Integration, Ausbildung und Wachstum treiben den Personalbedarf im GaLaBau weiter an
Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zum zentralen Risiko für Wirtschaft und öffentliche Hand. Zukunftsforscher Daniel Dettling sieht dringenden Handlungsbedarf und nennt Zuwanderung, flexible Arbeitsmodelle und verstärkte Weiterbildung als entscheidende Stellschrauben. Die Zahlen bestätigen diese Entwicklung: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl ausländischer Beschäftigter in der Privatwirtschaft mehr als verdoppelt.
Auch im Garten- und Landschaftsbau ist der Anteil internationaler Arbeitskräfte hoch. Betriebe sind zunehmend auf Zuwanderung angewiesen, um ihren Personalbedarf zu decken. Gleichzeitig gewinnt die strukturierte Integration neuer Mitarbeiter an Bedeutung, um Fachkräfte langfristig zu binden und betriebliche Abläufe zu sichern.
Integration als strategischer Baustein
Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL NRW) setzt gezielt auf Integrationsmaßnahmen. Ein zentrales Instrument ist das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Programm der Willkommenslotsen. Dieses unterstützt Betriebe bei der Eingliederung von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt.
„Wir als Branche verfolgen gemeinsam mit der Landespolitik das Ziel, dem Fachkräftemangel unter anderem durch gelungene Integration zu begegnen."
Willkommenslotse Martin Müller begleitet Unternehmen bei allen praktischen Fragen – von Hospitationen über Praktika und Einstiegsqualifizierungen bis hin zu Ausbildung und Festanstellung. Ergänzend koordiniert der Verband weitere Maßnahmen zur Personalgewinnung und stellt umfangreiche Qualifizierungsangebote bereit.
Wachsender Bedarf durch steigende Anforderungen
Der steigende Fachkräftebedarf ist eng mit dem anhaltenden Wachstum im GaLaBau verknüpft. Die Bedeutung von blau-grüner Infrastruktur nimmt weiter zu, wodurch sich das Aufgabenspektrum kontinuierlich erweitert. Projekte reichen von Gewässerrenaturierungen über Parkanlagen bis hin zu Straßenbegleitgrün.
Grünflächen gelten inzwischen als zentrales Element moderner Stadtklimatologie. Parallel steigt auch die Nachfrage im privaten Bereich deutlich an. Viele Menschen haben ihren Garten als erweiterten Lebensraum neu entdeckt, was die Auslastung der Betriebe zusätzlich erhöht.
„Die Auftragsbücher der Kollegen sind für Wochen voll!"
Diese Entwicklung wirkt sich positiv auf die Attraktivität des Berufs aus. Der Ausbildungsberuf Landschaftsgärtner gehört zu den beliebtesten in der grünen Branche – rund drei Viertel aller Auszubildenden im Gartenbau entscheiden sich für diesen Bereich.
Nachwuchswerbung gezielt ausbauen
Um den Bedarf langfristig zu decken, investiert der VGL NRW intensiv in die Nachwuchsförderung. Zentrale Maßnahmen sind Schulveranstaltungen, Messeauftritte sowie Aktionstage wie „Girl’s Day“ und „Boy’s Day“. Ergänzt wird dies durch praxisnahe Formate und öffentlichkeitswirksame Wettbewerbe.
„Es gibt inzwischen so viele verschiedene Ausbildungsberufe, dass sich immer mehr Jugendliche mit der Entscheidung schwertun, was denn nun für sie passen könnte."
Digitale Kanäle spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Über soziale Medien, Blogger und Videoinhalte werden potenzielle Auszubildende direkt angesprochen und niedrigschwellig erreicht.
Qualifizierung und Wandel im Arbeitsalltag
Neben der Gewinnung neuer Fachkräfte rückt die Weiterbildung bestehender Mitarbeiter stärker in den Fokus. Themen wie Digitalisierung und E-Mobilität verändern den Arbeitsalltag spürbar und erfordern neue Kompetenzen.
„Die Mitarbeiter sind der wichtigste Baustein jedes Unternehmens und wir legen großen Wert auf eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung."
In Zusammenarbeit mit Partnern wie der DEULA und der Landwirtschaftskammer entwickelt der Verband gezielt Seminare und Workshops. Ziel ist es, Betriebe dabei zu unterstützen, den technologischen Wandel aktiv zu gestalten und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.


