Forschung sucht resistente Exemplare gegen neue Bedrohung der Ulmenart
Mit der Wahl zur „Baum des Jahres“ rückt die Flatterulme (Ulmus laevis) verstärkt in den Fokus von Forschung und Praxis. Die seltene heimische Baumart gilt als widerstandsfähig, steht jedoch zunehmend unter Druck durch neue Krankheitserreger und veränderte Standortbedingungen.
Ein aktuelles Forschungsprojekt unter Koordination der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und Beteiligung des Thünen-Instituts für Forstgenetik untersucht die Ausbreitung der sogenannten Ulmenvergilbung und die Widerstandsfähigkeit einzelner Bestände.
Seltene Baumart mit besonderen Standortansprüchen
Die Flatterulme ist eine vergleichsweise seltene Baumart in Deutschland. Sie wächst bevorzugt in warmen Tieflagen und ist vor allem an nasse Standorte wie Seeufer oder Hartholzauen gebunden.
Eine Besonderheit ist ihre hohe Überflutungstoleranz: Bis zu vier Monate kann sie sommerliche Hochwasser überstehen. Zudem bildet sie als einzige europäische Baumart sogenannte Brettwurzeln aus, die Stabilität und Sauerstoffversorgung im Wurzelbereich verbessern.
Durch Landschaftsentwässerung und den Rückgang geeigneter Standorte wurde die Verbreitung der Flatterulme in den vergangenen Jahrzehnten stark eingeschränkt.
Neue Bedrohung durch Ulmenvergilbung
Aktuell stellt die Ulmenvergilbung eine wachsende Gefahr dar. Verursacht wird die Krankheit durch das Bakterium „Candidatus Phytoplasma ulmi“, das über Insekten übertragen wird. In Nordamerika führte die Erkrankung bereits zu erheblichen Bestandsverlusten.
Untersuchungen zeigen, dass der Erreger inzwischen auch in Deutschland verbreitet ist. Bei einer Analyse von 1.429 Flatterulmen wurde das Pathogen in 607 Bäumen nachgewiesen.
Typische Symptome wie Vergilbung, Triebstauchung oder Nekrosen konnten bislang jedoch kaum festgestellt werden, was auf eine mögliche Widerstandsfähigkeit der Art hindeutet.
Überlebenskünstlerin mit Forschungspotenzial
Bereits beim historischen Ulmensterben zeigte sich die Flatterulme robuster als andere Ulmenarten. Ihre Rindenstruktur macht sie für den Überträger des Erregers weniger attraktiv, wodurch Infektionen seltener auftreten.
Ziel der aktuellen Forschung ist es, besonders resistente Exemplare zu identifizieren. Diese könnten langfristig eine wichtige Grundlage für den Erhalt der Art bilden.
Die gewonnenen Daten liefern zudem eine fundierte Basis für Maßnahmen im Garten- und Landschaftsbau sowie in der Forstpraxis, um Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Strategien zum Schutz heimischer Baumarten zu entwickeln.

