Erfolgreiche Sicherung der Lindenallee
Die 300 Jahre alte, denkmalgeschützte Lindendoppel-Allee auf Gut Seestermühe, ein Bestandteil einer barocken Gartenanlage und 2010 als eine der schönsten Alleen Schleswig-Holsteins ausgezeichnet, war in ihrem Bestand gefährdet. Nun konnten durch einen Runden Tisch unter der Leitung des Fördervereins KulturLandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. knapp 200.000 Euro an Fördermitteln für Baumpflege, Neupflanzungen und Umweltbildung gesichert werden. Ein Großteil der Summe, 80.000 Euro, stammt von der BINGO! Umweltlotterie.
Die historische Lindenallee Seestermühe ist gerettet! Die notwendigen Baumpflegemaßnahmen und Neupflanzungen können ab heute erfolgen. Wir sind als Runder Tisch am Erhalt der Allee interessierter Akteure sehr erleichtert und danken allen Fördermittelgebern sowie ehren- und hauptamtlichen Mitstreitern im Projekt.
Dies erklärte Dr. Frank Schoppa, Initiator und Koordinator des Projekts sowie Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. Mit den Arbeiten an der Allee wurde der Pinneberger Baumpflege-Fachbetrieb Baumpflege Uwe Thomsen e.K. beauftragt.
Seit 1980 beschäftigen wir uns ausschließlich mit dem Thema Bäume. Wir untersuchen, begutachten, bewerten und behandeln Bäume, wir pflanzen und wir fällen auch Bäume. Wir treten vehement dafür ein, Bäume alt werden zu lassen und nicht vorzeitig zu fällen. Nur alt werdende und alte Bäume können die vielfältigen Aufgaben und Wünsche, die wir ihnen zusprechen oder abverlangen, erfüllen. Alte Bäume sind nicht zwingend krank und müssen nicht gefällt werden! Und auch kranken Bäumen kann geholfen werden!
Dies betonte Baumpflege-Experte Uwe Thomsen. Der 2015 gegründete Runde Tisch „Erhalt der Barockallee Seestermühe“ setzt sich aus verschiedenen Akteuren zusammen, darunter Prof. Dr. Holger Gerth (Landesnaturschutzbeauftragter SH), Dr. Margita Meyer (Landesdenkmalamt SH), Andreas Köhler (Fachbereichsleitung Kreis Pinneberg), Jörg Kastrup (Untere Naturschutzbehörde, Kreis Pinneberg), Antje Metzner (Untere Denkmalschutzbehörde Kreis Pinneberg), Thorsten Rockel (Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe), Graf und Gräfin von Kielmansegg (Gut Seestermühe), Ernst-Wilhelm Rabius (Vorsitzender Verein zur Erhaltung Historischer Gärten SH e.V.), Axel Huckfeldt (Vorsitzender Bund dt. Baumschulen SH e.V.) und Achim Meierewert (GF Fachverband GaLaBau SH e.V.) sowie Wolfram Munder (Bund dt. Landschaftsarchitekten SH e.V.).
Fördermittel und Spenden
Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch verschiedene Fördermittelgeber und Spender:
2020
- BINGO! Umweltlotterie: 80.000 EUR
- Gemeinde Seestermühe: 12.000 EUR
- Familie Graf von Kielmansegg: 12.000 EUR
- Kreis Pinneberg: 10.000 EUR
- Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.: 10.000 EUR
- Gesellschaft zur Erhaltung Historischer Gärten in Schleswig-Holstein e.V.: 7.500 EUR
- Peter Kölln GmbH & Co. KGaA: 5.000 EUR
- Diverse: 1.500 EUR
- Gesamt 2020: 138.000 EUR
2019
- Landesdenkmalamt Schleswig-Holstein: 20.000 EUR
- Gemeinde Seestermühe: 10.000 EUR
- Familie Graf von Kielmansegg: 10.000 EUR
- Kreis Pinneberg: 10.000 EUR
- Gesellschaft zur Erhaltung Historischer Gärten in Schleswig-Holstein e.V.: 5.000 EUR
- Gesamt 2019: 55.000 EUR
Stimmen zum Projekt
Die Lindenallee bietet ein Alleinstellungsmerkmal, prägt in ihrer besonderen Eigenart diesen Standort, hat eine identitätsstiftende Funktion und einen hohen Freizeitwert. Sie ist ortsbildprägend und trägt zum kulturellen Erbe bei. Durch die Bevölkerung erhält die Allee eine hohe Wertschätzung und verbindet die Bürger mit ihrem Landstrich. Sie bedeutet ein Stück Kulturlandschaft, die zur Lebensqualität in dieser Region beiträgt und eine Besonderheit ist.
Helmuth Ahrens, Kreispräsident (Kreis Pinneberg).
