars Abraham von der Dropnostix GmbH unterstützte diese Aussagen. Er fügte hinzu, dass die digitale Welt ohne Agrarier und Gartenbauer nicht funktionieren werde, eine Affinität zu technischen Fragen jedoch immer wichtiger werde.
Über die Verbände
Der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur e.V. (BHGL) ist der Bundesverband der Studierenden und Absolventen des Hochschulstudiums der Fachrichtungen Gartenbau und Landschaftsarchitektur. Der Verband arbeitet ehrenamtlich sowie wirtschaftlich und politisch unabhängig. Zu den Zielen der Verbandsarbeit gehören die Förderung der wissenschaftlichen Lehre und Forschung in Gartenbau und Landschaftsarchitektur, die Förderung des akademischen Berufsnachwuchses sowie die Interessenvertretung der Mitglieder.
Der VDL – Berufsverband Agrar, Ernährung, Umwelt ist der berufsständische Zusammenschluss von Personen, die ein Studium der Agrarwissenschaften, Ernährungswissenschaften, Landespflege, des Umweltschutzes oder verwandter Disziplinen abgeschlossen haben, sich im Studium befinden oder aufgrund einer vergleichbaren beruflichen Tätigkeit an der Verbandsarbeit interessiert sind. Als größter deutscher Berufsverband für akademische Berufe in den Bereichen Agrar, Ernährung und Umwelt erreicht der VDL über 10.000 Fach- und Führungskräfte. Er versteht sich als Fach-, Lobby- und Dienstleistungsverband für seine Mitglieder.
