Negative Auswirkungen angrenzender Ackerflächen auf Insekten
Ackerflächen, die an Schutzgebiete angrenzen, beeinflussen die Insektenvielfalt in diesen Arealen negativ. Dies ist das Ergebnis einer Studie des DINA-Forschungskonsortiums (Diversität von Insekten in Naturschutzarealen), die unter der Leitung des NABU durchgeführt wurde.
Die Untersuchung zeigt, dass Insekten in Schutzgebieten, die von vielen landwirtschaftlichen Flächen umgeben sind, häufiger mit Pestiziden in Kontakt kommen. An solchen Standorten wurde eine geringere Anzahl von Insektenarten festgestellt. Dieser Effekt war besonders deutlich in einem Radius von zwei Kilometern um die Schutzgebiete nachweisbar.
Die Ergebnisse sind alarmierend: Selbst in Naturschutzgebieten schreitet der Verlust von Artenvielfalt und Lebensräumen voran. Dies zeigt einmal mehr, dass die bisherigen Maßnahmen des Insektenschutzpakets und der EU-Agrarpolitik nicht ausreichend sind und dringend nachgebessert werden müssen. Eine Trendumkehr beim Artensterben kann nur gelingen, wenn die Belastung durch Pestizide in der gesamten Landschaft halbiert wird. So sieht es auch der EU-Green-Deal vor.
Laut den Autoren der Studie können selbst große Naturschutzflächen die negativen Einflüsse der landwirtschaftlichen Umgebung nicht ausgleichen.
Warum das so ist, muss nun mit dem vollständigen Datensatz über den Beobachtungszeitraum von zwei Jahren weiter überprüft werden. Die Erhebung von ortsbezogenen Daten zu Insektendiversität und zur Wirksamkeit möglicher Schutzmaßnahmen spielen somit auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei lokalen Entscheidungsprozessen.
Ergänzend wurden die Forschungsergebnisse in Dialogworkshops an verschiedenen Standorten vorgestellt und mit Vertretern aus Landwirtschaft und Naturschutz diskutiert.
Der Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft vor Ort spielt eine zentrale Rolle für den Schutz der Artenvielfalt. Maßnahmen in und um Naturschutzgebiete sind vor allem dann erfolgversprechend, wenn alle Beteiligten bei der Planung und Umsetzung eng zusammenarbeiten.
Details zur Untersuchungsmethode
Für die Studie wurden Daten zur Insekten- und Pflanzenvielfalt an 21 repräsentativen Beobachtungsstandorten in den Grenzbereichen zwischen Naturschutzgebieten und Ackerflächen mittels Malaise-Fallen erfasst und vom NABU ausgewertet. Zudem wurden Daten zur Landnutzung und zur Pestizidbelastung von Böden und Insekten erhoben und analysiert. Die Studie umfasste auch sozialwissenschaftliche Analysen und Dialogworkshops in drei deutschen Naturschutzgebieten.
Hintergrund des Forschungsprojekts DINA
Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen), das vom NABU koordiniert und wissenschaftlich geleitet wird. Dem Projektverbund gehören neben dem ISOE (Institut für sozialökologische Forschung) sechs weitere Hochschulen und Forschungsinstitute an. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert DINA im Rahmen der FONA-Strategie (Forschung für nachhaltige Entwicklung).
