Trotz Wintereinbruch: Hoffnung auf Aufschwung im Gartenmarkt
Nach einem langen Winter blicken Industrie und Handel mit verhaltenem Optimismus auf die bevorstehende Gartensaison. Gut drei Monate vor Beginn der Gartenmesse spoga+gafa in Köln setzen Branchenvertreter auf einen guten Sommer und damit verbundene Umsatzzuwächse. Der Trend zum Outdoor-Living wird dabei als ungebrochen stark eingeschätzt.
Trotz des verzögerten Frühlings in Europa zeigt sich der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) zuversichtlich, den schleppenden Saisonstart noch ausgleichen zu können. Die im BSI organisierten Unternehmen verweisen auf eine langjährige, stabile Marktentwicklung. Ihr Optimismus speist sich aus der Konzentration deutscher Hersteller auf hohe Qualität und Innovationskraft. Das Geschäftsjahr 2012 schlossen die meisten Mitgliedsfirmen mit einem leichten Umsatzplus ab und erwarten, dieses Wachstum auch 2013 zu erreichen.
Eine Konjunkturauswertung des BSI nach dem ersten Quartal 2013 zeigt, dass knapp 44 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als sehr gut oder gut einschätzen, während 50 Prozent zufrieden sind. Für das zweite und dritte Quartal erwarten knapp 24 Prozent eine noch günstigere Geschäftsentwicklung, und fast 70 Prozent rechnen mit einer Fortsetzung der aktuellen Lage.
Der Industrieverband Garten (IVG) berichtet, dass das Jahr 2012 vielversprechend mit einer warmen Vorfrühlingssaison begann. Das teilweise verregnete Sommerwetter wirkte sich jedoch unterschiedlich auf die Sortimente aus. Besonders gefragt war im Jahr 2012 das Lebende Grün, insbesondere Pflanzen für den Außenbereich. Im Segment "Grün Outdoor" wurde zum Jahresende je nach Vertriebsweg ein Umsatzplus zwischen 3 und 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet.
Für 90 Prozent der im IVG organisierten Unternehmen verlief das Jahr 2012 zufriedenstellend bis gut, wobei 47 Prozent es sogar als überwiegend gut bewerteten. Dies wurde maßgeblich durch die stabile Binnennachfrage getragen. Deutliche Zuwächse meldeten 51 Prozent der Unternehmen aus dem Online-Bereich. Zu Jahresbeginn stuften 58 Prozent der IVG-Unternehmen die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland als gut ein.
Für das laufende Gartenjahr müssen viele Unternehmen ihre anfänglich positiven Erwartungen aufgrund des schlechten Saisonstarts korrigieren, da die Verbraucher erst sehr spät die Verkaufsstellen frequentierten. Der IVG ist jedoch zuversichtlich, dass die Verbraucher in der Hauptsaison einige ihrer Kaufvorhaben nachholen werden.
Die Barbecue Industry Association Grill (BIAG) konstatiert einen anhaltenden Boom im Markt für Grillgeräte, Brennstoffe und Grillzubehör. Weder die europäische Schuldenkrise, Konjunkturschwankungen noch das Wetter konnten diesen Trend bremsen. In einigen Segmenten der Grillbranche lagen die Umsatzzuwächse auch 2012 im zweistelligen Bereich. Trends wie Cocooning (Rückzug ins Privatleben) und Outdoor Living verbinden sich laut BIAG mit der deutschen Grillkultur. Durchschnittlich wird etwa 25 Mal pro Jahr gegrillt.
Der Grillholzkohlemarkt, einschließlich Grillholzkohlebriketts, ist in Europa auf rund 1 Million Tonnen angewachsen, was den Aufwärtstrend der Grillbranche untermauert.
Der BHB – Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten – verzeichnete im Geschäftsjahr 2012 einen leicht rückläufigen Umsatz im Baumarkthandel in Deutschland, konnte aber das hohe Niveau des Vorjahres nahezu bestätigen. Der Gesamtbruttoumsatz der deutschen Bau- und Heimwerkermärkte erreichte 2012 18,6 Milliarden Euro, was einem leichten nominalen Umsatzminus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2013 zeigt sich die Branche verhalten optimistisch.
Der BHB erwartet ein geringes nominales Umsatzwachstum zwischen einem und maximal zwei Prozent, basierend auf den Prognosen führender Wirtschaftsinstitute zur Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Da das Jahr 2013 witterungsbedingt sehr verhalten begann, sind die Monate März bis Juni für die Zielerreichung im wichtigen Gartensegment entscheidend. Die Validität der Gesamtjahresprognose hängt somit maßgeblich vom Verlauf der kommenden Monate ab. Laut BHB ist zudem entscheidend, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabil bleiben.
Nach Angaben der European DIY Retail Association (EDRA) war das erste Quartal 2013 das umsatzschwächste aller Zeiten für die Branche. EDRA-Mitglieder verzeichneten in diesem Zeitraum Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent gegenüber 2012. Obwohl im zweiten Quartal eine gewisse Aufholung erwartet wird, ist nicht davon auszugehen, dass alle Verluste wettgemacht werden können.
Generell erkennen immer mehr Baumärkte weltweit die Bedeutung des Gartensegments für ihr Geschäft. Für die meisten EDRA-Mitglieder ist das Gartensegment der wichtigste Wachstumstreiber, wobei manche Unternehmen über 30 Prozent ihres Umsatzes in diesem Bereich erwirtschaften. Zu diesem Wachstum hat auch die verbesserte Qualität der in Baumärkten angebotenen Pflanzen und Gartenartikel beigetragen.
Der Verband Deutscher Garten-Center (VDG) meldet einen außerordentlich schwierigen Branchenstart für das Jahr 2013. Bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang mussten in den ersten drei Monaten verkraftet werden. Ein langer Winter in Verbindung mit einem frühen Ostertermin erschwerte die Lage erheblich, besonders für Gartencenter mit einem starken Pflanzenangebot. Das Wetter sorgt jedoch im Allgemeinen für einen Ausgleich. Ab dem 10. April stellte der VDG fest, dass sich Hobbygärtner dem natürlichen Rhythmus angepasst haben und seitdem intensiver im Garten tätig sind. Da der Garten in der Gunst des Publikums ungebrochen hoch steht, erwartet der VDG einen weitgehenden wirtschaftlichen Ausgleich im Laufe des Jahres.
Für den Verband der Motoristen (VdM) verlief das Wintergeschäft trotz ausbleibenden Schnees zufriedenstellend. Die Gartensaison startete sehr früh, mit einer Nachfrage, die bereits Mitte März einsetzte. Dieses Hoch hielt jedoch nicht lange an, da das Wetter unbeständig wurde und es viel regnete. Der Spätsommer konnte die Umsatzrückgänge, insbesondere bei Rasenmähern, nicht kompensieren. Insgesamt verzeichnete der Motorgeräte-Fachhandel einen Umsatzrückgang von einem Prozent. Lediglich Mähroboter und Akkugeräte konnten ihren Marktanteil deutlich erhöhen. Den Start ins Jahr 2013 kommentiert der VdM als "schlecht".
Durch den kalten Winter mit viel Schnee war das Wintergeschäft in diesem Jahr zufriedenstellend. Der Start in die Gartensaison ließ dagegen auf sich warten. Dennoch erwartet der Motorgeräte-Fachhandel für dieses Jahr eine leichte Umsatzsteigerung.