Naturschutz

Endlose Hängepartie um Düngerecht

Umweltverbände fordern angesichts der Beratungen zur Nachschärfung des deutschen Düngerechts verursachergerechte Lösungen im Gewässerschutz. Sie kritisieren ein „gemeinschaftliches Politik- und Lobbyversagen“ und mahnen eine konsequente Reduzierung von Stickstoffüberschüssen an.

Forderungen der Umweltverbände zum Gewässerschutz

„Was zu viel ist, ist zu viel: Das gilt in der Sache, aber auch in der Art und Weise, wie in Deutschland seit Jahren die erforderliche Reduzierung von Stickstoffüberschüssen schöngerechnet wird. Damit muss Schluss sein. Und zwar heute. Im Interesse des Umwelt- und Gewässerschutzes, aber auch im Interesse der Landwirtschaft selbst“, so DNR-Präsident Kai Niebert.

Die Verbände kritisieren ein „gemeinschaftliches Politik- und Lobbyversagen“. Die Verantwortung für die Nachschärfung der erst seit sechs Monaten geltenden Regeln liege bei den Akteuren, die im Interesse der Landwirte handeln. Dies betreffe auch die CDU/CSU.

„Wenn Kommissionspräsident-Anwärter Manfred Weber (CSU) damit wirbt, dass Deutschland unter seiner Ägide die EU-Nitratrichtlinie nicht einhalten muss, ist das unverantwortlich. Falls die Einigung heute scheitert, steht er auch in der Mitverantwortung für die immer größere Wahrscheinlichkeit horrender Strafzahlungen und eines Folgeverfahrens gegen Deutschland“, ergänzte Niebert.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger betont, dass eine Lösung der Nitratproblematik einen umwelt- und tiergerechten Umbau der Tierhaltung erfordere. Die Tierhaltung müsse konsequent an die Fläche gebunden werden, wobei der Tierbestand zwei Großvieheinheiten pro Hektar nicht übersteigen dürfe. Dies bedeute, dass in intensiven Tierhaltungsregionen mit extremen Nitratproblemen Tierbestände reduziert werden müssten.

Grünland nicht ausnehmen – Auswirkungen auf die Artenvielfalt

Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des NABU, warnte davor, Ausnahmen für das Grünland einzuführen, da dies die Einigung gefährden könnte.

„Sollte das Grünland von den verschärften Regeln ausgeklammert werden, wäre dies katastrophal. Dann bestünde die Gefahr, dass Wiesen und Weiden, welche bisher nicht oder nur wenig gedüngt wurden, zur Gülleentsorgungsstelle verkommen und damit zu einer Graswüste ohne Insekten. Artenreiches Grünland ist bereits jetzt stark gefährdet – und das obwohl es für die Artenvielfalt, den Gewässer-, Boden- und Klimaschutz von enormer Bedeutung ist.“

06.06.2019

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