Anerkennung für den flämischen Lorbeer
Der „Vlaamse laurier“, ein Gartenbauprodukt mit langer flämischer Tradition, trägt seit dem 6. Mai 2015 das europäische Label der Geschützten geografischen Angabe (g.g.A.). Elf flämische Unternehmen widmen sich derzeit der Lorbeer-Erzeugung, zehn davon ausschließlich der Lorbeerproduktion. Der flämische Lorbeer genießt aufgrund seines Qualitätsstandards und seiner Kältetoleranz einen Ruf im In- und Ausland.
Die Bezeichnung „Vlaamse laurier“ ist durch diese Anerkennung im In- und Ausland geschützt. Nur Produkte, die in einem abgegrenzten geografischen Gebiet erzeugt wurden und die Auflagen der Spezifikation erfüllen, dürfen die Bezeichnung tragen. Die „Vlaamse Laurier Vereniging“, die Initiatorin des Antrags und in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, erhielt damit eine Anerkennung.
Der flämische Lorbeer ist nach der „Gentse Azalea“ (2010) und der ungarischen Rose „Szőregi rózsatő“ (2012) das dritte Gartenbau-Erzeugnis mit g.g.A.-Label.
Eigenschaften des „Vlaamse laurier“
Der mindestens fünf Jahre alte flämische Lorbeer wird im Topf kultiviert und zeichnet sich durch Formschnitt, Stamm und grüne Blätter aus. Er wird in den Verwaltungsbezirken Brügge, Gent, Eeklo, Roeselare und Tielt angebaut. Die Stecklingsvermehrung gewährleistet einheitliches Material und minimiert morphologische Abweichungen innerhalb einer Partie. Die Auswahl der Mutterpflanzen trägt zur Qualität bei.
Neben der Vermehrungstechnik ist der Formschnitt kennzeichnend für die flämische Lorbeer-Kultur. Durch konsequentes Schneiden werden symmetrische Formen wie Pyramiden, Kugeln und Säulen erzielt. Die elf Lorbeerbetriebe, die von der Auszeichnung profitieren, vermarkten jährlich 105.000 Lorbeeren. 90 Prozent der Erzeugung werden exportiert, hauptsächlich nach Russland, das Vereinigte Königreich und erdölreiche Staaten.
Die Pflanzen werden in kälteren flämischen Regionen erzeugt, was dem „Vlaamse laurier“ eine höhere Kältetoleranz verleiht als seinen südlichen Artgenossen. Dies ist ein Vorteil in kälterem Klima.
Historische Entwicklung der flämischen Lorbeerkultur
Die flämische Lorbeerkultur wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Das „Cruydeboeck“ von Rembert Dodoens aus dem Jahr 1554 hob die Eigenschaften des Lorbeers hervor. Bereits 1581 beschrieb das „Kruydtboeck“ von Mathiass De Lobel die Kältetoleranz des Lorbeers aus der Region Brügge und die Vermehrung durch Stecklinge.
Im 19. Jahrhundert gewann der Laurus nobilis an Beliebtheit, und erste familiäre Lorbeerbetriebe entstanden. In den 1950er Jahren nahm der Export an Bedeutung zu.
Einsatzbereiche des „Vlaamse laurier“
Der flämische Lorbeer besitzt einen hohen Dekorationswert und wird häufig im Pflanzenverleih eingesetzt. Er findet Verwendung auf Messen, Ausstellungen, Hochzeiten und festlichen Anlässen im In- und Ausland.
- 900 flämische Lorbeeren waren bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland im Einsatz.
- In Amsterdam wurde ein Labyrinth aus flämischem Lorbeer von Tommy Hilfiger angelegt.
- Flämischer Lorbeer wurde bei Hochzeiten eingesetzt, darunter die von Louis Vuitton Moët Hennessy in Chateau d’Yquem und Lakshmi Mittal in Vaux-le-Vicomte. Auch bei den Hochzeiten der belgischen Königlichen Hoheiten, Prinz Filip und Prinzessin Mathilde sowie Prinz Laurent, war er präsent.
- Der „Vlaamse laurier“ schmückt Königspaläste und Adressen wie die Königshäuser in Dänemark und Belgien, die Boutique Cartier in St. Petersburg, das Auktionshaus Christies in Paris sowie das Privatanwesen der Sängerin Madonna in Großbritannien.
- Auf der Weltgartenbauausstellung „Floriade 2012“ in den Niederlanden wurde die Dachterrasse des Belgischen Pavillons mit flämischem Lorbeer bestückt. Ein von Daniël Ost kreierter Lorbeergarten auf dem Marktplatz in Brügge zog 80.000 Besucher an.
- Im Rahmen der g.g.A.-Antragstellung wurde der Grote Markt mit „Vlaamse laurier“ gestaltet.
Flämische Regionalerzeugnisse mit Ursprungsbezeichnung
Der „Vlaamse laurier“ ist das achte flämische Produkt mit g.g.A.-Anerkennung. Zuvor erhielten diese Auszeichnung der Brüsseler Chicorée aus dem Freilandanbau, die Tafeltraube aus der Provinz Flämisch-Brabant, die „Geraardsbergse Mattentaarten“, die „Poperingse hopscheuten“, die Gentze Azalee, die „Lierse Vlaaike“ sowie das „Potjesvlees uit de Westhoek“.
Die Geuze- und Kriekbiere, die alten Geuze- und Kriekbiere sowie das Faro-Bier wurden als „Garantierte traditionelle Spezialität“ anerkannt. Zudem tragen fünf Weinsorten und acht Spirituosen die geschützte geografische Ursprungskennzeichnung: Heuvellandse wijn, Hagelandse wijn, Haspengouwse wijn, Vlaamse mousserende wijn, Vlaamse landwijn, Jenever, Graanjenever, Jonge jenever, Oude jenever, Hasseltse jenever, Balegemse jenever, O’de Flander-Oost-Vlaamse Graanjenever und Vruchtenjenever.
Weitere flämische Produzentenvereinigungen bereiten derzeit Anträge für ihre Produkte vor.
