Ergebnisse der Europäischen Forschungskonferenz
In Bonn fand eine dreitägige Europäische Forschungskonferenz zum Thema Klimawandel und Naturschutz statt. Rund 200 Fachleute aus 22 europäischen und außereuropäischen Nationen folgten der Einladung des Bundesamts für Naturschutz (BfN), um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen.
Die Konferenz beleuchtete die Auswirkungen des Klimawandels in Europa, die sich in einer Zunahme von Starkregenereignissen und Dürreperioden zeigen. Ein zentrales Thema war die Frage, wie Arten und Lebensräume optimal an diese Veränderungen angepasst werden können. Die Empfehlungen der Wissenschaftler umfassen eine Anpassung des Managements, eine verbesserte Vernetzung von Schutzgebieten und den Aufbau grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme.
Die Wissenschaft ist sich einig: Der Klimawandel ist in Europa angekommen. Die Zunahme der Starkregen-Ereignisse, die zu den verheerenden Hochwasserschäden an Elbe und Donau geführt haben, auf der einen Seite und die Dürreperioden in Teilen Europas auf der anderen Seite, sprechen eine deutliche Sprache. Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an die Klimaveränderungen ermöglichen kann. Die Handlungsempfehlungen der Wissenschaftler umfassen neben einer Anpassung des Managements vor allem eine verbesserte Vernetzung von Schutzgebieten sowie den Aufbau grenzüberschreitender Biotopverbundsysteme.
Bedeutung von Biotopverbund und grüner Infrastruktur
Für die Anpassung bedrohter Arten an den Klimawandel ist die europaweite Durchlässigkeit der Landschaft von Bedeutung. In Deutschland besteht noch Nachholbedarf bei der Schaffung eines länderübergreifenden Biotopverbunds. Daher sollen Investitionen in eine grüne Infrastruktur gestärkt werden. Angesichts der jüngsten Hochwasserereignisse waren die Ökosystemleistungen der deutschen Flussauen ein wichtiges Konferenzthema.
Damit die vom Klimawandel bedrohten Arten geeignete neue Lebensräume finden können, ist die europaweite Durchlässigkeit der Landschaft von großer Bedeutung. Auch in Deutschland gibt es noch erheblichen Nachholbedarf, etwa bei der Schaffung eines länderübergreifenden Biotopverbunds. Daher müssen Investitionen in eine grüne Infrastruktur gestärkt werden.
Nachhaltiger Hochwasserschutz erfordert mehr als nur technische Maßnahmen. Der Klimawandel macht eine Rückbesinnung auf intakte Auenlandschaften notwendig, die Flüssen mehr Raum geben, den Wasserabfluss bremsen und Hochwasserspitzen mindern. Dies muss mit Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserrückhaltefähigkeit der Böden im Einzugsgebiet einhergehen. Ein positiver Nebeneffekt ist dabei ein höherer Humusanteil in diesen Böden, der wiederum mehr Kohlenstoff speichern kann.
Um nachhaltig für einen Hochwasserschutz zu sorgen, dürfen wir uns nicht nur einseitig auf technische Hochwasserschutzmaßnahmen fokussieren. Der Klimawandel erfordert eine Rückbesinnung auf intakte Auenlandschaften, die den Flüssen mehr Raum geben, gleichzeitig den Wasserabfluss bremsen und so Hochwasserspitzen vermindern. Dies muss mit Maßnahmen einhergehen, die den Böden im Einzugsgebiet wieder eine bessere Wasserrückhaltefähigkeit verleihen. Der positive Nebeneffekt ist dabei, dass diese Böden einen höheren Humusanteil haben und wiederum mehr Kohlenstoff speichern können.
Ökosystembasierte Maßnahmen als kosteneffektive Alternativen
Die Konferenz präsentierte Beispiele, wie Ökosysteme und Naturschutzmaßnahmen zum Klimaschutz und zur gesellschaftlichen Anpassung beitragen können. Ökosystembasierte Maßnahmen stellen oft kosteneffektive Alternativen zu technischen Lösungen dar und bieten zusätzlichen Nutzen für Mensch und Natur. Die Rückgewinnung naturnaher Auengebiete trägt beispielsweise zum Hochwasserschutz bei, unterstützt die Selbstreinigung der Gewässer, mindert CO²-Emissionen und schafft Biodiversitäts-Hotspots.