Die Gemeinde Seestermühe freut sich sehr, dass das überregionale Engagement dazu beigetragen hat, dass die historische Lindenallee weiterhin für uns alle erhalten bleibt. Auf unbürokratische Art und Weise ist es gelungen, verschiedenste Akteure für das Projekt zu begeistern. Wir danken allen Mitstreitern, die durch Finanzierung und anderen Dienstleistungen zum Erhalt der Lindenallee beigetragen haben. Allen voran Herrn Dr. Schoppa, ohne dessen persönliches Engagement wir dieses Ziel niemals erreicht hätten.
Thorsten Rockel, Bürgermeister der Gemeinde Seestermühe.
Ich bedanke mich sehr für die Initiative von Herrn Dr. Schoppa, seit 2015 den Runden Tisch zur Sanierung der Lindenallee immer wieder zusammengeführt zu haben. Außerdem auch allen Beteiligten des Runden Tisches für die Mitarbeit und Ideen, um immer wieder Förderungsmöglichkeiten aufzutun. Wir sehen heute den Erfolg dieses gemeinsamen Projektes.
Alexander Graf von Kielmansegg, Eigentümer.
Wir freuen uns riesig, dass es mit einer Förderung nun doch bei Bingo-Lotto noch geklappt hat. Da das Landesamt für Denkmalpflege selbst nur Zuwendungen von 80.000 Euro für alle Gärten, Parks und Ehrenmalanlagen hat, beim Kreis keine Gelder für historische Gärten vorhanden sind, war für die Denkmalpflege die notwendige Summe von 160.000 Euro nicht schulterbar. Die barocken Alleen in Seestermühe gehörten zu den ältesten erhaltenen Alleen in Schleswig-Holstein und sind in der Marsch sicher einzigartig.
Dr. Margita Meyer, Gartendenkmalpflegerin beim Landesamt für Denkmalpflege SH.
Die Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten Schleswig-Holstein e.V. beteiligt sich an der Sanierung der Lindenallee in Seestermühe mit einem Zuschuss. Sie hatte bereits den ersten Bauabschnitt gefördert. Der Verein, der erst vor sechs Jahren gegründet worden ist, unterstützt die Eigentümer historischer Garten- und Parkanlagen in vielfältiger Weise. In Seestermühe hat ihn besonders das große ehrenamtliche Engagement des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. beeindruckt, der in enger Abstimmung mit dem Eigentümer, Graf Kielmensegg, viele Akteure und Unterstützer zusammengebracht hat, um diese besonders wertvolle historische Allee zu erhalten. Dies ist nun schon die vierte private Allee, an deren Sanierung sich die Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten beteiligt.
Ernst-Wilhelm Rabius, Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten Schleswig-Holstein e.V.
Peter Kölln setzt sich im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie für den Erhalt unserer Kulturlandschaft, der Artenvielfalt und für regionale Klimaschutzprojekte ein. Der Erhalt der Lindendoppelallee in Seestermühe ist für alle diese Ziele ein tolles Beispiel und wir freuen uns, Teil dieses großartigen Projektes zu sein.
Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer Peter Kölln GmbH & Co. KGaA, Elmshorn.
Ich freue mich, dass es uns allen zusammen gelungen ist, die Allee vor dem Untergang zu bewahren und dass die Baumschulen mit ihrer Expertise bei Pflanzenauswahl und Beschaffung dazu beitragen konnten. Zu den Wohlfahrtswirkungen von lebendem Grün gehören auch die Stichworte Lebensqualität, Identifikation, Erholung und Raumwirkung. Man stelle sich nur mal Seestermühe ohne die Allee vor. Seestermühe wäre ärmer!
Axel Huckfeldt, Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein im Bund dt. Baumschulen (BdB) e.V.
Wir freuen uns, dass nun ein Mitglied unseres Fachverbandes die Bedeutung der Baumpflege anhand dieses einmaligen Objektes der barocken Doppel-Allee demonstrieren kann. Das Pflanzen allein genügt nicht: sollen Bäume in Stadt und Kulturlandschaft alt werden können, müssen sie fachgerecht gepflegt werden.
Achim Meierewert, Geschäftsführer des Fachverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein e.V.
Die Historische Linden-Doppelallee Gut Seestermühe im Detail
Seestermühe gilt als die bedeutendste barocke Herrenhausanlage im Pinneberger Kreisgebiet. Die gesamte Gutsanlage, einschließlich Park und Alleen, steht seit 2005 unter Denkmalschutz und befindet sich seit 1751 im Besitz der Grafen von Kielmansegg. Der Barockgarten, zwischen 1700 und 1710 angelegt, bewahrt bis heute seine Grundstrukturen. Dazu gehört die etwa 700 Meter lange Linden-Doppelallee mit 572 Bäumen, die rund 300 Jahre alt sind, sowie ein Kanal und ein Teehaus. Teile der Allee sind öffentlich zugänglich. Im Jahr 2010 wurde die Linden-Doppelallee im Rahmen eines BINGO-Projektes vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund als schönste Allee Schleswig-Holsteins in Privatbesitz ausgezeichnet. Sie ist sowohl denkmal- als auch naturschutzrechtlich geschützt.
