Dialogforum beleuchtet europäische Biodiversitätsstrategien
Die Tagung wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Rahmen der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ausgerichtet. Kooperationspartner waren die Umweltbundesämter aus Österreich und der Schweiz. Im Zentrum der zweitägigen Veranstaltung stand die kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Begründungsmustern, die den Biodiversitätsstrategien im deutschsprachigen Raum zugrunde liegen.
Ziel war es, gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Praxis einen Diskurs auf europäischer Ebene anzustoßen. Ausgehend vom weltweiten Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) erarbeiten oder setzen die EU-Mitgliedstaaten Strategien und Aktionspläne um, um den Verlust an biologischer Vielfalt zu verlangsamen. Diese Strategien basieren explizit oder implizit auf ethischen Argumenten und Wertvorstellungen.
Ihre Umsetzung erfordert glaubwürdige Begründungen und Kommunikationskonzepte, um in der breiten Öffentlichkeit Akzeptanz zu finden. Die bisher vorwiegend ökologisch-ökonomisch geprägte Naturschutzkommunikation soll um ihre ethischen Grundlagen erweitert werden.
Wir benötigen vor allem anschauliche Gerechtigkeitsargumente, die aufzeigen, was wir im Sinne moralischer Pflichten voneinander verlangen können, um der Naturschutzdebatte zu mehr Geltung zu verhelfen.
Dies betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Für die Entwicklung des Naturschutzes ist es von Bedeutung, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den ethischen Argumentationsmustern vergleichbarer Biodiversitätsstrategien im deutschsprachigen Raum zu identifizieren und deren Weiterentwicklung zu diskutieren. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung waren aktuelle Strömungen der allgemeinen Naturschutzargumentation, wie der Trend zu ökonomischen Bewertungssystemen.
Das BfN hat mit der Publikation „Klugheit, Glück, Gerechtigkeit. Ethische Argumentationslinien in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ (Eser et al. 2011, Schriftenreihe NABiV 107, Landwirtschaftsverlag) und dem darin entwickelten Raster zur Systematisierung ethischer Argumente in der deutschen Biodiversitätsstrategie einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen. Die Organisation der Veranstaltung erfolgte durch die Koordinationsstelle Wirtschaft und Umwelt der Hochschule Nürtingen-Geislingen.
