Der Wert der Natur in konkreten Beispielen und seine Bedeutung
Die Bedeutung von Ökosystemleistungen zeigt sich in verschiedenen Bereichen. So tragen Feuchtgebiete zur Wasserreinhaltung und damit zur menschlichen Gesundheit bei. Mangrovenwälder bieten Schutz vor Hochwasser und unterstützen die Fischerei. Städtische Grüngürtel verbessern die Luftqualität in Großstädten erheblich. Die Bestäubung zahlreicher Kulturpflanzen durch Insekten ist zudem eine Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion. Diese Leistungen der Natur sollen auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
Um dies zu gewährleisten, ist es nach Ansicht der Fachleute notwendig, den Wert dieser Leistungen zu ermitteln und in räumliche Planungsansätze, betriebswirtschaftliche Bilanzen, Produktketten sowie volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen zu integrieren.
Anhand nachvollziehbar aufbereiteter Bewertungen lassen sich Politikempfehlungen für Entscheidungsträger ableiten. Denn es geht nicht nur darum, die Auswirkungen von wirtschaftlichen Maßnahmen auf Natur und Umwelt einschätzen, sondern im Gegenzug auch deutlich zu machen, welche ökonomischen und darüber hinaus reichenden Werte und Leistungen die Natur für uns erbringt. Insbesondere über ökonomische Inwertsetzungen kann endlich eine Basis geschaffen werden, die Verursacher von Umweltproblemen an den Kosten der Wiederherstellung zu beteiligen.
Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel anlässlich des Workshops zum Thema Ökonomie von Ökosystemen und Biodiversität (TEEB). An diesem Workshop nahmen Experten teil, die in ihren Ländern TEEB-Studien durchgeführt haben.
TEEB-Studien als Grundlage für nachhaltige Entwicklung
Die Ergebnisse der TEEB-Studien verdeutlichen den Nutzen von Ökosystemleistungen und Biodiversität für das menschliche Wohlergehen. Sie können zudem zur Umsetzung der „Green Economy“ beitragen, die von der UNO beim Rio+20-Gipfel als strategisches Instrument für nachhaltige Entwicklung benannt wurde und von der Bundesregierung unterstützt wird.
In einer Green Economy sollen Investitionen aus öffentlichen Mitteln dorthin gelenkt werden, wo sie auch in Zukunft den Erhalt von natürlichen Ressourcen sicherstellen. Biodiversität und Ökosysteme stellen die Grundlage des menschlichen Wohlergehens dar. Die TEEB-Bewertungen können dabei helfen, geeignete Investitionen für ihren Erhalt auszuwählen.
Jessel hob hervor, dass die Ergebnisse der Studien auch auf lokaler und betrieblicher Ebene großes Potenzial bieten. Unternehmen zeigen beispielsweise Interesse an Informationen über die Auswirkungen ihrer Handels- und Lieferketten auf Ökosystemleistungen. Nicolas Bertrand, Leiter des TEEB Büros des UN Umweltprogramms, lobte die Bemühungen in Deutschland, den Wert von Biodiversität im Unternehmenssektor bekannt zu machen, als vorbildhaft.
Der Workshop wurde vom BfN gemeinsam mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und dem Forschungsinstitut Alterra aus Wageningen organisiert. Zu den Teilnehmern gehörten auch Vertreter der EU-Kommission und der Europäischen Umweltagentur.
Hintergrund der TEEB-Initiative und ihre Ziele
Die Vereinten Nationen stellten 2005 die Ergebnisse des Millennium Ecosystem Assessments vor, das den Zustand der Ökosysteme und ihre Leistungen für das Überleben auf der Erde analysierte. Im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft initiierte Deutschland 2007 gemeinsam mit der Europäischen Kommission die internationale TEEB-Studie. Ziel war es, Ökosystemdienstleistungen einen Wert beizumessen, um der weltweiten Naturzerstörung mit ökonomischen Argumenten entgegenzuwirken.
In den vergangenen Jahren wurden Berichte für verschiedene Zielgruppen und Ökosysteme veröffentlicht. Seit 2012 arbeitet Deutschland an einer nationalen TEEB-Studie. Schwerpunkte dieser Studie sind neben Biodiversität und Unternehmen auch die Ökosystemleistungen urbaner und ländlicher Räume sowie die Themen Klimapolitik und Naturkapital.