Die Anlage von Grünflächen als Frischluftschneisen in Städten schafft neue Lebensräume für urbane Pflanzen und Tiere und verbessert das Lebensumfeld der Stadtbewohner, indem sie städtische Überhitzung mindert und die Luft filtert. Im ökosystembasierten Klimaschutz stehen die Erhaltung und Wiederherstellung kohlenstoffspeichernder Ökosysteme wie Moore und Wälder im Mittelpunkt. Eine aktuelle BfN-Studie zeigt, dass die Renaturierung von Mooren einen vergleichsweise kostengünstigen und effektiven Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Damit werden Klimaschutzmaßnahmen zum günstigen Koppelprodukt des Naturschutzes, - eine echte Win-Win-Situation.
Verschiebung von Lebensräumen und sozioökonomische Aspekte
Grundlagenforschung hat die beobachtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Arten, Lebensräume und Landschaften erfasst. Modellrechnungen zeigen mögliche zukünftige Veränderungen der Verbreitungsgebiete verschiedener Artengruppen. Klimatisch geeignete Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten verkleinern sich oder verschieben sich großräumig nach Norden oder in höhere Lagen, wobei die Ausweichmöglichkeiten begrenzt sind.
Kälteliebende Arten wie alpine Pflanzen oder arktische und boreale Arten werden langfristig aus Mitteleuropa verschwinden. Im Gegenzug werden wärmeliebende Arten wie Schmetterlinge oder Libellen aus dem Mittelmeerraum verstärkt einwandern. Die Verschiebung von Lebensräumen ist ein notwendiger Anpassungsprozess an den Klimawandel.
Es ist wichtig, dass es sich bei der Verschiebung von Lebensräumen um notwendige Anpassungsprozesse an den Klimawandel handelt. Für den Naturschutz stellt sich die Frage, wie man den betroffenen Arten und Lebensräumen eine optimale Anpassung an die Veränderungen ermöglichen kann. Antworten darauf zu finden ist ein Hauptziel dieser Tagung, und ein funktionierender länderübergreifender Biotopverbund ist hier genauso wichtig, wie die Durchlässigkeit der genutzten Kulturlandschaft für wandernde Arten.
Das BfN legt Wert darauf, auch sozioökonomische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Der letzte Konferenztag war diesem Themenschwerpunkt gewidmet. Die Bewertung von Leistungen, die Ökosysteme für den Klimaschutz erbringen, kann das Bewusstsein für die ökonomischen Konsequenzen des Biodiversitätsverlustes schärfen.
Selbstverständlich lässt sich der Wert der Natur nicht allein mit finanziellen Maßstäben messen, jedoch bietet die Bewertung von Leistungen, die durch Ökosysteme gerade auch für den Klimaschutz bereitgestellt werden, eine Möglichkeit, sich die ökonomischen Konsequenzen des zunehmenden Verlustes von Biodiversität bewusst zu machen.
Hintergrund: Europäische Forschungskonferenz Klimawandel und Naturschutz
Das Verhältnis von biologischer Vielfalt und Klimawandel ist seit 1994 ein zentrales Forschungsfeld des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die Konferenz, in Kooperation mit dem Netzwerk der Europäischen Naturschutzbehörden (ENCA) und der FU Berlin durchgeführt, förderte den grenz- und disziplinübergreifenden Austausch europäischer Wissenschaftler, Behördenvertreter und Naturschutzpraktiker an der Schnittstelle von biologischer Vielfalt und Klimawandel.
Gerade vor den Hintergrund des Klimawandels wird es für den Naturschutz zunehmend wichtiger über die nationalen Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Austausch von Forschungs- und Lösungsansätzen zu fördern. Denn weder der Klimawandel noch die bio-logische Vielfalt enden an nationalen Grenzen, und sie werden unsere Natur und unsere Landschaften über die Grenzen hinweg maßgeblich verändern.
Im Dialog mit dem europäischen Fachpublikum wurden Möglichkeiten zur Anpassung von Ökosystemen an den Klimawandel identifiziert und deren Beiträge zum Klimaschutz sowie zur gesellschaftlichen Anpassung beleuchtet. Experten aus ganz Europa präsentierten das Spektrum der Herausforderungen, die der Klimawandel für den europäischen Naturschutz mit sich bringt, und erarbeiteten gemeinsam mit den Teilnehmern Strategien und Lösungsmöglichkeiten.