Internationale Anerkennung und ihre Bedeutung
Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind das 35. deutsche Ramsar-Feuchtgebiet. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte die Relevanz eines verbesserten Moorschutzes für den Erhalt der Artenvielfalt und den Klimaschutz. Sie hob hervor, dass die Rosenheimer Stammbeckenmoore ein Beispiel dafür seien, wie Moore in ihren natürlichen Zustand zurückgeführt und als Lebensräume für seltene Arten wiedergewonnen werden können. Die Ministerin verwies auf die Moorschutzstrategie der Bundesregierung, die sich in Erarbeitung befindet.
Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind ein weiteres gutes Beispiel, wie Moore in ihren natürlichen Zustand gebracht und damit als wichtige Lebensräume für seltene Arten wiedergewonnen werden können. Diese Moore gehören damit nun zur Riege der international bedeutsamen Feuchtgebiete – neben der französischen Camargue, dem einzigartigen Donaudelta in Rumänien und vielen mehr. Dadurch wird die Bedeutung dieses Alpenvorlandmoores gestärkt.
Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, unterstrich die wachsende Bedeutung des Schutzes, des nachhaltigen Managements und der Wiederherstellung von Mooren angesichts der Klimaerwärmung. Sie wies darauf hin, dass über 90 Prozent der Moorböden in Deutschland entwässert und land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Lebendige, naturnahe Hochmoore sind in Deutschland auf etwa ein Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung zurückgedrängt worden. Die erfolgreiche Wiedervernässung und Renaturierung großflächiger Hochmoorflächen in den Rosenheimer Stammbeckenmooren sei daher besonders erfreulich.
Renaturierungsmaßnahmen und Ökosystemleistungen
Bis 2005 wurde in den Rosenheimer Stammbeckenmooren großflächig Torf für Blumenerde abgebaut. Seitdem erfolgt der Torfabbau nur noch auf kleinen Flächen und im Einklang mit Naturschutzzielen für Heilzwecke. Mehrere Projekte, teilweise auf europäischer Ebene, zielten darauf ab, die Hochmoorflächen wieder zu vernässen und das Gebiet zu renaturieren. Die lokalen Gemeinden waren von Beginn an in den Ausweisungsprozess involviert. Bayerische Behörden und das Bundesamt für Naturschutz leisteten fachliche Unterstützung, während das Bundesumweltministerium den Prozess als zuständige Verwaltungsbehörde der Ramsar-Konvention förderte.
Moore speichern Wasser, verbessern die Wasserqualität und bieten Schutz vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen. Moore mit intaktem Wasserhaushalt tragen zur Kühlung in heißen Sommern bei und sind in naturnahem Zustand Lebensraum für spezialisierte Flora und Fauna. Als langfristige Kohlenstoffsenken leisten intakte Moore einen höheren Beitrag zum Klimaschutz als jedes andere Ökosystem in Deutschland. Die Entwässerung von Mooren für Landnutzung oder Infrastrukturentwicklung führt jedoch zum Verlust ihrer CO2-Speicherfunktion und zur Freisetzung erheblicher Mengen an Treibhausgasen.
Weltweit werden Anstrengungen unternommen, um Moore zu schützen. Die Ramsar-Konvention hat hierzu Leitfäden und technische Hilfestellungen erarbeitet, Resolutionen zum Moorschutz verabschiedet und neue Initiativen unterstützt.
Hintergrund: Ramsar-Konvention
Die Ramsar-Konvention wurde am 2. Februar 1971 in Ramsar, Iran, von 18 Vertragsstaaten unterzeichnet. Jährlich wird am 2. Februar der Weltfeuchtgebietstag begangen, um auf die Bedeutung von Feuchtgebieten und das völkerrechtliche Abkommen hinzuweisen. Die Konvention zählt mittlerweile 171 Mitgliedsstaaten. Bislang wurden weltweit 2415 „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“ ausgewiesen.
Der Schwerpunkt der Konvention hat sich im Laufe der Jahre vom anfänglichen Schutz von Wasser- und Watvögeln zu einem ganzheitlichen Schutz dieser Ökosysteme, der darin vorkommenden Arten und ihrer Ökosystemleistungen für die Bewohner der Regionen entwickelt. Mit der Ausweisung von Ramsar-Feuchtgebieten verpflichten sich die Mitgliedsländer, auch die übrigen Feuchtgebiete innerhalb ihrer Grenzen nachhaltig zu nutzen. Zudem sind die Vertragsstaaten zur internationalen Zusammenarbeit angehalten und müssen alle drei Jahre eine ausführliche Berichterstattung vorlegen.
Die Rosenheimer Stammbeckenmoore im Detail
Deutschland trat der Konvention im Jahr 1976 bei. Die Rosenheimer Stammbeckenmoore sind das 35. Ramsargebiet des Landes. Das Gebiet umfasst 1039 Hektar und ist Teil eines der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands (4300 Hektar). Es beherbergt bedrohte Feuchtlebensräume und ermöglicht das Vorkommen besonderer Tier- und Pflanzenarten.
Dazu gehören drei gefährdete Arten des Sonnentaus (Drosera), einer fleischfressenden Pflanze, sowie zahlreiche bedrohte Vogel-, Libellen-, Schmetterlings- und Heuschreckenarten. Aufgrund des Vorkommens von Schwarz-, Braun-, Blau- und Rotkehlchen wird das Gebiet auch als „Vierkehlchenland“ bezeichnet.
Mehrere Projekte, teilweise auf europäischer Ebene, widmen sich der Wiederherstellung des Gebiets. Im Rahmen eines LIFE-Natur Projekts wurde beispielsweise die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in 400 Hektar abgebauten und trockengelegten Hochmooren erreicht. Ein weiteres Moorrenaturierungsprojekt läuft derzeit unter dem Klimaprogramm Bayern 2050 Moore.