Hintergrund und Verhandlungen zur globalen Biodiversitätsstrategie
In Montreal, Kanada, hat der zweite Teil der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD COP 15) begonnen. Regierungsvertreter aus 196 Staaten verhandeln über Ziele, die bis 2030 und langfristig bis 2050 erreicht werden sollen, um dem Artenaussterben und der Zerstörung der Natur entgegenzuwirken und deren Wiederherstellung zu fördern.
Die Konferenz steht vor der Aufgabe, ambitionierte und messbare Ziele für Schutz, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt zu verabschieden. Gleichzeitig muss die Umsetzung dieser Ziele, einschließlich einer angemessenen Finanzierung, fest verankert werden.
Heute beginnt die Weltnaturkonferenz in Montreal und damit starten wichtige Verhandlungen mit dem Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Erfolgreiche Verhandlungen sind umso dringender, denn das weltweite Artenaussterben findet heute in einem so rasanten Tempo statt wie im Schnitt der letzten 10 Millionen Jahre nicht. Wird eine Art ausgelöscht, ist das unumkehrbar und reißt ein Loch in das Netz des Lebens, das auch uns Menschen trägt – und wir wissen nicht, wie lange es noch tragfähig ist. Wir Menschen sind auf eine gesunde Natur und ihre ökologischen Funktionen angewiesen. Umwelt- und Naturschutz sind kein Luxus. Es geht um unser aller Lebensgrundlagen, jetzt und in Zukunft, deshalb muss der Schutz der biologischen Vielfalt in allen relevanten Politik- und Wirtschaftsbereichen zum Maßstab werden. Dafür müssen auf der Weltnaturkonferenz ambitionierte Vereinbarungen getroffen werden. Wir müssen schnell ins Handeln kommen.
Mit dem angestrebten „Global Biodiversity Framework“ (GBF) soll den Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes begegnet werden. Diese wurden 2019 vom Weltbiodiversitätsrat identifiziert und umfassen die veränderte Nutzung von Land und Meeren, die Ausbeutung der Natur, die Klimakrise, die Ausbreitung invasiver Arten sowie die Umweltverschmutzung. Das neue Abkommen soll einen Wandel einleiten, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und eine Trendumkehr zu erreichen.
Ein vorgeschlagenes Ziel ist das 30x30 Schutzgebietsziel, das vorsieht, bis 2030 jeweils mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Weitere Ziele umfassen die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme, die Reduktion der Umweltverschmutzung, eine nachhaltige Naturnutzung und naturbasierte Lösungen für den Klimaschutz.
Für eine konsequente Umsetzung sind ambitionierte und messbare Ziele, effektive Umsetzungsmechanismen, eine regelmäßige und transparente Überprüfung sowie eine angemessene Finanzierung erforderlich. Deutschland hat angekündigt, seine internationale Biodiversitätsfinanzierung zu verdoppeln und ab spätestens 2025 jährlich 1,5 Milliarden Euro für die weltweite biologische Vielfalt bereitzustellen. Dies entspricht einer Verdopplung der durchschnittlichen Investitionen von rund 750 Millionen Euro in den Jahren 2017 bis 2021.
Für die nationale Umsetzung in Deutschland wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt überarbeitet und mit konkreten Maßnahmen unterlegt.
Das Verhandlungsmandat für die EU und ihre Mitgliedstaaten wurde in den Ratsschlussfolgerungen vom Oktober 2024 festgelegt. Die Verhandlungen in Montreal werden von der tschechischen Ratspräsidentschaft gemeinsam mit der Europäischen Union geführt, unterstützt durch die Mitgliedstaaten. Die deutsche Delegation wird von Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke geleitet. Während des hochrangigen Segments vom 15. bis 17. Dezember wird sie von BMUV-Staatssekretär Stefan Tidow und BMZ-Staatssekretär Jochen Flasbarth begleitet. Auf Arbeitsebene nehmen auch Vertreter des BMEL, BMBF, AA und BMF an der Konferenz teil, teilweise virtuell.
Die Weltnaturkonferenz umfasst drei parallele Verhandlungssegmente. Die CBD COP 15 konzentriert sich hauptsächlich auf die neue globale Vereinbarung. Zusätzlich werden thematische Beschlüsse zu Biodiversität und Klimawandel, Biodiversität und Landwirtschaft, Meeres- und Küstenbiodiversität sowie zu digitalen Sequenzinformationen genetischer Ressourcen diskutiert.
Parallel zur CBD COP 15 finden in Montreal die Treffen der Vertragsparteien zu den beiden zugehörigen Protokollen der CBD statt: das 10. Treffen zum Cartagena-Protokoll zur biologischen Sicherheit (COP-MOP 10) und das 4. Treffen zum Nagoya-Protokoll über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile (COP-MOP 4).
Die neue Vereinbarung für biologische Vielfalt löst den Strategischen Plan von Aichi ab, der die Ziele für den Erhalt der biologischen Vielfalt für den Zeitraum 2011 bis 2020 definierte. Die ursprünglich für Oktober 2020 in Kunming, China, geplante Konferenz wurde aufgrund der Corona-Pandemie mehrfach verschoben. Ein erster, politischer Teil fand im Herbst 2021 statt. Kanada hat als Sitzstaat des CBD-Sekretariats die Ausrichtung der Konferenz unter chinesischer Präsidentschaft übernommen.
