Herausforderungen durch steigende Kosten und Lieferengpässe
Die deutsche Wirtschaft, einschließlich der grünen Branche, sieht sich weiterhin mit steigenden Kosten konfrontiert. Eine Entspannung auf den Rohstoff- und Transportmärkten zum Jahresende ist ausgeblieben. Die anhaltend hohe Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot treibt die Rohstoffpreise in die Höhe. Zusätzlich verschärfen Lieferkettenengpässe und hohe Energiepreise die Situation.
Hersteller von Substraten, Pflanzerden, Düngemitteln sowie Geräte- und Hartwaren sind gezwungen, die gestiegenen Kosten an den Handel und somit an die Endverbraucher weiterzugeben. Das ifo Institut prognostiziert weitere Preiserhöhungen für Konsumenten. Die ifo-Preiserwartungen sanken im Dezember nur geringfügig, nachdem sie im November 2021 einen Rekordstand erreicht hatten. Die Kostenentwicklung und die Verfügbarkeit von Rohstoffen bleiben somit zentrale Herausforderungen für die grüne Branche.
Enorme Kostenentwicklung im Düngemittelmarkt
Im Düngemittelbereich ist die übliche Kostenreduzierung im vierten Quartal, bedingt durch den saisonalen Rückgang der Nachfrage aus der Landwirtschaft, ausgeblieben. Diese Entwicklung ist auf die angespannte Lage auf den internationalen Märkten zurückzuführen.
Die Preise für Harnstoff haben sich beispielsweise gegenüber 2020 vervierfacht. Hauptursache hierfür ist der Preisanstieg von Erdgas, das als Rohstoff und Energiequelle für die Herstellung von Ammoniak und Stickstoffdüngemitteln entscheidend ist. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) überschritt der Preis für Erdgasbezug Ende 2021 die Marke von 100 Euro/MWh und erreichte fast 140 Euro/MWh für das Jahr 2022. Zudem haben wichtige Exportnationen wie Russland, China, die Ukraine und die Türkei ihre Ausfuhren bei gleichzeitig steigender globaler Nachfrage eingeschränkt. Politische Krisen tragen ebenfalls zu massiven Preissteigerungen, etwa bei Kalidünger, bei. Eine Stabilisierung der Situation ist derzeit nicht absehbar.
Die hohen Energiepreise belasten die Unternehmen auch in ihrer Produktion. Zusätzlich sind die Transportkosten, sowohl im See- als auch im Straßenverkehr, stark gestiegen, was sich besonders bei großvolumigen Produkten auf die Gesamtkosten auswirkt. Diese Entwicklung betrifft Düngerhersteller und somit auch Hersteller von Blumenerden und Substraten, da diese mit Dünger angereichert werden. Die aktuelle Gemengelage stellt zudem eine Gefahr für die angestrebte Torfminderung dar, da Torfersatzprodukte und deren Ausgangsstoffe wie Holzfasern, Rinden oder Kokos sich weiter verteuern und verknappen.
Gerätehersteller leiden unter Materialmangel
Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich laut ifo Institut im Dezember weiter verschärft. 81,9 Prozent der Unternehmen berichteten über Engpässe bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. Davon sind auch die Hersteller von Gartengeräten betroffen. Die globalen Lieferketten stehen aufgrund der Corona-Pandemie unter Druck, und eine Entspannung ist bisher nicht eingetreten.
Mitte Januar befanden sich laut dem Schweizer Logistiker Kühne + Nagel 612 Containerschiffe vor den großen Häfen weltweit. Insbesondere in den USA gibt es erhebliche Abfertigungsschwierigkeiten, die dazu führen, dass Container auf See gebunden sind und für den Transport nach Europa fehlen. Dies setzt die nationalen Lieferketten unter Druck. Der Mangel führt zu drastischen Preisaufschlägen bei den Transportkosten und einer weltweiten Verteuerung der Güter. Destatis verzeichnete eine extreme Preisentwicklung in der interkontinentalen Seefracht, wobei Eingangsseefrachten aus Asien von September 2020 bis September 2021 um 550 Prozent teurer wurden. Chinas strikte Null-Covid-Strategie mit produktionsbedingten Stopps und Hafenschließungen führt ebenfalls zu Verzögerungen in der Lieferkette.
Unternehmen müssen teilweise Wochen oder Monate auf bestellte Materialien warten.
Angespannte Lage zwingt Unternehmen zu Preisanpassungen
Viele Unternehmen haben ihre Lieferketten an die herausfordernde Situation angepasst. Bei fehlenden Rohmaterialien suchen Hersteller nach technischen Alternativen und neuen Lieferanten, um die Produktion auf hohem Niveau zu halten. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Lage angespannt.
Viele unserer Mitgliedsunternehmen haben in den vergangenen Monaten alles Mögliche unternommen, um lieferfähig zu bleiben und den gewohnten Service zu gewährleisten. Doch die Entwicklung der letzten Monate und die ausbleibende Entspannung auf dem Weltmarkt, die voraussichtlich bis ins Frühjahr hineinreichen wird, zwingt die Unternehmen dazu, erneut Preisanpassungen vorzunehmen, um weiterhin wirtschaftlich produzieren und die Versorgungslage sicherstellen zu können.
Dies erklärte Anna Hackstein, Geschäftsführerin beim Industrieverband Garten (IVG) e.V.
