Internationale Studie zeigt klare Vorteile artenreicher Wälder für Wachstum und Holzertrag
Wälder mit einer hohen Artenvielfalt sind produktiver als Monokulturen. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, an der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern beteiligt waren. Die Analyse zeigt, dass Mischwälder deutlich höhere Holzzuwächse erreichen als Bestände mit nur einer Baumart.
Für die Untersuchung wertete das Forschungsteam Daten aus 44 Ländern aus. Insgesamt wurden rund 770.000 Probeflächen mit 8.737 Baumarten analysiert. An dem Projekt beteiligt war auch Michael Scherer-Lorenzen von der Universität Freiburg, der am Institut für Biologie II die Professur für Geobotanik innehat. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Wälder als wichtige Ökosysteme
Wälder beherbergen weltweit die größte Artenvielfalt aller Landökosysteme und erfüllen zahlreiche Funktionen für Gesellschaft und Umwelt. Sie liefern Holz als wichtigen Rohstoff zum Bauen und Heizen, speichern Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff und schützen Böden vor Erosion.
Gleichzeitig geraten viele Waldökosysteme unter Druck. Entwaldung, Walddegradation und die Folgen des Klimawandels führen weltweit zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt. Damit geraten auch wichtige Ökosystemleistungen der Wälder in Gefahr.
Daten aus Waldökosystemen weltweit
Für die Studie untersuchte das Forschungsteam unterschiedlichste Waldtypen rund um den Globus. Dazu zählen Mangrovenwälder, tropische Regen- und Feuchtwälder, nord- und mitteleuropäische Nadel- und Laubwälder, Tundren, Trockensavannen sowie mediterrane Waldgebiete.
Um den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Produktivität zu analysieren, werteten die Wissenschaftler Dauerbeobachtungsflächen aus. Dabei wurde die Anzahl der Baumarten in den jeweiligen Beständen dem Holzzuwachs gegenübergestellt.
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Biodiversität und Biomassezuwachs in Wäldern.
„Es scheint generell einen positiven Zusammenhang zwischen pflanzlicher Artenvielfalt und Biomassezuwachs zu geben. Bei einem Rückgang der Baumarten um die Hälfte dagegen bricht der Holzertrag um zehn bis 15 Prozent ein."
Europäische Daten aus sechs Ländern
Ein Teil der Datengrundlage stammt aus einem europäischen Forschungsverbund, der von Michael Scherer-Lorenzen koordiniert wurde. In diesen Datensatz flossen Informationen zu Waldökosystemen aus Finnland, Polen, Rumänien, Deutschland, Italien und Spanien ein.
Die Ergebnisse verdeutlichen nicht nur die Folgen eines Rückgangs der biologischen Vielfalt. Sie zeigen auch, dass die Umwandlung von Monokulturen in artenreiche Bestände die Produktivität wieder erhöhen kann.
„Die Ergebnisse machen nicht nur die Konsequenzen eines Verlusts von Artenvielfalt deutlich. Umgekehrt zeigen sie auch, dass bei einer Umwandlung von Waldmonokulturen hin zu Mischbeständen die Erträge wieder ansteigen können."
Internationale Forschungsinitiative
Die Studie ist eines der ersten Ergebnisse der Global Forest Biodiversity Initiative (GFBI). Dieses internationale und interdisziplinäre Netzwerk wurde 2016 gegründet, um großräumige Muster und Prozesse in den Wäldern der Erde besser zu verstehen.
Ziel der Initiative ist es, globale Datensätze zusammenzuführen und damit fundierte wissenschaftliche Grundlagen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern zu schaffen.
Originalpublikation: Liang J. et al. (2016): Positive Biodiversity–Productivity Relationship Predominant in Global Forests. Science. DOI: 10.1126/science.aaf8957
