Aus- und Weiterbildung

FLL-Verkehrssicherheitstage 2013: Bäume und Spielgeräte im Fokus

Die dritten FLL-Verkehrssicherheitstage in Berlin beleuchteten vom 13. bis 15. November 2013 aktuelle Themen der Verkehrssicherung, insbesondere bei Bäumen und Spielgeräten. Rund 360 Teilnehmer informierten sich über rechtliche Aspekte, Artenschutz und Qualitätskontrolle von Baumbeständen sowie die Sicherheit auf Spielplätzen.

Fokus auf rechtliche Aspekte und Artenschutz bei Bäumen

Die dritten FLL-Verkehrssicherheitstage fanden vom 13. bis 15. November 2013 an der Beuth Hochschule Berlin statt. Rund 360 Teilnehmer informierten sich über aktuelle Themen im Bereich der Verkehrssicherung, insbesondere bei Bäumen und Spielgeräten. Die Veranstaltung, die sich laut FLL-Geschäftsführer Jürgen Rohrbach bereits als Tradition etabliert hat, wurde in Kooperation mit der Beuth Hochschule Berlin und der Unterstützung von zehn Firmen als Werbepartner durchgeführt.

Rechtliche Aspekte der Baumkontrolle und Artenschutz

Ein zentrales Thema war die rechtliche Verantwortung von Baumkontrolleuren. Dr. Peter Itzel, Vorsitzender Richter am OLG Koblenz, beleuchtete detailliert die Einordnung der Baumkontrolle als hoheitliche oder privatrechtliche Aufgabe und deren Auswirkungen auf Haftungsfragen. Er ging zudem auf die inhaltlichen und zeitlichen Pflichten von Baumkontrolleuren bei der Gefahrenerkennung und nach Schadenseintritt ein.

Die Bedeutung des Arten- und Naturschutzes bei Baumpflege und Baumkontrolle wurde in mehreren Vorträgen hervorgehoben. Frank Sporzecki vom Umwelt- und Naturschutzamt Marzahn-Hellersdorf schilderte die Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbehörden und Baumpflegepraxis. Er betonte, dass Konflikte oft im Vorfeld durch Kommunikation und individuelle Lösungen geklärt werden können, um Beeinträchtigungen geschützter Arten zu minimieren.

Till Hopf vom NABU Berlin gab Hinweise zur Beachtung des Artenschutzes. Er wies darauf hin, dass der Schutz nicht nur die Tiere selbst, sondern auch ihre Fortpflanzungs-, Brut- und Ruhestätten umfasst, deren Identifizierung aufwendig sein kann. Marko Wäldchen, ö.b.v. Sachverständiger, zeigte anhand von Beispielen, wie Baumerhaltungsmaßnahmen und Artenschutz im Einklang mit der Verkehrssicherheit umgesetzt werden können. Er betonte, dass die Belange des Artenschutzes und der Verkehrssicherungspflichten sich in der Regel nicht ausschließen, sondern miteinander verknüpfbar sind.

Qualität und Kontrolle von Baumbeständen

Roland Wirtz vom SaarForst Landesbetrieb thematisierte den Erhalt von Totholzinseln unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit. Er stellte die „3-Säulen-Strategie“ des SaarForst Landesbetriebs vor, die darauf abzielt, die biologische Vielfalt in Waldökosystemen zu sichern und zu entwickeln.

Roland Stania von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt sprach über die Kontrolle und Dokumentation von flächigen, waldartigen Gehölzbeständen. Er plädierte für regelmäßige Pflegemaßnahmen, um eine sachgerechte Beurteilung von Einzelbäumen zu ermöglichen. Norbert Bösken von Grün und Gruga Essen gab einen Überblick über die Verkehrssicherungspflichten öffentlicher Waldbesitzer. Er typisierte Gefahrenquellen und leitete daraus betrieblich spezifizierte Kontrollintervalle ab.

