Naturschutz

Der sandig-lehmige Tieflandfluss: Ein Gewässertyp im Fokus

Viele deutsche Tieflandflüsse wie Lippe, Ems und Spree sind sandig-lehmige Gewässer, die 2012 zum Gewässertyp des Jahres ernannt wurden. Ihre Umweltsituation ist problematisch und erfordert umfassende Verbesserungsmaßnahmen, da nur wenige Abschnitte als "gut" bewertet werden.

Probleme und Herausforderungen der Tieflandflüsse

Die Umweltsituation zahlreicher deutscher Tieflandflüsse ist problematisch. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Lippe, Ems, Aller, Alster, Trave, Elde und Spree. Diese Flüsse gehören zum Typ der sandig-lehmigen Tieflandflüsse, der 2012 zum Gewässertyp des Jahres ernannt wurde.

Umfangreiche Verbesserungsmaßnahmen sind für diese Gewässer notwendig. Lediglich etwa zwei Prozent der Gewässerstrecken dieses Typs werden als "gut" bewertet, während 22 Prozent als "schlecht" eingestuft sind. Nur wenige dieser Strecken werden bis 2015 einen guten Zustand erreichen. Die Flüsse benötigen mehr Fläche und eine Reduzierung des Nährstoffeintrags. Für Fische ist die Durchgängigkeit von Wehren entscheidend.

Die weiten Täler der sandig-lehmigen Tieflandflüsse wurden vom Menschen bevorzugt für Landwirtschaft und Siedlungen genutzt. Zur Entwässerung wurden die Flüsse begradigt, vertieft und aufgestaut. Aller, Ems und Spree sind zu Schifffahrtsstraßen umgestaltet worden. Fast alle Strecken sind zudem eingedeicht, wodurch Überflutungsflächen und die Verbindung von Fluss und Aue verloren gingen. Der ursprüngliche Uferwald ist oft nicht mehr vorhanden oder auf einen schmalen Gehölzsaum reduziert. Nährstoffe und Pestizide können von den Äckern ungehindert in die Flüsse gelangen.

Herausforderungen und Maßnahmen

Diese Bedingungen führen dazu, dass das Ziel der EG-Wasserrahmenrichtlinie – der gute ökologische Zustand – auf fast allen Strecken sandig-lehmiger Tieflandflüsse derzeit nicht erreicht werden kann. Aktuell werden 21 Prozent dieser Strecken als "mäßig", 55 Prozent als "unbefriedigend" und 22 Prozent als "schlecht" bewertet.

Viele Tieflandflüsse brauchen wieder mehr Fläche. Dann können sich dort naturnahe Lebensräume ausbilden. Wehre, Schleusen und Wasserkraftanlagen sind mittels Fischtreppen, Fischschutz und Fischabstiegshilfen ökologisch durchgängig zu machen. Das hilft Wanderfischen, wie Lachs, Aal und Barbe.

Insbesondere bei den sandig-lehmigen Tieflandflüssen muss der Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden aus der Landwirtschaft verringert werden. Zudem ist der Erhalt der noch intakten Gewässerabschnitte von Bedeutung.

Rund 5.130 Kilometer der insgesamt 127.000 Kilometer Fließgewässerstrecke in Deutschland sind sandig-lehmige Tieflandflüsse. Gewässer dieses Typs sind charakteristisch für die eiszeitlich geprägte norddeutsche Tiefebene. In sandigen Gebieten fließen sie in flachen Mulden- oder breiten Sohlentälern, wo sich Prall- und Gleithänge bilden. Fließen sie durch Gebiete mit höheren Anteilen von Auelehm, sind ihre Täler tief und kastenförmig. Diese Lebensräume wären ideal für Eisvogel, Steinbeißer, Wasserstern, die gebänderte Prachtlibelle und die Flussmuschel, sofern die Flüsse naturnah wären.

23.03.2012

Zurück