Risiken glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die Artenvielfalt
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat ein Positionspapier veröffentlicht, das die Risiken glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die biologische Vielfalt beleuchtet. Angesichts der bevorstehenden Debatten im Bundestag und Bundesrat zur nationalen Regulierung nach der europäischen Wiederzulassung von Glyphosat, empfiehlt das BfN ein schnelles Ende der Anwendung in Deutschland.
Der Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln hat, das belegen die von uns ausgewerteten wissenschaftlichen Studien, erhebliche negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Das trifft auch für die in Deutschland derzeit zugelassenen Anwendungen zu. Hier sind insbesondere indirekte Auswirkungen auf die Vielfalt und Dichte von Arten zu befürchten und diese können zum Beispiel den Insektenrückgang noch verstärken. Deshalb ist es unumgänglich, die biologische Vielfalt insbesondere in der Agrarlandschaft deutlich besser als bislang vor solchen Auswirkungen zu schützen.
Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Das Positionspapier soll einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten.
Direkte und indirekte Auswirkungen auf die Biodiversität
Glyphosat gilt als der weltweit am häufigsten verwendete Herbizidwirkstoff. Das BfN weist auf hohe Risiken für die biologische Vielfalt hin, die sowohl direkte toxische als auch indirekte Effekte auf sogenannte Nichtzielarten umfassen. Direkte Auswirkungen auf die Flora zeigen sich beispielsweise bei gefährdeten Ackerwildkrautarten. In Gewässern und Feuchtgebieten wurden direkte Auswirkungen auf die Tierwelt, insbesondere Amphibien, nachgewiesen.
Gravierender sind laut wissenschaftlichen Studien die indirekten Auswirkungen: Die großflächige Beseitigung der Ackerbegleitflora führt in ausgeräumten Agrarlandschaften zu einer Verknappung der Nahrung für blütenbesuchende und auf Wildkräuter spezialisierte Insekten. Die zunehmende Intensivierung der Agrarlandschaften und damit verbundene steigende Herbizid-Anwendungen werden als wesentliche Ursachen für den massiven Insektenrückgang genannt.
Veränderungen in den Nahrungs- oder Lebensraumbedingungen von Insekten und Regenwürmern wirken sich auf die Nahrungsnetze aus und können zu Rückgängen bei Vögeln und Kleinsäugern führen. Eine klare Beziehung zwischen dem Rückgang des Rebhuhns und dem Einsatz von Breitband-Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat ist belegt. Ähnliche Nahrungsnetzeffekte wurden in Nord- und Südamerika beobachtet, wo der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mit Glyphosat-Resistenz eine intensive Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel bedingt.
Empfehlungen für den Schutz der biologischen Vielfalt
Das BfN empfiehlt, indirekte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt bei der Wirkstoffprüfung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stärker zu berücksichtigen. Nationale Mittelzulassungen sollten gegebenenfalls mit Auflagen versehen werden, um negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt effektiv zu mindern. Dies gilt auch für herbizidresistente gentechnische Organismen, bei denen die Anwendung des jeweiligen Herbizids im Rahmen des Gentechnikrechts geprüft werden sollte.
Als Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt empfiehlt das BfN, die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen oder zu schaffen, um den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel schnell zu beenden und bis dahin maximal zu beschränken. Zudem sollten ökonomische Instrumente, wie eine Pflanzenschutzmittelabgabe, geprüft werden.
Für die anstehenden Zulassungen glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel für die landwirtschaftliche Anwendung in Deutschland spricht sich das BfN dafür aus, deren Einsatz an die Bedingung zu knüpfen, dass Betriebe einen Mindestanteil an Fläche mit ökologischer Ausgleichsfunktion ohne entsprechenden Herbizideinsatz aufweisen. Weiterhin empfiehlt das BfN, den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel in Schutzgebieten wie Natura-2000-Gebieten, Nationalparken, Naturschutzgebieten, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten sowie in Wasserschutzgebieten und Gewässerrandstreifen über die bestehenden Vorschriften hinaus so weit und so schnell wie möglich zu verbieten.
Das Positionspapier „Auswirkungen von Glyphosat auf die Biodiversität“ ist auf der BfN-Website verfügbar.
