Organisation und Verwaltung

Klimawandel und Arbeitsschutz: Hitze als größtes Risiko für Beschäftigte

Längere und intensivere Hitzeperioden stellen laut einer DGUV-Umfrage das größte Risiko des Klimawandels für Beschäftigte dar. Psychische Stressreaktionen folgen an zweiter Stelle. Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien und zeigen den dringenden Handlungsbedarf im Arbeitsschutz.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeitswelt und die Gesundheit

Der Klimawandel beeinflusst die Arbeitswelt auf vielfältige Weise. Studien zeigen, dass klimatische Veränderungen zu gesundheitlichen Problemen wie einer Zunahme von Allergien führen können. Der DAK-Gesundheitsreport weist darauf hin, dass zwei Drittel der Erwerbstätigen ihre Leistungsfähigkeit bei Hitze als eingeschränkt erleben. Eine Studie aus der Schweiz belegt zudem, dass an Hitzetagen über 30 Grad die Zahl der Arbeitsunfälle um 7,4 Prozent steigt. Damit wird der Klimawandel zu einem relevanten Thema für den Arbeitsschutz und die beratenden Expertinnen und Experten in Betrieben.

Die gesetzliche Unfallversicherung untersuchte, inwieweit in Betrieben über die Folgen des Klimawandels gesprochen und nach Lösungen gesucht wird. Die befragten Fachexpertinnen und Fachexperten sehen das Thema Klimawandel bereits für viele Betriebe als relevant an. Rund 38 Prozent stimmen der Aussage „überwiegend oder voll und ganz“ zu, dass sich der Klimawandel in den vergangenen Jahren auf Arbeitsplätze und Tätigkeiten ausgewirkt hat. Weitere 34 Prozent stimmen dieser Aussage „eher zu“, was eine Gesamtzustimmung von über 70 Prozent ergibt. Gleichzeitig geben 46 Prozent der Befragten an, dass in den von ihnen betreuten Betrieben bereits Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen wurden. Weitere 23 Prozent berichten von geplanten Maßnahmen.

Erhöhter Beratungsbedarf bei Klimafolgen im Betrieb

Betriebsärztinnen und -ärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit beraten Unternehmen zu Fragen der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Rund ein Viertel der Befragten stimmt der Aussage „überwiegend oder voll und ganz“ zu, Gefährdungen durch den Klimawandel proaktiv im Betrieb anzusprechen. Weitere 27 Prozent stimmen dieser Aussage „eher zu“. Direkte Anfragen zum Thema Klimawandel sind seltener: 13 Prozent der Befragten erhalten „voll und ganz“ beziehungsweise „überwiegend“ häufig Anfragen zum Umgang mit klimabedingten Gefährdungen, weitere 21 Prozent „eher“. Maßnahmen zum Hitzeschutz dominieren diese Anfragen.

Hitze hat einen unmittelbaren Effekt auf die Arbeitsfähigkeit – vor allem im Outdoor-Bereich, aber auch in Innenräumen wie zum Beispiel in der Pflege. Es ist deshalb nicht überraschend, dass die Unternehmen vor allem beim Risiko Hitze bereits Maßnahmen ergreifen, um ihre Beschäftigten zu schützen und somit die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.

Dies erklärt Dr. Maria Klotz vom Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG). Die Untersuchung zeigt, dass bereits Anstrengungen unternommen werden, um klimawandelbedingten Risiken für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zu begegnen. Es wird jedoch auch deutlich, dass nicht alle Betriebe Maßnahmen umsetzen oder planen. Ein mangelndes Problembewusstsein für den Klimawandel und seine Auswirkungen wird von den Fachkräften oft als Grund genannt. Daher wären mehr Aufklärungs- und Beratungsangebote, insbesondere für kleinere Betriebe, hilfreich.

Zusammenfassend sind die Auswirkungen des Klimawandels nach Einschätzung der Betriebsärztinnen, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit für viele Betriebe bereits spürbar. Die Folgen von Hitze werden als größtes Risiko für die Beschäftigten angesehen und sind daher das Hauptthema in der Beratung durch die Expertinnen und Experten für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Hintergrund und Methodik der DGUV-Umfrage

Die Online-Umfrage wurde vom 12. März bis 30. April 2024 durchgeführt und richtete sich an Personen, die sich im Betrieb mit Sicherheit und Gesundheit beschäftigen, vor allem Betriebsärztinnen und -ärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Insgesamt nahmen 418 Personen teil. Das Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) führte die Umfrage durch und wertete sie aus. Die Befragung wurde über die Verteiler des Verbandes für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e.V. (VDSI) und des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW) verbreitet. Unter den Befragten waren 211 Fachkräfte für Arbeitssicherheit und 187 Mitglieder des Betriebsärztlichen Dienstes. Etwa die Hälfte der Befragten betreut Unternehmen extern, die andere Hälfte ist als interne Fachperson im Unternehmen tätig.

13.08.2024

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