Gefährdung der Artenvielfalt durch Agrarchemikalien
Die Artenvielfalt von Pflanzen in Schutzgebieten nimmt ab, wenn diese an landwirtschaftliche Flächen grenzen, auf denen Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Eine Studie des Forschungskonsortiums DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen) unter Leitung des NABU zeigt, dass die Pflanzenvielfalt in solchen Randbereichen um durchschnittlich 75 Prozent zurückgeht. Besonders betroffen sind gefährdete Pflanzenarten, was wiederum die Lebensgrundlage vieler gefährdeter Insektenarten beeinträchtigt.
Die Untersuchung macht deutlich, dass aus angrenzenden Ackerflächen erhebliche Mengen an Düngemitteln und Herbiziden in die Schutzgebiete gelangen. Dies führt dazu, dass insbesondere kleinere Schutzgebiete ihre Funktion kaum noch erfüllen können. Die Studie analysierte an 21 Standorten in Deutschland den Zustand der Vegetation vom Rand zum Kern der Schutzgebiete.
Notwendigkeit von Pufferzonen und Datenerfassung
Naturschutzgebiete müssen ihrer Funktion gerecht werden können und die lokale Artenvielfalt erhalten. Wir brauchen darum Pufferzonen, um unsere Schutzgebiete sowie Biotopverbundkorridore, in denen der Einsatz von Herbiziden reduziert wird. Dafür müssen Angebote und Honorierungen für die Landwirtschaft bereitgestellt werden. Wir brauchen eine grüne Infrastruktur, die uns hilft, Arten und Ökosysteme auch im Klimawandel zu erhalten.
Dies betont NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Er fordert die Einrichtung von Pufferzonen und Biotopverbundkorridoren, in denen der Herbizideinsatz reduziert wird, sowie entsprechende Honorierungen für die Landwirtschaft. Ziel ist eine grüne Infrastruktur zur Erhaltung von Arten und Ökosystemen, auch im Kontext des Klimawandels.
Dr. Sebastian Köthe, DINA-Forscher, weist auf erhebliche Datenlücken hin. Es fehle an Informationen über den Zustand und die Entwicklung von Tier- und Pflanzenbeständen sowie über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere in und um Schutzgebiete. Er fordert eine bundesweite digitale Einsatzdatenbank sowie umfassendere Risikoanalysen und Risikomanagementmaßnahmen.
Methodik der Studie und Projektbeteiligte
Die Studie untersuchte die Wirksamkeit von Maßnahmen in Schutzgebieten, die von intensiv bewirtschafteten Flächen umgeben sind. Dabei wurden der Nährstoffgehalt des Bodens, Indikatorwerte basierend auf Pflanzenvorkommen, Herbizidrückstände und der Rote-Liste-Status der gefundenen Pflanzenarten berücksichtigt.
Das Forschungsprojekt DINA wird vom NABU koordiniert und wissenschaftlich geleitet. Beteiligt sind sieben weitere Hochschulen und Forschungsinstitute, darunter der Entomologische Verein Krefeld, die Universität Kassel und die Universität Koblenz-Landau. Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der FONA-Strategie (Forschung für nachhaltige Entwicklung).