Das Gut Seestermühe ist neben dem Haseldorfer Gut die zweite Gutsanlage in den Pinneberger Elbmarschen. Neben dem Herrenhaus sind mehrere Nebengebäude erhalten. Gartengeschichtlich bedeutsam ist die etwa 700 Meter lange vierreihige Lindenallee, an deren Ende ein barocker Gartenpavillon steht. Diese Allee ist ein Relikt einer größeren französischen Gartenanlage, die um 1710 entstand.
Mit ihrer Länge von 700 Metern entfaltet die vierreihige Hauptallee in der Marschlandschaft eine Fernwirkung und zeugt von barocker Pracht. Sie besteht überwiegend aus 572 Linden. Im vorderen Bereich, entlang des Kanals, finden sich auch Hainbuchen, die vermutlich später gepflanzt wurden. Ursprünglich bildeten die Bäume, in Kandelaberform geschnitten, eine geschlossene, strenge Raumkante im barocken Garten. Ausgedehnte Obst- und Küchengärten befanden sich südlich, östlich und westlich der beiden Inseln. Im Gegensatz zu vielen anderen Barockgärten wurde der Garten von Seestermühe im 19. Jahrhundert nicht landschaftlich überformt. Seine Grundstruktur mit der großen Doppelallee, dem Kanal und dem Teehaus am Ende der 700 Meter langen Hauptgartenachse ist bis heute erhalten.
Der Runde Tisch „Erhalt der Doppel-Lindenallee Gut Seestermühe“
Der Runde Tisch „Erhalt der Doppel-Lindenallee Gut Seestermühe“ wurde 2015 auf Initiative des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. gegründet. Dieser gemeinnützige Verein entstand nach der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013 mit dem Ziel, die (garten-)kulturelle Entwicklung der Region durch den Ausgleich wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und kultureller Interessen nachhaltig zu fördern. Ein besonderes Anliegen des Vereins ist der Erhalt wertvoller alter Bäume in der Kulturlandschaft des Pinneberger Baumschullandes, da hier Naturschutzinteressen mit dem Bewahren historischer Landschaftselemente und dem Naturerlebnis zusammenfallen.
Dr. Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins und Jurymitglied im Alleenwettbewerb 2010 des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, initiierte den Runden Tisch. Mitglieder der Initiative sind neben der Familie von Kielmansegg und dem Förderverein: Dr. Margita Meyer (Landesamt für Denkmalpflege, Kiel), Prof. Dr. Holger Gerth (Landesnaturschutzbeauftragter S-H), Thorsten Rockel (BGM Gemeinde Seestermühe), Andreas Köhler (Kreis Pinneberg, Fachbereichsleiter), Antje Metzner (Kreis Pinneberg, Untere Denkmalschutzbehörde), Jörg Kastrup (Kreis Pinneberg, Untere Naturschutzbehörde) sowie das Netzwerk des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland. Sowohl der Förderverein als Antragsteller als auch Graf Kielmansegg sind Mitglieder der Gesellschaft zur Erhaltung historischer Gärten in Schleswig-Holstein e.V., die sich finanziell und beratend an der Sanierung beteiligt.
In Abstimmung mit dem Runden Tisch beauftragte der Förderverein, gefördert durch das Land S-H und den Kreis Pinneberg, ein baumpflegerisches Fachgutachten. Dieses Sachverständigen-Gutachten von 2016, erstellt durch die Firma Baumpflege Thomsen, Pinneberg, bestätigte den Zustand der Allee und listete die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen auf.
Der Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.
Im Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V. sind Gebietskörperschaften, Vereine und Verbände sowie wichtige Einrichtungen im Kreis Pinneberg zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, die über 250-jährige Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland zu erhalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dies umfasst auch die touristische Erschließung und das Erlebbarmachen der Kulturlandschaft. Der Verein fördert Gartenkultur, Landschaftspflege, Naherholung und Tourismus im Baumschulgebiet Kreis Pinneberg und Südwestholstein.
Der Verein verfolgt die Idee der nachhaltigen Entwicklung durch den Ausgleich wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und kultureller Interessen. Der Satzungszweck wird insbesondere durch die Zusammenarbeit von Akteuren aus Gartenbau und Baumschulwirtschaft, Gartenkultur, Landschaftspflege, Naherholung und Tourismusförderung im Vereinsgebiet verwirklicht. Zu den Zielen gehören der Erhalt der Kulturlandschaft, der Schutz, Erhalt und die Förderung gartenkultureller Einrichtungen sowie die Neuentwicklung und Förderung gartenkultureller, landschaftspflegerischer und umweltpädagogischer Aktivitäten und Einrichtungen.
Der Förderverein betreibt Öffentlichkeitsarbeit durch Veranstaltungen, Publikationen, Ausstellungen, Führungen und weitere Informationsmedien. Er unterstützt Forschungsvorhaben, arbeitet mit Vereinen, Verbänden, vergleichbaren Initiativen oder Dachorganisationen zusammen, die den Vereinszweck und seine Ziele unterstützen, und akquiriert Fördermittel für Projekte im Vereinsgebiet.
