ZinCo und der Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Dialog
Der Dachbegrünungshersteller ZinCo engagiert sich seit 15 Jahren für die regionale Biodiversität auf Dächern. Dieses Engagement zeigt, dass der Erhalt des Artenreichtums gebietsheimischer Fauna und Flora nicht nur am Boden, sondern auch auf Dachflächen möglich ist. Das Thema stieß auf großes Interesse beim Arbeitskreis Pflanzenverwendung im Bund deutscher Staudengärtner (BdS) unter der Leitung von Prof. Cassian Schmidt. Der Arbeitskreis veranstaltete seine diesjährige dreitägige Sitzung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) und schloss diese mit einem Besuch der ZinCo-Gründächer in Nürtingen sowie des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb ab.
Der Arbeitskreis Pflanzenverwendung, bestehend aus rund 80 Mitgliedern aus Staudengärtnereien, Hochschulen, Versuchsanstalten, Grünflächenämtern und der Landschaftsarchitektur, fördert den Austausch zwischen Forschung und Praxis. Ziel ist die verstärkte Verwendung von Stauden im öffentlichen und privaten Grün. Durch die Zusammenführung von Fachkompetenz und Erfahrungen entstehen Leitlinien und Empfehlungen, die Grünflächenämtern, Planungsbüros, Ausführungsbetrieben und interessierten Laien zugänglich gemacht werden. Prof. Cassian Schmidt von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (THOWL) betonte während des Besuchs der ZinCo-Gründächer:
Gebietsheimische Biodiversität ist ein wichtiges Zukunftsthema und deshalb ist so interessant, was sich da auf Dächern realisieren lässt.
Referenzprojekte für regionaltypische Vegetation
ZinCo kann mehrere internationale und nationale Referenzobjekte vorweisen. Ein Beispiel ist das Projekt mit der norwegischen Möbelfabrik ThePlus und dem Architekturbüro BIG (2022). Dort wurden zuvor abgetragene Waldsoden sowie vor Ort gesammelte und kultivierte Stecklinge auf die Gründächer aufgebracht. In Deutschland ist die Firma Lütvogt im niedersächsischen Wagenfeld ein wegweisendes Beispiel (2019). Auf deren Hallendach wächst der für die Region typische niedersächsische Sandtrockenrasen, der als gebietseigenes Saatgut und samenhaltiges Rechgut ausgebracht wurde.
Bereits 2011 experimentierte ZinCo auf den Gründächern des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb. Die Erweiterungsbauten erhielten auf Basis des ZinCo-Systemaufbaus mit Floradrain FD 40 ein Substratgemisch aus regionalem Kalkschotter und humosem Mutterboden. Als Vorbild für die Dachbegrünungen diente der Kalkmagerrasen, der für die nährstoffarmen, kalkreichen und flachgründigen Hanglagen der Schwäbischen Alb charakteristisch ist.
Ökologisches Konzept am Naturschutzzentrum
Der Umbau des Naturschutzzentrums wurde von den Architekten Dolde+Müller Partner und den Landschaftsarchitekten BHM Planungsgesellschaft mbH als ökologisches Aushängeschild konzipiert. Die Fassade des Anbaus besteht aus Gabionen, die mit Weißjuraschotter aus der Umgebung gefüllt sind und Kleintieren als Lebensraum dienen. Die Dachbegrünungen umfassen die Schrägdachfläche des Anbaus mit 7 cm Substrat und eine Fläche auf dem Zwischenbau mit 20–25 cm Substrat.
Die autochthonen Ansaaten erfolgten substrathöhenabhängig gemäß den Artenlisten der Landschaftsarchitekten. Sie enthielten unter anderem Echium Vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Verbascum densiflorum (Großblütige Königskerze), Centaurea scabiosa (Skabiosen Flockenblume) und Pimpinella saxifraga (Kleine Bibernelle).
Dieter Schenk, Geschäftsführer von ZinCo, merkte an:
Die ersten Jahre entwickelten sich diese Ansaaten gut, im Verlauf der Jahre ist die Vegetation aufgrund geringer Pflege verwildert und hat sich auch umgebildet. Vor allem das dünnschichtigere Schrägdach ist heute geprägt von Sedum, das zwar nicht in der ursprünglichen Ansaat enthalten war, aber natürlich auch gebietsheimisch ist und z.B. vom nahegelegenen Steinbruch einwanderte. Eine Bewässerung wie beim Projekt Wagenfeld hätte sicher dazu geführt, dass die ursprüngliche Vegetation besser durchhält.
Synergien zwischen Forschung und Praxis
Der Austausch zwischen Wissenschaftlern, Pflanzenexperten und einem erfahrenen Dachbegrünungshersteller wie ZinCo erweist sich für beide Seiten als vorteilhaft. Es entstanden spontan Ideen für neue Projekte. Prof. Cassian Schmidt hob hervor:
Die ZinCo-Technik – nämlich der Wasserrückhalt in Retentions-Spacern mit Dochtvlies unterhalb einer Dachbegrünung – ist ideal für die Pflanzenversorgung. Das entspricht genau der Meyer-Methode, ein Verfahren zur Wasserstandsregelung für Pflanzflächen basierend auf der Idee, dass Pflanzen sich das nötige Wasser aus einem darunterliegenden Wasserspeicher durch Kapillarität selbst holen können, ohne dass ständig bewässert werden muss.
Ein vielversprechender Aspekt für die Zukunft ist die Information von Dr.-Ing. Beate Hüttenmoser, Betriebsleiterin der Lehr- und Versuchsgärten Braike/Tachenhausen der HfWU Nürtingen-Geislingen. Sie berichtete von der Entwicklung einer Orchideenkolonie auf den ersten Versuchsaufbauten der Dachbegrünung, die ZinCo in den 1980er Jahren in Kooperation mit der Hochschule ausführte. Diese Kolonie entstand nach etwa 30 Jahren.
Alle Beteiligten verfolgen das Ziel, Pflanzen auch auf dem exponierten Standort Dach optimale Lebensbedingungen zu bieten. Im Idealfall entsteht eine hohe Pflanzenvielfalt, die, wenn sie gebietseigen ist, der heimischen Insektenwelt ideale Lebensräume und ein reiches Nahrungsangebot bietet.
