Verbände fordern verstärkte Maßnahmen für Wildtiere und Autofahrer
Jedes Jahr verunglücken hunderttausende Wildtiere auf deutschen Straßen. Diese Wildunfälle stellen auch für Autofahrer ein erhebliches Risiko dar. Gleichzeitig beeinträchtigen die Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen die biologische Vielfalt in Deutschland. Der ADAC, der Deutsche Jagdverband, der Naturschutzbund (NABU) und der WWF Deutschland begrüßen daher das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgestellte „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ als notwendige Grundlage.
Gleichzeitig kritisieren die Verbände die schleppende Umsetzung des 2012 beschlossenen Bundesprogramms Wiedervernetzung sowie eines bundesweiten Biotopverbunds. Als Gründe werden eine unzureichende Finanzierung und fehlende bundesweite Planungsgrundlagen sowie Umsetzungsstrategien genannt.
Forderungen der Verbände
In einem gemeinsamen Papier fordern die Verbände Bund und Länder auf, ihre Anstrengungen zur Umsetzung von Wiedervernetzung und Biotopverbund zu verstärken. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle mit Wildtieren jährlich um fünf Prozent zu reduzieren, um auch den Menschen zu schützen. Hierfür sind geeignete Maßnahmen wie Querungshilfen, Wildwarnanlagen oder Zäunungen erforderlich.
Zudem sollte ab sofort mindestens ein Prozent der Investitionen in Bundesfernstraßen für Maßnahmen zur Wiedervernetzung von Lebensräumen an bestehenden Bundesautobahnen und Bundesfernstraßen verwendet werden. Bis zum Jahr 2027 sollen so die 93 wichtigsten Wiedervernetzungsabschnitte aus dem Bundesprogramm realisiert werden.
Bundesnetzplan Biotopverbund und Flächensicherung
Für den dauerhaften Ausbau und Erhalt Grüner Infrastruktur fordern die Verbände einen „Bundesnetzplan Biotopverbund“. Dieser soll eine länderübergreifende Vernetzung von Lebensräumen gewährleisten. Als fester Bestandteil der Raumplanung wären auf diese Weise wichtige Achsen und überlebenswichtige Kernflächen des Biotopverbundsystems dauerhaft gesichert. Besonderer Wert ist dabei auf die bestmögliche Einbindung von Wildbrücken und anderen Querungshilfen in das Netz der Natur zu legen.
Ein zentrales Problem stellt die intensive Landnutzung und die damit verbundene Verfügbarkeit von Flächen für den Naturschutz dar. Die Verbände fordern von der öffentlichen Hand, den Verkauf wichtiger Flächen aus ihrem Besitz einzustellen und diese für die Umsetzung des länderübergreifenden Biotopverbundes bereitzuhalten. Insbesondere in der Agrarlandschaft müssten ausreichend Trittstein- und Vernetzungslebensräume wie Waldinseln, Feuchtgebiete oder Hecken geschaffen werden. Hier ist auch die Agrarpolitik gefordert.
Die Tagung „Lebensraumkorridore für Mensch und Natur“ am 27. März 2017 in der Berliner Landesvertretung von Baden-Württemberg befasst sich ebenfalls mit der Thematik der Wiedervernetzung und stellt Praxisbeispiele vor.
