Landschaftspflegematerial als nachhaltige Biomassequelle
Die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial (LPM) wurde im europäischen Projekt greenGain von 2015 bis 2017 untersucht. LPM, das bisher oft kompostiert oder vor Ort verbrannt wird, stellt eine Biomassequelle dar, deren Potenzial für die Bioenergieerzeugung noch nicht umfassend ausgeschöpft wird.
Die Pflege von Landschaften ist von öffentlichem Interesse. Eine Integration der energetischen Nutzung von LPM in bestehende regionale Wertschöpfungsketten zur Bioenergieerzeugung erscheint daher sinnvoll. Am greenGain-Projekt waren acht Einrichtungen aus Deutschland, Italien, Spanien und der Tschechischen Republik beteiligt.
Potenzial von Landschaftspflegematerial als alternative Biomasse
Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Sonnenblumen bieten zwar ein großes Biomassepotenzial, stehen jedoch in Konkurrenz zur Produktion von Futter- und Lebensmitteln. Für eine nachhaltige Energiewende ist die Nutzung alternativer Biomasseressourcen von Bedeutung. Dazu zählt holziges und krautiges Material aus gesetzlich vorgeschriebenen Landschaftspflegemaßnahmen auf öffentlichen Flächen wie Grünanlagen, Parks, Wallhecken sowie an Straßen und Wegen.
Diese Biomasse, die oft als Restbiomasse oder Abfallstoff eingestuft wird, zeichnet sich durch eine starke räumliche und saisonale Heterogenität aus, was zu unterschiedlichen Brennstoffqualitäten führt. Die Nutzung von LPM als Energieträger ist daher noch die Ausnahme. Weitere Hemmnisse sind Wissensdefizite bei lokalen und regionalen Akteuren sowie fehlende administrative Zuständigkeiten. Eine spezifische europäische Gesetzgebung zur Regulierung von LPM und dessen Nutzung zur Energieproduktion existiert derzeit nicht.
Erkenntnisse aus dem greenGain-Projekt
Im Rahmen des greenGain-Projekts wurde das Biomassepotenzial von LPM in Pilotstudien analysiert. In der deutschen Pilotregion Friesland, die von Hecken- und Baumreihen geprägt ist, konnten zwischen 3 und 16,62 Tonnen Frischmasse pro Quadratkilometer und Jahr gewonnen werden. Obwohl dieses Potenzial im Vergleich zu Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft geringer ist, kann es einen Beitrag zur Energiewende und zur lokalen Wertschöpfung leisten. Zudem kann die energetische Nutzung einen finanziellen Ausgleich für die anfallenden Pflegekosten bieten.
Die Energiegewinnung aus LPM trägt zur Reduzierung von Treibhausgasen (THG) bei. In der friesischen Pilotregion werden jährlich etwa 15.000 Kubikmeter Holzhackschnitzel aus der Landschaftspflege vermarktet. Diese Menge ersetzt 1,5 Millionen Liter Heizöl und führt zu einer Einsparung von fast 5.000 Tonnen CO2-Äquivalenten. Die Verbrennung von Holz ist CO2-neutral, wobei der Energieaufwand für Ernte und Aufbereitung des LPM berücksichtigt werden muss. Insgesamt spart die Verbrennung von LPM gegenüber Heizöl rund 94 Prozent THG-Emissionen ein.
Informationsverbreitung und Projektkoordination
Ein weiteres Ziel des Projekts war die Sammlung und Bereitstellung von Informationen zum Thema Landschaftspflege für ein breites Netzwerk. Dies soll allen Akteuren der Wertschöpfungskette Zugang zu den politischen, finanziellen, logistischen, technischen und sozioökonomischen Aspekten ermöglichen. Die Projektergebnisse sind online verfügbar.
Das greenGain-Projekt wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Horizon 2020 gefördert. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) übernahm die Koordination des Projekts.
