Von den Anfängen bis zur Spezialisierung des Gärtnerberufs
Die ersten Gärten wurden vermutlich bereits in der Steinzeit angelegt. Im Ägypten der Pharaonenzeit und im Alten Griechenland dienten Gärten vorrangig dem Anbau von Obst und Gemüse. Im Mittelalter kultivierten Mönche in Klostergärten regionales Gemüse und Heilkräuter.
Bereits in diesen frühen Epochen erfüllten Gärten eine Doppelfunktion: Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln dienten prachtvolle Ziergärten der Repräsentation von Reichtum und als Orte der Ruhe. Mit der Zeit wurde das Wissen über geeignete Standorte, Pflanzen und Anbaumethoden schriftlich festgehalten, was zur Entstehung des Gärtnerberufs führte.
Im Mittelalter organisierten sich Erwerbsgärtner in Zünften und bildeten den Nachwuchs aus. Im 18. Jahrhundert beschäftigten viele Adelige Hofgärtner, die ihre gartenbaulichen Vorstellungen umsetzten. Der Beruf professionalisierte und spezialisierte sich kontinuierlich.
Moderne Anforderungen und Karrieremöglichkeiten im Gartenbau
Heute bietet die Gärtnerausbildung sieben verschiedene Fachrichtungen. Nach der Ausbildung eröffnen sich vielfältige Karrierewege, darunter die Meisterfortbildung, ein Studium oder die Gründung eines eigenen Betriebs. Neben gestalterischen Fähigkeiten erfordert der moderne Gartenbau den Umgang mit modernstem Gerät sowie automatischer Mess-, Regel- und Steuertechnik.
Prägende Persönlichkeiten des Gartenbaus
Die Geschichte des Gärtnerns ist reich an Persönlichkeiten, die den Berufsstand maßgeblich beeinflussten.
Als Begründer des Gartenbaus in Deutschland gilt Christian Reichart (1685–1775) aus Erfurt. Er trug dazu bei, seiner Geburtsstadt einen Ruf als Gartenbau- und Blumenstadt zu verschaffen. Reichart experimentierte mit weniger bekannten Gemüsearten und entwickelte neue Anbausysteme sowie Arbeitsgeräte zur Steigerung der Produktivität im Gartenbau. Einige seiner Entwicklungen finden sich in weiterentwickelter Form noch heute. Zudem formulierte er Kriterien für eine praxisnahe Ausbildung angehender Gärtner.
Im 19. Jahrhundert prägte Peter Joseph Lenné als General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten die preußische Gartenkunst. Er gestaltete zahlreiche Parkanlagen im englischen Stil in Berlin und anderen Teilen Deutschlands. Seine Tätigkeit würde man heute als Landschaftsarchitekt bezeichnen, damals sprach man von Gartenkünstler.
Auch Adelige wie Wilhelmine von Preußen (1709–1758) und Fürstin Lucie Pückler (1776–1854) waren für ihre Gartenleidenschaft bekannt. Lucie Pückler verwandelte zusammen mit ihrem Gatten Hermann von Pückler-Muskau ihre Ländereien in der Oberlausitz in einen Landschaftspark. Während der Fürst auf Reisen war, überwachte sie die Gestaltung des Parks, in dem Teile wie der Lucie-See nach ihr benannt wurden. Der heute noch zugängliche Park umfasst 830 Hektar und ist UNESCO-Weltkulturerbe.
Tradition und Zukunft des Gärtnerberufs
Obwohl sich der Beruf im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat, verbindet die Gärtner von heute die Leidenschaft für ihren Beruf und die Faszination für die Natur mit ihren Vorgängern. Der Gärtnerberuf bleibt ein Feld mit langer Tradition und vielversprechenden Zukunftsperspektiven.
