Sechs Jahre Praxistest: Untersuchungsergebnisse
Der im Jahr 2019 sanierte Radweg an der L 255 zwischen Rumohr und Schierensee, südlich von Kiel, wurde in wassergebundener Bauweise errichtet. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) wählte für die Radwegoberfläche eine regional produzierte Hartstein-Deckschicht. Diese wurde von HanseGrand Klimabaustoffe aus Selsingen geliefert und besteht aus einem speziellen Korngemisch sowie einem natürlichen Bindemittel (Stabilizer), das für die Anforderungen eines Radweges konzipiert ist.
Diese Bauweise ermöglichte einen umweltfreundlichen, unversiegelten Wegeaufbau, der den Wurzeln angrenzender Bäume ausreichend Luft und Wasser bietet. Gleichzeitig erfüllt sie den Anspruch an eine ganzjährig gut befahrbare und flexible Wegedecke, die Risse oder Wurzelaufbrüche vermeiden soll.
Nach sechsjähriger Nutzung wurde im April 2025 die Offenporigkeit und Wasserdurchlässigkeit dieser „Naturbauweise“ überprüft.
Untersuchung nach sechs Jahren Liegezeit
Am 2. April 2025 trafen sich in Rumohr Baustoffprüfer des LBV.SH, Mitarbeiter von HanseGrand sowie externe Baustoffprüfer der asphalt-labor Arno J. Hinrichsen GmbH & Co. KG aus Wahlstedt, um verschiedene Untersuchungsmethoden durchzuführen.
Das untersuchte Teilstück ist etwa 600 Meter lang und weist ein Quergefälle von rund 3 bis 3,5 Prozent auf. Der dreilagige Aufbau besteht aus einer Hartstein-Schottertragschicht STS 0/32, einer Dynamischen Schicht 0/16 mm (ca. 6 cm dick) und einer Deckschicht 0/8 mm (ca. 4 cm dick). Die Pflege des Weges erfolgte nach Angaben der Teilnehmer mit geringem Aufwand, beispielsweise bei der Laubbeseitigung im Herbst.
Die optische Prüfung der Radwegoberfläche zeigte keine Beanstandungen. Es waren keine Wurzelhebungen erkennbar, und die Oberfläche war ebenflächig und feinkörnig. Lediglich an den Wegrändern traten vereinzelt geringe Entmischungen auf, wo aufgrund hochgewachsener Grasnarben im Bankettbereich das Oberflächenwasser nicht ungehindert abfließen konnte.
Prüfverfahren und Ergebnisse
Für die Untersuchung der hydraulischen Durchlässigkeit entnahmen die Baustoffprüfer des LBV.SH schichtweise Proben der Deckschicht und der Dynamischen Schicht. Mittels eines Densitometers wurde vor Ort die Dichte der Baustoffe ermittelt. Im Labor wurde anschließend ein Standrohr-Versuch in Anlehnung an DIN 18 130-1 und DIN EN ISO 17 892-11 durchgeführt, um den Durchlässigkeitsbeiwert kf zu bestimmen. Zusätzlich erfolgte die Ermittlung der Korngrößenverteilung gemäß DIN EN 933-1.
Beide Korngrößenverteilungen zeigten auch nach sechs Jahren eine regelkonforme und gut gestufte Kornverteilung. Der Feinanteil in der Deckschicht lag mit etwa 12 Masseprozent im mittleren Bereich der FLL-Empfehlungen, bei der Dynamischen Schicht mit etwa 8 Masseprozent ebenfalls in einem annehmbaren Bereich. Dies deutet darauf hin, dass es in sechs Jahren zu keiner signifikanten Kornumlagerung ab der Wegeoberkante kam.
Die ermittelte Wasserdurchlässigkeit liegt zwischen kf = 6,5 x 10-6 m/s und 7,5 x 10-6 m/s. Dies entspricht einer Versickerungsrate von etwa 23,4 l/m² bis 27 l/m² pro Stunde und liegt damit etwa siebenfach über dem Anforderungswert der FLL-Empfehlungen für wassergebundene Wege.
Parallel dazu ermittelte das asphalt-labor in einem Feldversuch mittels Doppelring-Infiltrometer nach TP Gestein-StB, Teil 8.3.4 den Infiltrationsbeiwert, aus dem der Durchlässigkeitsbeiwert kf rechnerisch abgeschätzt wurde. Dieser Wert war höher als der im Labor ermittelte kf-Wert. Das asphalt-labor stellte fest:
Die Anforderung an die Wasserdurchlässigkeit gemäß FLL-Fachbericht wird an der geprüften Station erfüllt.
Die Oberflächen-Scherfestigkeit des Weges wurde ebenfalls näherungsweise per Feldversuch bestimmt. Als unverbindlicher Schätzwert übertraf sie mit über 200 kN/m² die Mindestanforderungen um mehr als das Doppelte, wobei der Zustand der Deckschicht bei der Prüfung relativ trocken war.
Fazit der Untersuchung
Die Langzeitprüfung zeigt, dass wassergebundene Radwegedecken, die mit speziell abgestimmten Baustoffgemischen sowie dem richtigen Wegeaufbau und Querprofil erstellt wurden, dauerhaft Wasserdurchlässigkeit und Langlebigkeit bieten können. Dies ist ohne besonderen oder erhöhten Pflegeaufwand möglich. Gleichzeitig erfüllen sie die ökologischen Funktionen einer entsiegelten Bauweise und ermöglichen benachbarten Bäumen einen möglichst wenig gestörten Lebensraum.
Durch die Verwendung rein natürlicher Baustoffe wird der Ressourcenverbrauch minimiert. Der Radweg bleibt einfach bearbeitbar und kann bei Bedarf ohne Auflagen oder Einschränkungen rückgebaut werden.