Digitales Baumkataster und aktuelle Rechtsprechung

Am zweiten Tag moderierte FLL-Präsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens die Vormittagsveranstaltung. Monique Bergmann vom AK Stadtbäume der GALK stellte den GALK-Leitfaden für den Aufbau und die Fortschreibung eines digitalen Baumkatasters vor. Sie erläuterte die Motivationen von Kommunen für die Anschaffung solcher Systeme, die eine lückenlose Dokumentation und Transparenz der Arbeitsabläufe ermöglichen.

Armin Braun von der GVV-Kommunalversicherung gab einen Überblick über die aktuelle Rechtsprechung zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen. Seine Ausführungen führten zu einer angeregten Diskussion unter den Teilnehmern. Reinhold Janssen von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt sowie Martin Küpper von der Bundesanstalt für Gewässerkunde präsentierten einen neuen Leitfaden für Baumkontrollen an Bundeswasserstraßen, der Win-Win-Effekte zwischen Verkehrssicherheit und Naturschutz aufzeigt.

Schädlinge, Baumkrankheiten und Nadelbäume

Gernot Fischer von der Stadt Marl widmete sich in zwei Vorträgen Schädlingen und Baumkrankheiten im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit. Er gab Hinweise zur Behandlung und Vorbeugung des Eichenprozessionsspinners, dessen Brennhaare gesundheitliche Probleme verursachen können. Zudem beleuchtete er die Bedeutung von Komplexerkrankungen der Rosskastanie für die Verkehrssicherheit, die oft die Fällung betroffener Bäume erfordern.

Lutz Wittich von den Berliner Forsten schilderte Besonderheiten bei der Baumkontrolle von Nadelbäumen, insbesondere Kiefern. Er wies auf die ganzjährig vorhandene Hebelwirkung der Nadelbäume hin, die bei Wind, Regen und Schnee besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Verkehrssicherheit auf Spielplätzen und Sportanlagen

Der Abschluss des zweiten Tages und der Beginn des dritten Tages konzentrierten sich auf die Verkehrssicherheit auf Spielplätzen und spielplatznahen Sportanlagen. Dr. Jürgen Kutscheidt, Sachverständiger aus Krefeld, beschrieb besondere Anforderungen an Baumkontrollen auf Spielplätzen, Sportplätzen und in Kindertagesstätten. Er betonte die Notwendigkeit, Gefahrenpotenziale einzuschätzen und gleichzeitig Kindern den Umgang mit Gefahren zu ermöglichen.

Mario Ladu, ö.b.v. Sachverständiger von der Spielplatzmobil GmbH, ging auf Fehler bei der Spielplatzplanung ein, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können. Er zeigte anhand von Beispielen, wie die Einhaltung von Mindestanforderungen bei Bauabnahmen kritisch sein kann. Friedrich Blume von der DEULA-Westfalen-Lippe GmbH stellte die gültige Normung und rechtlichen Grundlagen für Spielplatzprüfer nach DIN Spec 79161 vor. Mario Ladu erläuterte in einem weiteren Vortrag, dass auch GS-geprüfte Spielgeräte nicht immer normgerecht sein müssen und versteckte Gefahren bergen können.

Jürgen Schroer vom Jugendamt Essen berichtete über den Erfolg von Spielplatzpatenschaften, die durch bürgerschaftliches Engagement und öffentliche Verantwortung sichere und anregungsreiche Spielflächen kostengünstig erhalten. Ernst Stösser, ehemaliger Leiter des Grünflächenamtes Regensburg, zeigte auf, wie die Verwendung falscher Pflanzen auf Spielplätzen Gefahren verursachen kann und wie eine gute Pflanzenplanung die Verkehrssicherheit gewährleistet.

Jutta Katthage von der Hochschule Osnabrück befasste sich mit der Verkehrssicherheit auf spielplatznahen Sportanlagen wie Bolzplätzen, Basketball- und Skateanlagen. Sie erläuterte die sicherheitstechnischen Anforderungen von Normen und Richtlinien und die Überprüfung dieser Anlagen.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmern spannende Informationen und betonte die Bedeutung einer sachgemäßen Baumpflege und -kontrolle. Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren positiv, insbesondere der Austausch untereinander wurde als wertvoll hervorgehoben. Die nächsten FLL-Verkehrssicherheitstage sind für den 11. bis 13. November geplant.

04.12.2013

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